Windkraft in Sachsen-Anhalt: Was die AfD am 6. September stoppen will

WINDENERGIE · 29. AUGUST 2026

Windkraft in Sachsen-Anhalt: Was die AfD am 6. September stoppen will

Windkraft hat gerade in ostdeutschen Bundesländern wie Sachsen und Sachsen-Anhalt einen schweren Stand. Die AfD hilft - das zeigt eine neue Correctiv-Recherche - eifrig mit, Bürgerinitiativen anzustacheln. Nach der Landtagswahl am 6. September würde die Partei am liebsten regieren und ein Moratorium für Windkraft in Sachsen-Anhalt erlassen.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 7 Min. Lesezeit LESEN


Im benachbarten Sachsen zeigt eine Szene aus dem Mai 2026, wie die Methode im Kleinen funktioniert. In Zwickau versammeln sich rund hundert Menschen zu einer Kundgebung der Bürgerinitiative Gegenwind Erzgebirge, direkt vor dem Rathaus. Neben dem Rednerpult steht ein AfD-Werbetisch mit Flyern, Bierdeckeln und Mitgliedsanträgen. AfD-Kreistagsbeisitzer Kay-Uwe Klepzig nennt Windräder dort „ökonomischen Unsinn", sie zerstörten die Böden der Bauern, obwohl die Stromgestehungskosten der Windenergie weltweit weiter fallen.

Nach der Rede kaufen mehrere Teilnehmer für zwei Euro gelbe Warnwesten und ziehen ins Rathaus, wo der Raumordnungsplan Wind vorgestellt wird. Manche werden laut, einer reißt der Moderatorin fast das Mikrofon aus der Hand. Ein Teilnehmer sagt, er wolle jetzt in die AfD eintreten. Zwickau liegt in Sachsen, nicht in Sachsen-Anhalt, doch Correctiv beschreibt die Szene als Beispiel für ein Muster.

Wie die AfD den Widerstand organisiert

In den meisten untersuchten Konfliktgebieten Sachsen-Anhalts und in mehr als einem Viertel der Gebiete Mecklenburg-Vorpommerns befeuert die AfD den Widerstand gegen Windkraft aktiv, hat Correctiv recherchiert. Sie organisiert Demonstrationen, stellt parlamentarische Anträge und ruft zu Massen-Stellungnahmen gegen einzelne Projekte auf, mit fertigen Textbausteinen auf den Websites befreundeter Initiativen. Jede Stellungnahme muss von der Behörde bearbeitet werden, das kostet Zeit, und Zeit kann kleine Projekte in die Finanzierungslücke treiben.

Parteichefin Alice Weidel spricht von „Windmühlen der Schande". Im Januar 2026 lädt die AfD zu einem Windkraft-Symposium in den Bundestag, unter den Gästen Michael Limburg, Vizepräsident des klimaskeptischen Instituts EIKE. Auch personelle Überschneidungen dokumentiert Correctiv: In Havelberg gründete Sebastian Heldt 2024 die Initiative Gegenwind Deutschland, heute sitzt er im AfD-Kreisverband Stendal, gemeinsam mit Fraktionschef und Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Bei Gegenwind Deutschland selbst ist Heldt inzwischen ausgeschieden.

Der aktuelle Vorstand Martin Teubner sagt, sein Verein sei „parteiunabhängig, und die AfD sollte nicht im Vordergrund stehen". Mit Heldt pflege er weiterhin eine „vernünftige Verbindung", schließlich sei „Havelberg nun mal eine kleine Stadt". Heldt selbst ließ Anfragen von Correctiv unbeantwortet, ebenso die AfD einen Großteil der Fragen. Zur Windkraft schrieb sie lediglich, sie sei nicht zuverlässig, wenn kein Wind wehe, brächten „weitere Anlagen auch nichts".

Nicht jede Kritik an Windkraft ist parteipolitisch motiviert. Auch der Naturschutzbund Deutschland klagt gegen einzelne Projekte, wenn geschützte Vogel- oder Fledermausarten gefährdet sind. Der NABU befürwortet Windkraft grundsätzlich und wendet sich nur gegen einen Bruchteil der Vorhaben, das unterscheidet ihn von den Initiativen, die Correctiv der AfD zuordnet.

Das Moratorium, über das am 6. September mitentschieden wird

Rund 1,7 Millionen Menschen sind in Sachsen-Anhalt wahlberechtigt, Mecklenburg-Vorpommern folgt am 20. September. Eine Umfrage von Infratest dimap für die ARD, erhoben am 24. und 25. August unter 1.511 Befragten, sieht die AfD bei 42 Prozent, vor der CDU mit 22 Prozent. Spitzenkandidat der AfD ist Ulrich Siegmund. In Mecklenburg-Vorpommern liegt die Partei laut Correctiv bei rund 36 Prozent.

Ihr 258 Seiten starkes Regierungsprogramm widmet der AfD Sachsen-Anhalt rund 20 Seiten der Energiepolitik, ergänzt um ein 100-Tage-Sofortprogramm. Sie fordert eine „energiepolitische Kehrtwende um 180 Grad": Neue Genehmigungen für Windräder sollen „bis auf Weiteres" nicht mehr erteilt werden, Solarparks „in deutschen Kulturlandschaften und auf heimischem Ackerland" soll es nicht mehr geben. Erneuerbare will die Partei nicht mehr fördern, Braunkohle so lange wie möglich weiter nutzen, danach Kohle importieren, und zu russischem Gas über beide Nord-Stream-Pipelines zurückkehren.

Auf Bundesebene will die AfD das Pariser Klimaabkommen aufkündigen, das Bundesklimaschutzgesetz abschaffen und Emissionshandel sowie CO₂-Steuer beenden. Den menschengemachten Klimawandel bezeichnet sie im Programm als „These" und „Dogma", den Klimaschutz als „globalistische Klimaideologie". Wie die Partei den Begriff des menschengemachten Klimawandels systematisch umbesetzt, haben wir an anderer Stelle nachgezeichnet. Die AfD-Landtagsfraktion hat angekündigt, ein Windkraftmoratorium im Falle eines Wahlsiegs sofort umzusetzen und das Akzeptanz- und Beteiligungsgesetz des Landes wieder abzuschaffen.

Das Geld, das seit acht Monaten ins Dorf fließen soll

Dieses Gesetz ist acht Monate alt. Sachsen-Anhalt hat es im April 2024 im Kabinett beschlossen, seit 1. Januar 2026 ist es in Kraft: Betreiber von Windrädern zahlen mindestens 5.500 Euro pro Megawatt installierter Leistung und Jahr an die Standortgemeinde. Ein modernes Windrad mit fünf Megawatt bringt einer Gemeinde nach dieser Regel also mindestens 27.500 Euro im Jahr, ein Windpark mit sechs solchen Anlagen mindestens 165.000 Euro. Anspruchsberechtigt sind alle Gemeinden im Umkreis von 2,5 Kilometern.

Für Freiflächen-Photovoltaik gilt eine Mindestzahlung von 2.500 Euro pro Megawatt und Jahr. Da das Gesetz erst seit acht Monaten läuft, gibt es noch keine belastbaren Zahlen, wie viel Geld bereits tatsächlich in den Gemeindekassen angekommen ist. Es ist eine Rechnung, kein ausgezahlter Betrag. Die AfD will das Gesetz streichen, bevor die erste vollständige Abrechnung überhaupt vorliegt.

Der Ausbau kippt schon jetzt

Das Moratorium träfe auf eine Branche, die in Sachsen-Anhalt bereits schrumpft. Im ersten Halbjahr 2026 wurden im Land 14 neue Windräder mit 76,8 Megawatt gebaut, gleichzeitig gingen 82 Anlagen mit 123,6 Megawatt vom Netz. Unter dem Strich steht ein Minus von 50,8 Megawatt, im Vorjahreszeitraum stand noch ein Plus von 114,9 Megawatt. Die installierte Leistung im Land ist damit erstmals gesunken, von 5.758 Megawatt Ende 2025 auf 5.708 Megawatt zur Jahresmitte 2026.

Noch 2025 hatte Sachsen-Anhalt mit einem Nettozubau von 269,2 Megawatt den höchsten Wert seit zehn Jahren erreicht. Bis 2028 sind laut Correctiv landesweit 355 weitere Windräder geplant, die meisten davon im Landkreis Börde, im Burgenlandkreis und im Altmarkkreis Salzwedel. Beim Windkraftausbau je Einwohner liegt Sachsen-Anhalt bundesweit auf Platz zwei. Genau dieser Vorsprung steht am 6. September zur Disposition.

Windkraft in Sachsen-Anhalt: Was gegen den Stillstand spricht

Rund 14.550 Menschen arbeiten der Agentur für Erneuerbare Energien zufolge in Sachsen-Anhalt in der Windbranche. In Magdeburg-Rothensee baut Enercon sein Generatorenwerk aus, von 710 auf 860 Beschäftigte. Künftig soll dort eine 7-Megawatt-Turbine gefertigt werden, im April 2026 besuchte der Energieminister des Landes den Standort. Windkraft gehört damit zu den wenigen Feldern, auf denen im Land Industriearbeitsplätze entstehen statt zu verschwinden.

Auch Bürgerenergie baut weiter: Die 2009 gegründete Genossenschaft Helionat eG errichtet zusammen mit Alterric und den Städtischen Werken Magdeburg den Windpark Magdeburg-Diesdorf, drei Anlagen mit je 5,56 Megawatt, Baugenehmigung seit November 2025, Inbetriebnahme Ende 2027 geplant.

Eine Landesregierung stößt zudem an rechtliche Grenzen. Ein Windrad muss nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz genehmigt werden, wenn es die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, und die schreibt der Bund vor, nicht das Land. Das Windenergieflächenbedarfsgesetz verpflichtet Sachsen-Anhalt zudem, bis Ende 2027 mindestens 1,8 Prozent der Landesfläche für Windkraft auszuweisen, bis Ende 2032 sind es 2,2 Prozent.

Ein AfD-Wahlsieg „könnte einen Rückschlag beim Ausbau der Windkraft bedeuten", um „einige Jahre", sagt Udo Krause vom Landesverband Erneuerbare Energie Sachsen-Anhalt gegenüber Correctiv. Aufhalten könne die Partei den Ausbau nicht vollständig.

Dass die Verzögerung trotzdem wirkt, zeigt ein Blick nach Österreich. Markus Winter, Technikvorstand der Windkraft Simonsfeld AG in Niederösterreich, sagt, ein Windpark habe vor zwanzig Jahren drei bis vier Jahre von der Planung bis zum Bau gebraucht, heute steckten manche Projekte 15 oder 20 Jahre fest: „Es ist leider deutlich einfacher, Angst zu schüren, als Fakten zu erklären."

Das Muster ist nicht spezifisch ostdeutsch, sondern funktioniert überall dort, wo niemand widerspricht.

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Manchmal denke ich mir so wir sollten wieder verschiedene Stromverträge einführen. Also Ökostromverträge, Gasstromverträge, Atomstromverträge usw.
Ich vermute das dann schnell so mancher seinen Widerstand gegen Windräder aufgibt. Einfach aus Gier nach billigen Strom aus EE.
Wenn ich diese Ausreden schon wie „verschandeln unberührte Natur“ oder „18km Schotterstraße“ und ähnliches höre, kommt es mir hoch. Wobei nicht selten schon fleißig „Schotterwege“ für die Forstwirtschaft oder den Tourismus durch die Wälder gezogen wurden.
Das kommt von den gleichen Leuten die gerne 100te km Autobahn quer durch die Landschaften nutzen und auch wollten, damit sie schneller von A nach B kommen. Sie stoßen jährlich zig Tonnen CO² aus, das Schuld daran ist das Wälder mittlerweile durch Dürren(Klimawandel) regelrecht umkippen. Aber wehe, man stellt ein Windrad in den Wald und fällt dafür einen vom Borkenkäfer zerfressenen absterbenden Baum.
Ich bin auch dafür das Windräder vorrangig auf bereits gerodeten Flächen gebaut werden. In Deutschland wären das immerhin 68% die der Mensch niedergemäht hat um dort Äcker, Städte, Dörfer, Industrieanlagen, Straßen, Autobahnen usw. entstehen zu lassen bzw. zu bauen. Also viel Potential. Aber wenn es nicht anders geht ist mir ein Windrad im Wald 100mal lieber als ein AKW auf dem Acker.

Dies ist alles ein bisschen radikal geschrieben. Aber vielleicht gibt das dem ein oder anderen Mal zu denken. Wir jammern über den Flächenverbrauch von Windrädern(2% in DE reichen aus) weil uns das von Gegnern/Lobbyisten so weiß gemacht wird, und merken dabei gar nicht das dies tatsächlich Alternativlos ist. Eben weil wir endlich aufhören müssen wie Höllenmenschen auf das „verbrennen“ zu bestehen. Und irgendwen stört ein Windrad immer. Mich stört die 4spurige Bundesstraße(500m Luftlinie) vor meinem Ort auf der täglich 10.000 Verbrenner unterwegs sind und einen Lärm erzeugen das man ihm im ganzen Ort hören kann. Die 19 Windräder im Nachbarort(3km) oder die 90 Windräder im Umkreis von 10km nehmen nicht annähernd soviel Fläche in Beschlag wie so eine Bundesstraße oder die parallel dazu führende alte Dorfstraße. Und sie stören/(bis auf die Optik für den ein oder anderen vielleicht)/zerstören nicht annähernd so viel wie Bundesstraße, Einkaufszentren, Industrieanlagen.
Davon mal abgesehen….was wäre die Alternative? Ein Atomkraftwerk vor der Haustür? Ein Gaskraftwerk oder darf es etwas Kohle sein?

Manchmal denke ich mir so wir sollten wieder verschiedene Stromverträge einführen. Also Ökostromverträge, Gasstromverträge, Atomstromverträge usw.
Ich vermute das dann schnell so mancher seinen Widerstand gegen Windräder aufgibt. Einfach aus Gier nach billigen Strom aus EE.
Wenn ich diese Ausreden schon wie „verschandeln unberührte Natur“ oder „18km Schotterstraße“ und ähnliches höre, kommt es mir hoch. Wobei nicht selten schon fleißig „Schotterwege“ für die Forstwirtschaft oder den Tourismus durch die Wälder gezogen wurden.
Das kommt von den gleichen Leuten die gerne 100te km Autobahn quer durch die Landschaften nutzen und auch wollten, damit sie schneller von A nach B kommen. Sie stoßen jährlich zig Tonnen CO² aus, das Schuld daran ist das Wälder mittlerweile durch Dürren(Klimawandel) regelrecht umkippen. Aber wehe, man stellt ein Windrad in den Wald und fällt dafür einen vom Borkenkäfer zerfressenen absterbenden Baum.
Ich bin auch dafür das Windräder vorrangig auf bereits gerodeten Flächen gebaut werden. In Deutschland wären das immerhin 68% die der Mensch niedergemäht hat um dort Äcker, Städte, Dörfer, Industrieanlagen, Straßen, Autobahnen usw. entstehen zu lassen bzw. zu bauen. Also viel Potential. Aber wenn es nicht anders geht ist mir ein Windrad im Wald 100mal lieber als ein AKW auf dem Acker.

Dies ist alles ein bisschen radikal geschrieben. Aber vielleicht gibt das dem ein oder anderen Mal zu denken. Wir jammern über den Flächenverbrauch von Windrädern(2% in DE reichen aus) weil uns das von Gegnern/Lobbyisten so weiß gemacht wird, und merken dabei gar nicht das dies tatsächlich Alternativlos ist. Eben weil wir endlich aufhören müssen wie Höllenmenschen auf das „verbrennen“ zu bestehen. Und irgendwen stört ein Windrad immer. Mich stört die 4spurige Bundesstraße(500m Luftlinie) vor meinem Ort auf der täglich 10.000 Verbrenner unterwegs sind und einen Lärm erzeugen das man ihm im ganzen Ort hören kann. Die 19 Windräder im Nachbarort(3km) oder die 90 Windräder im Umkreis von 10km nehmen nicht annähernd soviel Fläche in Beschlag wie so eine Bundesstraße oder die parallel dazu führende alte Dorfstraße. Und sie stören/(bis auf die Optik für den ein oder anderen vielleicht)/zerstören nicht annähernd so viel wie Bundesstraße, Einkaufszentren, Industrieanlagen.
Davon mal abgesehen….was wäre die Alternative? Ein Atomkraftwerk vor der Haustür? Ein Gaskraftwerk oder darf es etwas Kohle sein?

Was Sie behaupten, kann ich nicht nachvollziehen! Wir sind umgeben von Windmühlen! Jetzt soll auch noch Rambell /Diedrichshagen/ Schildberg gebaut werden. 22 Anlagen. Unberührte Natur, dass letzte was wir haben und der nächste Generation weitergeben können! 18km Schotterstraße sollen als Zufahrten auf die Felder. Es geht nicht mehr um Strom sondern um Subventionen! Wenn mann alleine die Pachten sieht die gezahlt werden, versteht der letzte, es ist die Gier nach dem Geld. Die Anwohner spielen keine Rolle, die Gemeindevertretung hat sich einstimmig dagegen ausgesprochen! Antwort der Behörde …Rechtswidrig! Bürgern bleiben nur die Protestplakate vor ihren Häusern. Inzwischen Land auf Land ab.

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