OFFSHORE-WIND · 07. JULI 2026
EnBW / Bild: Rolf OtzipkaHe Dreiht: Deutschlands größter Offshore-Windpark geht ans Netz
Vor Borkum vollendet EnBW den ersten subventionsfreien Offshore-Windpark Deutschlands. Für Niedersachsens Energieminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) ist He Dreiht das Symbol eines Jahres, in dem die Erneuerbaren den Takt vorgeben.
In der Nordsee, rund 85 Kilometer nordwestlich von Borkum, geht in diesem Sommer der leistungsstärkste Offshore-Windpark Deutschlands vollständig ans Netz. He Dreiht, plattdeutsch für „Er dreht", erreicht mit 64 Windrädern eine Leistung von 960 Megawatt, in etwa so viel wie ein Atomkraftwerk. Das reicht rechnerisch für rund 1,1 Millionen Haushalte.
Seit Ende November 2025 speist die erste Turbine grünen Strom ins Netz, die vollständige Inbetriebnahme ist für diesen Sommer geplant. Jede Anlage stammt vom dänischen Hersteller Vestas und leistet 15 Megawatt.
Betreiber EnBW verzichtete bewusst auf günstigere Turbinen aus China. Eine einzige Umdrehung eines Rotors versorgt vier Haushalte einen ganzen Tag lang mit Strom.
Bemerkenswert ist He Dreiht aus einem weiteren Grund: Der Park kommt ohne EEG-Förderung aus und refinanziert sich allein über den Strommarkt. Bei einem Durchschnittspreis von 8,41 Cent je Kilowattstunde, den die Deutsche WindGuard für Offshore-Strom 2025 ermittelt hat, zeigt das Projekt, dass Windkraft auf See auch ohne Subventionen wettbewerbsfähig ist. Dass Windstrom in Deutschland trotzdem oft teurer bleibt als anderswo, liegt an Planung und Netzanschluss, wie ein aktueller IRENA-Report zeigt.
Christian Meyer und das Jahr der Erneuerbaren
Für Christian Meyer fällt die Vollendung in ein Jahr, das er selbst zur Weichenstellung erklärt hat. „2026 wird ein entscheidendes Jahr für die Energiewende", sagt der niedersächsische Energieminister, der in diesem Jahr zugleich die Energieministerkonferenz von Bund und Ländern leitet.
Niedersachsen versteht sich als Energieland Nummer eins, und die Zahlen stützen den Anspruch. 2025 gingen im Land 70 Prozent mehr Windräder in Betrieb als im Vorjahr, die Genehmigungsdauer sank auf unter ein Jahr.
Zugleich fielen die Strompreise: Dank gesenkter Netzentgelte zahlen Haushalte in Nordwest-Niedersachsen inzwischen die niedrigsten Netzentgelte bundesweit. Genau diese Frage, wer von der Energiewende profitiert, treibt gerade auch die Debatte um die Stromgebotszone an.
Während das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche (CDU) auf neue Gaskraftwerke als Absicherung setzt, treibt Meyer den Ausbau von Wind, Speichern und Netzen. Diese Spannung zwischen fossiler Reserve und erneuerbarem Ausbau prägt die Energiepolitik des Jahres 2026.
Vom Windrad zur Blühfläche: ein Minister auf Sommerreise
Wie einer arbeitet, der die saubere Zukunft gestaltet statt sie zu verwalten, zeigt Meyer derzeit auf seiner dreitägigen Sommerreise. Zwischen Offshore-Windkraft, Moor-Wiedervernässung und Artenschutz besucht er Projekte, die Energiewende und Naturschutz zusammendenken.
In Uslar informierte er sich über das Projekt KOOPERATIV, in dem mehr als 40 landwirtschaftliche Betriebe, Naturschutzverbände, Wissenschaftler und Kommunen gemeinsam die Artenvielfalt in Agrarlandschaften stärken. Mehrjährige Blühflächen aus regionalem Wildpflanzen-Saatgut sollen Bestäuber zurückbringen. „Ich hoffe, dass dieses Leuchtturmprojekt viele Nachahmer findet", so Meyer.
Das Thema liegt ihm seit Langem am Herzen: 2015 zeichnete ihn der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerverband für sein Engagement für die Bienen mit dem „Goldenen Stachel" aus.
Das Muster ist dasselbe wie auf See: unterschiedliche Akteure an einen Tisch holen und gemeinsam handeln. Landwirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung arbeiten hier zusammen, in Niedersachsen nennt man das den Niedersächsischen Weg.
He Dreiht und der Offshore-Fahrplan bis 2045
He Dreiht ist ein Baustein eines weit größeren Plans. Das Windenergie-auf-See-Gesetz schreibt vor, die installierte Offshore-Leistung bis 2030 auf mindestens 30 Gigawatt, bis 2035 auf 40 und bis 2045 auf 70 Gigawatt zu steigern. Nach einer Vereinbarung aus dem Jahr 2022 sollen es bis 2035 sogar 50 Gigawatt werden.
Mit der vollständigen Inbetriebnahme in diesem Sommer rückt der nächste Meilenstein näher. He Dreiht liefert dabei den Beweis, dass große Offshore-Projekte in Deutschland funktionieren, technisch, wirtschaftlich und ohne Subventionen. Die Aufgabe der nächsten Jahre ist, dieses Tempo zu halten.
QUELLEN
- HNA, Andree Wächter: Deutschlands größter Offshore-Windpark geht schon in wenigen Wochen ans Netz, Juli 2026
- EnBW: Offshore-Windpark He Dreiht
- windbranche.de: EnBW-Windpark He Dreiht produziert ersten Strom, November 2025
- Deutsche WindGuard: Kostenanalyse Offshore-Windenergie 2025
- Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz: 2026 wird entscheidendes Jahr für die Energiewende
- Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz: Minister Meyer startet Sommerreise im Solling
- Christian Meyer auf X: He Dreiht geht ans Netz, Juli 2026
- Wikipedia: Christian Meyer (Politiker)