SPEICHER · 01. September 2026
Sonnen GmbHShell verkauft sonnen: Speicherpionier geht an Investor Tiven
Shell hat den Heimspeicherhersteller sonnen aus Wildpoldsried an das Family Office Tiven verkauft. Der Ölkonzern bestätigte den bereits abgeschlossenen Deal Mitte August, zum Kaufpreis äußerte er sich nicht.
Shell hat seine Speichertochter sonnen an den Investor Tiven verkauft. Das bestätigte der Ölkonzern am 13. August 2026, wie das Handelsblatt zuerst berichtete. Der Verkauf sei zu diesem Zeitpunkt bereits vollzogen gewesen.
Tiven ist ein internationaler Vermögensverwalter mit Sitz in München und Malta, ein sogenanntes Family Office, das also privates Vermögen einer Unternehmerfamilie verwaltet und investiert. Gegründet wurde Tiven von Gert Purkert, einem Gründungspartner des Münchner Sanierungsinvestors Aurelius.
Mit der operativen Sanierung von sonnen habe Tiven die Aurelius-Restrukturierungseinheit Aurelius WaterRise beauftragt. Aurelius hat sich in den vergangenen Jahren auf die Sanierung von Krisenunternehmen spezialisiert und dafür wiederholt Tochtergesellschaften großer Konzerne übernommen. Die eigentlichen Entscheidungen träfen aber weiterhin Tiven selbst und das sonnen-Management, sagte eine mit der Sache vertraute Person dem Handelsblatt. Aurelius sei damit nicht Eigentümer von sonnen, sondern nur mit der Sanierungsarbeit betraut.
„Die guten Nachrichten sind: Es gibt jetzt einen Investor, der sich stark um das Unternehmen kümmern wird", sagte die Person laut b4bschwaben.de. Ziel sei es laut Berichtslage, die sanierte sonnen Group später weiterzuverkaufen.
Ein Milliardenverlust für Shell
Shell hatte sonnen im Februar 2019 für knapp 500 Millionen Euro übernommen. Der Einstieg galt damals als Cleantech-Deal des Jahres und war Teil der Shell-Sparte New Energies, mit der der Konzern abseits von Öl und Gas wachsen wollte. Bis 2024 habe Shell noch einmal rund 500 Millionen Euro nachgeschossen, berichtet das Handelsblatt. Über den jetzt erzielten Verkaufspreis schweigt Shell. Laut einem Insider liegt er im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Unterm Strich bleibt damit ein Verlust in Milliardennähe, wie unter anderem der Branchendienst Dealroom schreibt.
„Shell überprüft regelmäßig sein Portfolio sowie strategische Geschäftsmöglichkeiten. Der Verkauf ist Teil unserer laufenden Bemühungen zur Optimierung des Portfolios", teilte ein Shell-Sprecher mit. Die Verkaufsabsicht war bereits seit September 2023 öffentlich.
Drei Jahre suchte Shell einen Käufer, bevor der Deal mit Tiven zustande kam. Wie viele Interessenten es in dieser Zeit gab und warum sich der Verkauf so lange hinzog, ist öffentlich nicht bekannt.
Vom Speicherpionier zum Nischenanbieter
sonnen wurde 2010 von Christoph Ostermann und Torsten Stiefenhofer in Wildpoldsried im Allgäu gegründet. Das Unternehmen zählte zu den ersten Anbietern von Heimspeichern in Deutschland. Früh vernetzte sonnen seine Kunden zu virtuellen Kraftwerken, bündelt also viele kleine Hausbatterien zu einem steuerbaren Kraftwerk. Die sonnenCommunity startete 2016, 2018 erhielt sonnen beim Übertragungsnetzbetreiber Tennet die erste Präqualifikation für ein virtuelles Kraftwerk.
2021 baute sonnen seine Fertigung in Wildpoldsried aus, auf bis zu 10.000 Speicher pro Monat. Damit zählte das Werk zu den größten Speicherproduktionen Europas. Mit der sonnenCommunity und der frühen VPP-Präqualifikation bei Tennet setzte sonnen ein Modell, das inzwischen mehrere Wettbewerber kopiert haben: Ein Speicher wird nicht nur verkauft, sondern über einen Stromvertrag und die Vernetzung im virtuellen Kraftwerk dauerhaft an den Hersteller gebunden.
Heute beschäftigt sonnen am Standort Wildpoldsried noch rund 400 Menschen, Stand 2025. Seit Juli 2024 gilt in der Produktion Kurzarbeit. Am deutschen Heimspeichermarkt kommt sonnen nur noch auf einen Marktanteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich, wie eine Erhebung von pv magazine für 2025 zeigt. Angeführt wird der Markt von BYD mit rund 16,5 Prozent, gefolgt von Sungrow und Huawei. Alle drei Anbieter stammen aus China und profitieren von deutlich gesunkenen Preisen für Batteriezellen, mit denen europäische Hersteller wie sonnen zuletzt kaum mithalten konnten.
Der Umsatz von sonnen sei laut Berichtslage von rund 263 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 78 Millionen Euro im Jahr 2024 eingebrochen, berichtete das Portal RenewEconomy. Was der Verkauf für die Beschäftigten am Standort bedeutet, ist offen. Eine Stellungnahme aus Wildpoldsried liegt bislang nicht vor.
Mit den Schwierigkeiten steht sonnen in der deutschen Solar- und Speicherbranche nicht allein. Auch Photovoltaik-Hersteller wie SMA Solar und Meyer Burger haben in den vergangenen Jahren Werke geschlossen oder Stellen abgebaut, seit chinesische Anbieter Preis und Tempo der Produktion diktieren.
Shells Rückzug trifft einen wachsenden Markt
Der deutsche Heimspeichermarkt wächst, während sonnen schrumpft. Die Wertschöpfung ist in den vergangenen Jahren von der Hardware zum Kundenbesitz gewandert: Wer den Stromvertrag und das virtuelle Kraftwerk hinter dem Speicher betreibt, verdient heute mehr als wer nur die Batteriezellen liefert. Genau dieses Modell hatte sonnen mit der sonnenCommunity früh aufgebaut, während inzwischen günstige Hardware aus China den Markt dominiert.
Shells Verkauf sagt damit vor allem etwas über Shell aus, nicht über den Speichermarkt. Der Konzern hat sich in den vergangenen Jahren aus mehreren Stromgeschäften zurückgezogen, etwa 2024 mit dem Teilverkauf des britischen Virtuelle-Kraftwerke-Anbieters Limejump. Shell konzentriert sich wieder stärker auf sein fossiles Kerngeschäft, während andere Konzerne parallel in Speicher und Netzflexibilität investieren.
Offene Fragen für Wildpoldsried
Tiven soll sonnen laut Berichtslage sanieren und das Unternehmen anschließend weiterverkaufen. Was das für die rund 400 Beschäftigten in Wildpoldsried bedeutet, hat bisher niemand öffentlich benannt. Auch zu den Details der Sanierung, etwa möglichen Stellenkürzungen oder Investitionsplänen, äußerten sich weder Tiven noch sonnen bislang öffentlich.
Für den Standort im Allgäu bleibt damit vorerst offen, ob aus der Sanierung ein neuer Anlauf wird oder der nächste Schritt einer Verkleinerung. Cleanthinking bleibt an dem Thema dran.
QUELLEN
- Handelsblatt: Shell verkauft deutschen Speicherhersteller sonnen an Investor, 13.08.2026.
- b4bschwaben: Shell verkauft Allgäuer sonnen Group an Investor, 13.08.2026.
- pv magazine: Strukturwandel im Heimspeichermarkt: Marktanteile der Hersteller zeigen hohe Dynamik, 26.06.2026.
- pv magazine: Shell will sonnen verkaufen, 08.09.2023.