Fernwärme: 70 Prozent weniger Emissionen dank Sandbatterie Pornainen

ENERGIEWENDE · 11. JUNI 2026

Sandbatterie Pornainen: 70 Prozent weniger Emissionen nach einem Jahr

Die weltgrößte Sandbatterie im finnischen Pornainen hat ihr erstes Betriebsjahr abgeschlossen. Betreiber Loviisan Lämpö und das Cleantech-Startup Polar Night Energy melden 70 Prozent weniger Emissionen im Fernwärmenetz und keine einzige Versorgungsunterbrechung.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 3 Min. Lesezeit LESEN


Seit Juni 2025 ist im finnischen Pornainen die nach Herstellerangaben weltgrößte Sandbatterie in Betrieb. Sie ist die primäre Wärmequelle des lokalen Fernwärmenetzes. Nach zwölf Monaten ziehen Betreiber und Hersteller eine Bilanz, die alle gesetzten Leistungsziele erreicht.

Der Hochtemperatur-Wärmespeicher hat die Emissionen des Fernwärmenetzes um 70 Prozent gesenkt. Der Biomasse-Verbrauch sank um 60 Prozent, Heizöl wird gar nicht mehr eingesetzt. Die Liefersicherheit lag bei 100 Prozent, in einem Jahr gab es keine einzige Unterbrechung der Wärmelieferung.

Polar Night Energy hatte die Technologie schon seit dem ersten kommerziellen Projekt in Kankaanpää erprobt. Die Anlage in Pornainen ist deutlich größer: 13 Meter hoch, 15 Meter breit, gefüllt mit 2.000 Tonnen zerkleinertem Speckstein als Speichermedium.

Wie die Sandbatterie Geld und Emissionen spart

Der wirtschaftliche Hebel liegt im Einkauf. Die Batterie lädt sich dann auf, wenn Strom am Spotmarkt billig ist, und gibt die gespeicherte Wärme über Tage bis Wochen wieder ab. Die Speicherkapazität entspricht etwa dem Wärmebedarf eines Sommermonats oder einer Winterwoche in Pornainen.

Sauli Antila, Operating Partner beim Investor CapMan Infra, nennt den Ladevorteil als auffälligste Kennzahl. Im Schnitt habe man die Batterie 70 bis 80 Prozent unter dem Spotmarkt-Durchschnitt geladen, in einzelnen Monaten lag die Differenz über 90 Prozent. Zusätzlich nimmt das System am Regelenergiemarkt des Netzbetreibers Fingrid teil. „Wir haben gezeigt, dass die Sandbatterie kosteneffizient deutliche Emissionssenkungen liefert“, so Liisa Naskali, COO von Polar Night Energy.

Die Investitionsentscheidung war von der vorangegangenen Energiekrise beschleunigt worden, als das biomassebefeuerte Heizkraftwerk von Loviisan Lämpö ohnehin an das Ende seiner Lebensdauer kam. Antila verweist auf die neue Normalität volatiler Energiepreise, gegen die die Batterie absichere.

Industriedampf als nächstes Anwendungsfeld

Für die Gemeinde Pornainen ist die Sandbatterie mehr als ein Klimaprojekt. Die meisten kommunalen Gebäude hängen am Fernwärmenetz, darunter Schule, Verwaltung und Bibliothek. Durch die gewonnene Kapazität lässt sich nun auch die neue Mehrzweckhalle anschließen, ein großer Wärmeabnehmer.

Bürgermeister Antti Kuusela hebt neben Emissionen und stabilen Preisen die gestiegene Versorgungssicherheit hervor, die angesichts der veränderten Sicherheitslage in Europa an Gewicht gewinnt. Das Netz sei flexibler geworden und könne Störungen besser abfangen.

Sowohl Loviisan-Lämpö-Chef Mikko Paajanen als auch Investor Antila sehen das größte Potenzial in der industriellen Dampferzeugung. Viele Industrieprozesse erzeugen hohe Temperaturen bislang aus Erdgas oder Öl, hier könnten thermische Speicher künftig eine erhebliche Rolle spielen. Genau dort liegt der Brückenschlag zur Elektrifizierung der Wärme, die fossile Brennstoffe und ihre Preisrisiken ersetzt.

Internationale Aufmerksamkeit hat das Projekt reichlich erhalten. Das TIME-Magazin führte die Sandbatterie unter den besten Erfindungen 2025 in der Kategorie Grüne Energie, das Weltwirtschaftsforum bezeichnete sie als Modell für die globale Energiewende. Mittlerweile setzen auch andere Kommunen in Finnland, aber auch aus Deutschland auf Sand als Speichermedium.

QUELLEN

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  1. Polar Night Energy, Pressemitteilung vom 11. Juni 2026: World's Largest Sand Battery achieves its targets
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