Heron Power skaliert Transformatorenfabrik auf 40 Gigawatt

FIRMEN-NEWS · STROMNETZE · 27. AUGUST 2026

Heron Power skaliert Transformatorenfabrik auf 40 Gigawatt

Der von Ex-Tesla-Manager Drew Baglino gegründete Hersteller von Halbleiter-Stromwandlungstechnik baut sein erstes Werk in Morgan Hill, Kalifornien, nahe der eigenen Entwicklungszentrale und peilt eine Jahreskapazität von 40 Gigawatt an.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 MIN LESEN


Heron Power baut sein erstes Werk in unmittelbarer Nähe des eigenen Entwicklungssitzes. Wie Latitude Media am 24. August 2026 berichtete, legt das kalifornische Start-up die Fabrik in Morgan Hill auf eine jährliche Nennkapazität von 40 Gigawatt aus, umgerechnet rund 10.000 Einheiten seines Systems namens Heron Link. Produziert werden soll dort keine klassische Umspanntechnik, sondern eine softwaregesteuerte Kombination aus mehreren Stromwandlungs-Komponenten für Rechenzentren, Solarparks und Batteriespeicher.

Im Februar 2026 sammelte Heron Power dafür 140 Millionen US-Dollar in einer Serie-B-Runde ein, angeführt von Andreessen Horowitz und Breakthrough Energy Ventures. Die Serienfertigung soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 anlaufen. Den Standort Morgan Hill verkündete das Unternehmen erst in der Woche vor dem Latitude-Media-Bericht per Pressemitteilung, wenige Kilometer vom eigenen Hauptsitz entfernt.

Die Nähe ist bewusst gewählt: „Beim ersten Mal, wenn man ein Produkt baut - vor allem eines, das so kompliziert ist wie der Heron Link - will man in einer Fabrik sein, die nah am Entwicklungssitz liegt„, sagte Gründer und CEO Drew Baglino gegenüber Latitude Media. „Es ist wichtig, dass die Produktdesign-Ingenieure viel Zeit in der Fabrik verbringen. Das hilft, Qualitäts- und Kostenziele viel schneller zu erreichen.“ Leistungselektronik-Fertigung hat sich zuletzt vor allem im günstigeren Südosten der USA konzentriert. Tesla hatte 2010 aus demselben Grund sein erstes E-Auto-Werk trotzdem im kalifornischen Fremont gebaut.

Ein Heron Link ist technisch kein Umspanngerät im klassischen Sinn, sondern bündelt mehrere Stromwandlungs-Komponenten in einer modularen Einheit. Ein klassischer Leistungstransformator wandelt Spannung über Kupferwicklungen, die in Öl gekühlt werden müssen; Wartung und Reparatur finden vor Ort am Gerät statt, oft mit wochenlangem Vorlauf für Ersatzteile. Der Heron Link ersetzt diesen Aufbau durch Hochfrequenz-Halbleiter auf Siliziumkarbid-Basis, deren Kosten laut Baglino durch den Hochlauf der Elektroauto-Industrie deutlich gefallen sind.

Die Halbleitertechnik lässt sich per Software fernsteuern, für Spannungsregelung und Lastglättung im laufenden Betrieb, ohne dass Techniker vor Ort eingreifen müssen. Ziel ist ein schnellerer Netzanschluss für Solar-, Speicher- und Rechenzentrumsprojekte sowie mehr Netzresilienz gegenüber großen Spannungsschwankungen.

Gegründet wurde Heron Power 2025 von Baglino, der bei Tesla zuletzt als Senior Vice President für Antriebs- und Energietechnik verantwortlich war und den Konzern 2024 verließ. Als Erstkunden nennt das Unternehmen bislang zwei Namen: den Projektentwickler Intersect Power, den Google 2025 übernommen hat, und den Rechenzentrumsbetreiber Crusoe. Beide testen die Technik gemeinsam mit Heron Power im laufenden Betrieb. Das Interesse von Solar-, Speicher- und Rechenzentrumskunden insgesamt liege laut Baglino deutlich über der für das erste Werk geplanten 40 Gigawatt. Eine belastbare Bestellzahl nennt er nicht.

Beim Preis will Heron Power keinen Aufschlag gegenüber klassischer Technik verlangen. Baglino stützt das nicht allein auf sinkende Halbleiterkosten, sondern auf zwei handelspolitische Vorteile für die US-Fertigung: das Importverbot der Regulierungsbehörde FCC für neue Modelle ausländischer Wechselrichter und Zölle von bis zu 55 Prozent auf importierte Stromwandlungs-Komponenten. Beide Hürden treffen vor allem asiatische Hersteller und verteuern Importware, während ein Werk in Kalifornien davon unberührt bleibt. Für Heron Power wird die Handelspolitik damit zum Standortargument, nicht nur die Nähe zur eigenen Entwicklungszentrale.

Über die Lebensdauer eines Projekts schätzt das Unternehmen seine Technik zudem als 5 bis 6 Prozent wertvoller ein als klassische Alternativen, durch höhere Energieeffizienz, mehr Erlös bei Solar- und Speicherprojekten und niedrigere Stromkosten bei Rechenzentren. Für Betreiber heißt das konkret: Ein Solarpark oder Batteriespeicher, der über 20 bis 30 Jahre läuft, verliert bei klassischer Umspanntechnik laufend Energie an Umwandlungsverluste und Ausfallzeiten; ein Rechenzentrum zahlt diese Verluste über die Stromrechnung mit. Bestätigt ist der Wert bislang nur als Herstellerkalkulation, nicht durch unabhängige Betriebsdaten.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Große Leistungstransformatoren haben inzwischen Lieferzeiten von zwei bis vier Jahren, weil die Nachfrage aus Netzbetreibern, Solar- und Speicherprojekten sowie dem Rechenzentrumsbau gleichzeitig steigt. Ein Großteil der weltweiten Fertigungskapazität für kornorientiertes Elektroblech, das Kernmaterial klassischer Trafos, liegt zudem in wenigen Ländern, mit China als größtem Produzenten. Der Engpass hat sich nach Einschätzung von Branchenbeobachtern von der Recheneinheit zur Umspannstation verlagert: Nicht mehr Grafikprozessoren, sondern Netzanschlüsse bremsen neue Rechenzentrumsprojekte.

In Deutschland zeigt sich dieselbe Verknappung an anderer Stelle. Verteilnetzbetreiber und Übertragungsnetzbetreiber melden seit Jahren lange Wartezeiten auf Großtransformatoren und Hochspannungskomponenten, während der Zubau von Wind- und Solarkapazität sowie neue Rechenzentren zusätzliche Anschlüsse verlangen. Hersteller wie Hitachi Energy oder Siemens Energy fahren ihre Kapazitäten hoch, ohne die Lücke kurzfristig zu schließen. Ein Fertigungsansatz, der auf Halbleiter statt auf lange Vorlaufzeiten bei Elektroblech setzt, trifft damit einen wunden Punkt des Netzausbaus diesseits und jenseits des Atlantiks.

Serienreif ist der Heron Link noch nicht. Baglino sagt offen, dass sein Unternehmen den Fertigungsprozess noch entwickelt, mit Ausrüstungs-Integratoren verschiedene Herstellungs- und Montageverfahren testet und im kommenden Jahr bei Intersect Power und Crusoe zunächst reale Betriebsdaten sammeln will: „Um wirklich bankfähig zu sein, brauchen wir mehr echte Laufzeit im Feld." Ob Heron Power den Zeitplan für 2027 hält, entscheidet sich damit auch an diesem Testjahr im Feld, nicht nur am Bau der Fabrik.

40 GW

JAHRESKAPAZITÄT

Rund 10.000 Heron-Link-Einheiten pro Jahr, Werk Morgan Hill, Kalifornien

140 Mio. $

SERIE-B-FINANZIERUNG

Februar 2026, angeführt von Andreessen Horowitz und Breakthrough Energy Ventures

2. Hj. 2027

PRODUKTIONSSTART

Erstkunden Intersect Power (Google) und Crusoe testen die Technik im Feld

QUELLEN

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  1. Latitude Media: How Heron Power plans to scale first transformer factory to 40 GW, Catherine Boudreau, 24.8.2026.
  2. Canary Media: Heron Power raises $140M to modernize electrical transformers, February 2026.
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