PHOTOVOLTAIK · 26. AUGUST 2026

Wolken auflösen: Meteoric schickt Drohnen über Solarparks
Das Cleantech-Startup Meteoric schickt Drohnenschwärme in Wolken, um Solarparks mehr Sonne zu verschaffen, chemiefrei und günstiger als per Helikopter. Die Fernvision, damit auch Hurrikans zu schwächen, hat die US-Wetterbehörde NOAA schon einmal begraben.
Mete Karslioglu forschte an der University of Cambridge zu reflektierenden Wolken, sein Mitgründer Eric Nilsson zur Mikrofluidik, also zur präzisen Steuerung kleinster Flüssigkeitsmengen. Aus dieser Kombination ist Meteoric entstanden, seit diesem Sommer Teil des Y-Combinator-Batch S26. Wolken auflösen soll bei dem Cleantech-Startup künftig ein Drohnenschwarm: Die Fluggeräte steigen in Höhen zwischen ein und fünf Kilometern auf und verändern dort über ihre Rotoren die Größe der Wassertröpfchen.
Das senkt die Reflexivität der Wolke, mehr Sonnenlicht erreicht die Module am Boden. Klassisches Cloud Seeding arbeitet an derselben Stelle mit Chemie: Silberjodid oder Kohlendioxid werden in die Wolke gebracht, damit Wassertröpfchen daran kondensieren und als Regen abgehen. Meteoric verzichtet auf beides und setzt allein auf mechanische Verwirbelung.
Wolken auflösen für 30 Dollar pro Stunde
Der wirtschaftliche Kern der Idee ist nachvollziehbar. Meteoric beziffert die Kosten für einen Drohnenschwarm auf 30 bis 60 US-Dollar pro Stunde, klassische Wolkenimpfung per Helikopter kostet vierstellige Dollarbeträge in derselben Zeit. Solarparkbetreiber könnten damit ohne Netzausbau und ohne neue Infrastruktur mehr Ertrag aus bestehenden Anlagen holen, laut Meteoric zwischen 10 und 30 Prozent im Jahr.
Belastbar ist diese Zahl bislang nicht. Sie stammt aus Modellrechnungen des Unternehmens selbst, nicht aus Feldtests. Der bisher einzige empirische Beleg ist ein Laborversuch, bei dem ein Prototyp eine künstlich erzeugte Testwolke um 13 Prozent auflöste. Ob sich das unter realen Wetterbedingungen und im großen Maßstab reproduzieren lässt, ist offen. Erste großflächige Flüge plant Meteoric für 2027.
Die Hurrikan-Vision ist 1983 schon einmal gescheitert
Weiter reicht Meteorics Ambition: Ab 2028 sollen Drohnenschwärme auch schwere Stürme und Hurrikans abschwächen. Diese Fernvision steht auf einem anderen Fundament als die Solar-Anwendung. Sie bleibt eine Ankündigung ohne Beleg.
Genau dieses Ziel hat die US-Regierung zwei Jahrzehnte lang mit staatlichem Budget verfolgt. Project Stormfury impfte von 1962 bis 1983 Hurrikans mit Silberjodid aus Flugzeugen, angestrebt waren bis zu 30 Prozent weniger Windgeschwindigkeit. Bei Hurrikan Beulah sank die Windgeschwindigkeit 1963 um fast 20 Prozent, bei Hurrikan Debbie passten die Messungen 1969 zur Hypothese.
Trotzdem beendete die NOAA das Programm. Zwei Befunde gaben den Ausschlag: Hurrikans enthalten deutlich weniger unterkühltes Wasser, als die Methode voraussetzt. Und die Effekte des Seedings ließen sich nicht von natürlichen Intensitätsschwankungen unterscheiden. Die scheinbaren Erfolge waren am Ende nicht belastbar.
An dieser Stelle steht die Wissenschaft heute noch. Die NOAA hat kürzlich klargestellt, dass es keine Technologie gibt, mit der jemand Hurrikans erzeugen oder lenken könnte, eine Reaktion auf im Netz kursierende Desinformation zu angeblicher Wettermanipulation. Die Weltorganisation für Meteorologie hielt 2024 fest, es gebe keine seriöse wissenschaftliche Basis für eine signifikante Beeinflussung von Großwettersystemen. Der Grund ist schlichte Physik: In einem Hurrikan steckt mehr Energie, als sich mit heutigen Mitteln umlenken lässt.
Vom Klima-Notfallwerkzeug ins Energiegeschäft
Interessanter als die Sturmabwehr ist, wo diese Technik gerade landet. Wolkenmodifikation wurde bisher vor allem als Klima-Notfallmaßnahme diskutiert, in der Debatte um solares Geoengineering und dessen Governance-Lücken. Meteoric bringt dieselbe Grundtechnik in ein alltägliches kommerzielles Feld: die Ertragsoptimierung von Solarparks, finanziert aus dem Energiemarkt statt aus Klimaforschungsbudgets.
Technisch unterscheidet sich das Unternehmen von den bekannten Akteuren im Solar Radiation Management. Stardust Solutions und Make Sunsets arbeiten mit reflektierenden Partikeln beziehungsweise Schwefeldioxid-Ballons, Meteoric mit Rotoren. Auch gegenüber dem Marine Cloud Brightening gegen El-Niño-Ereignisse, wo CT bereits über die technologischen Grenzen berichtet hat, ist der Ansatz kleinteiliger: gezielt einzelne Wolken über einem Kraftwerk statt großflächiger Eingriff.
Für Solarparkbetreiber bleibt die PV-Anwendung der prüfbare Teil der Geschichte, mit klarem Kostenvorteil gegenüber Helikoptereinsätzen und ohne Chemikalieneinsatz. Sollte Meteoric 2027 im Feld liefern, verschiebt sich damit eine Technologie aus der Geoengineering-Debatte in den regulären Betrieb von Kraftwerken, lange bevor irgendjemand geklärt hat, wer solche Eingriffe genehmigt. Die Hurrikan-Ambition dagegen bewegt sich auf einem Feld, auf dem staatliche Programme mit deutlich größeren Budgets bereits gescheitert sind.
QUELLEN
- Der Standard: „Start-up will Hurrikans mit Drohnen bekämpfen", 25.08.2026.
- NOAA National Weather Service: „Almost Science Fiction: Hurricane Modification and Project STORMFURY".
- NOAA: „Fact check: Debunking weather modification claims".
- World Meteorological Organization: „WMO Statement on Weather Modification", 2024.