Stardust Solutions: Geoengineering-Startup entwickelt reflektierende Partikel gegen Erderhitzung

Solares Geoengineering: Mit 75 Millionen Dollar und offengelegten Partikeln rückt Stardust eine hoch umstrittene Klimaintervention näher.

Aktualisiert am 29. Mai 2026. Das US-israelische Cleantech-Unternehmen Stardust Solutions will mit gezielter Sonneneinstrahlungs-Reduktion (Solar Radiation Management, SRM) zur Abkühlung der Erde beitragen. Bis Ende der 2020er-Jahre soll ein komplettes System bereitstehen, das mit neuartigen Partikeln Sonnenlicht in der Stratosphäre reflektiert. Im Oktober 2025 sammelte Stardust 60 Millionen US-Dollar ein und legte im Mai 2026 erstmals die chemische Zusammensetzung seiner Partikel offen – zwei Schritte, die das einst geheime Vorhaben ins Zentrum einer scharfen Debatte rücken.

Überblick zum Thema: Methoden, Akteure, Recht und die ethische Debatte rund um solares Geoengineering fasst unsere Themenseite zusammen.

Mai 2026: Stardust lüftet das Geheimnis

Am 14. Mai 2026 veröffentlichte Stardust sechs wissenschaftliche Preprints, die das Unternehmen zur Begutachtung (Peer Review) bei Fachjournalen eingereicht hat. Damit endete eine rund zweijährige Phase der Geheimhaltung, in der Forschende eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen mussten, um die Daten überhaupt einsehen zu dürfen. Die Papers beschreiben Zusammensetzung, atmosphärisches Verhalten und Ausbringungstechnik der Partikel. Begutachtet sind sie noch nicht.

Technologie: zwei Partikel-Generationen jenseits von Schwefel

Stardust entwickelt zwei Typen kugelförmiger Partikel von rund 0,5 Mikrometern Größe – etwa 125-mal kleiner als das feinste Sandkorn. Generation 1 besteht aus amorphem Siliziumdioxid, das laut Unternehmen „vollständig bio-sicher, heute skalierbar herstellbar und weit validiert“ ist. Generation 2 ergänzt einen Kern aus Calciumcarbonat in einer Silica-Schale.


Der Grund für die zweite Generation ist physikalisch: Partikel, die viel von der ausgehenden Infrarotstrahlung der Erde absorbieren, heizen die Stratosphäre auf – ein unerwünschter Nebeneffekt. Generation 2 reflektiert sichtbares Sonnenlicht ebenso gut, ist aber durchlässiger für Infrarot und lässt sich daher in höherer Dosis einsetzen, ohne die Stratosphäre zu erwärmen.

Wichtig für die Sicherheitsfrage: Stardust verwendet amorphes, nicht kristallines Siliziumdioxid. Kristalliner Quarzstaub – etwa beim Schneiden von Gestein – gilt als gesundheitsschädlich. Amorphes Silica, auch in Zahnpasta und Lebensmitteln verbreitet, stuft die Krebsforschungsagentur der WHO bei niedrigen Dosen nicht als Risiko ein. Beide Partikel sind laut Unternehmen so konstruiert, dass sie nach dem Absinken in natürliche Kreisläufe zurückgehen.

AnsatzMaterialStatus (2026)Hauptkritik
Stardust Gen 1Amorphes SiliziumdioxidLaborgetestet, Patent angemeldetLangzeit-Verwitterung unklar
Stardust Gen 2Calciumcarbonat-Kern + Silica-SchaleNoch in TestsWirkung unbestätigt
Klassisches SAISchwefeldioxid / SulfatWissenschaftlich am besten erforschtAtemwege, Ozonschicht, saurer Regen
Make SunsetsSchwefeldioxid (Ballons)Aktiv ausgebracht (~240 Pfund 2025)Ohne Genehmigung, „Rogue“-Vorwurf
Vergleich der SRM-Ansätze. Quellen: Stardust-Preprints (Mai 2026), The New York Times, The Economist, Washington Post; Zusammenstellung: Cleanthinking.

Finanzierung und Geschäftsmodell: 75 Millionen Dollar – und ein Milliardenplan

Nach einer Seed-Runde über 15 Millionen US-Dollar durch AWZ Ventures sammelte Stardust im Oktober 2025 weitere 60 Millionen US-Dollar ein – von 13 neuen Geldgebern aus den USA, Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden. Die Gesamtfinanzierung steigt damit auf 75 Millionen US-Dollar. Laut der Non-Profit-Plattform SRM360 ist Stardust damit der mit Abstand größte Geldempfänger in einem Feld, das sonst von Non-Profits und öffentlicher Forschung geprägt ist.

Pikant ist die Herkunft des Kapitals: Erstinvestor AWZ Ventures hat Verbindungen zu Verteidigungs- und Geheimdienstkreisen; sein Beirat wird von Kanadas Ex-Premier Stephen Harper geleitet, der als fossil-freundlich gilt. Ein Investoren-Deck von 2023, über das Politico berichtete, stellte einen weltweiten Volleinsatz ab 2035 und rund 1,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in Aussicht. Stardust erklärt, diese Präsentation spiegele „nicht mehr das aktuelle Denken“.

Zeitplan, Kosten und erste Tests

Den Aufbau eines einsatzfähigen Gesamtsystems beziffert Stardust auf rund 10 Milliarden US-Dollar. Nach Unternehmensangaben würden 10 Millionen Tonnen reflektierender Partikel, über mehrere Jahre ausgebracht, die Erde um etwa 1,5 Grad Celsius abkühlen. Dazu zählen eine industrielle Produktionsanlage, eine Flotte hochfliegender Flugzeuge sowie Sensorik zur Echtzeitüberwachung.

Bislang testete Stardust nur im Labor. Ein erster Außenversuch war für April 2026 geplant – allerdings ohne Partikel freizusetzen: In modifizierten Jets auf rund 18 Kilometern Höhe will das Team Stratosphärenluft ansaugen und die Partikel „in situ“ untersuchen. CEO Yanai Yedvab betont, ein echter Einsatz erfolge nur mit Zustimmung von Regierungen, die klare Regeln setzen.

Politik und Governance: Verbote, Lobbying und Selbst-Ethik

Der politische Gegenwind wächst. Tennessee, Louisiana und Florida haben Geoengineering verboten; in 34 US-Bundesstaaten, auf Bundesebene und in Mexiko sind weitere Verbote in Vorbereitung. Im Februar 2026 brachte der Abgeordnete Greg Steube ein entsprechendes Bundesgesetz ein. Mehr als 600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern ein internationales Verbot. Stardust gab 2025 laut OpenSecrets 370.000 US-Dollar für Lobbyarbeit in Washington aus.

Im April 2026 veröffentlichte Stardust erstmals selbst auferlegte ethische Leitlinien. Kritiker halten das für unzureichend: Ein Unternehmen könne nicht „seine eigenen Prinzipien aufstellen, sich dann für deren Einhaltung beklatschen und Sicherheit nach eigenen Maßstäben selbst zertifizieren“, sagt Shuchi Talati von der Alliance for Just Deliberation on Solar Geoengineering. Weil ein Einsatz die Zustimmung großer Mächte bräuchte, gelten die USA und China als Schlüsselakteure – die Veröffentlichung fiel mit einem Gipfeltreffen von Donald Trump und Xi Jinping zusammen.

Kritik: zwei Konfliktlinien

Die erste Konfliktlinie ist technisch-ökologisch. David Keith (University of Chicago) lobt die Partikel-Forschung als „wirklich hervorragend“, widerspricht aber Yedvabs Aussage, das Partikel sei „ohne jegliche Sicherheitsrisiken“ einatembar – das sei haltlos. Aus der Stratosphäre fallende Partikel reagierten mit Gasen, mit unkalkulierbaren Gesundheitsrisiken. Prakash Kashwan (Brandeis University) warnt vor Eingriffen in Monsun-Muster, von denen rund zwei Milliarden Menschen abhängen.

Die zweite Konfliktlinie betrifft Governance und Kommerz. Cynthia Scharf (Centre for Future Generations) bringt sie auf den Punkt: „SRM sollte kein kommerzielles Unterfangen sein. Punkt.“ Ein gewinnorientiertes Unternehmen habe ein Eigeninteresse am Einsatz – und daran, Schwefel-Alternativen schlechtzureden, gibt Dakota Gruener (Reflective) zu bedenken. Janos Pasztor (vormals Carnegie Climate Governance Initiative) sieht vor allem die Regierungen in der Pflicht, die „den Kopf in den Sand stecken“.

Einordnung: Lösung oder gefährlicher Präzedenzfall?

Nicht alle Stimmen sind ablehnend. Hannah Safford (Federation of American Scientists) argumentiert, die Patente zeigten, dass solare Klimaintervention „vom Theoretischen ins Mögliche“ rücke – es sei Zeit, die Risiken eines Eingriffs gegen die Risiken des Nicht-Eingreifens abzuwägen. Die mediale Aufmerksamkeit ist beträchtlich: Von der New York Times über den Economist bis zum New Yorker (mit Pulitzer-Preisträgerin Elizabeth Kolbert) berichten internationale Leitmedien über das Unternehmen.

Stardust bringt Tempo, Kapital und Systemdenken in ein bislang akademisch geprägtes Feld. Ob das proprietäre Partikel sicher, skalierbar und regulatorisch tragfähig ist, bleibt offen – ebenso wie die Grundsatzfrage, ob ein privates, gewinnorientiertes Unternehmen eine Technologie entwickeln sollte, die den gesamten Planeten betrifft.

Mehr zu Solar Radiation Management und dem Cleantech-Startup Make Sunsets in unserem Artikel.

Was macht Stardust Solutions?

Stardust Solutions ist ein US-israelisches Startup, das Partikel für solares Geoengineering (Solar Radiation Management) entwickelt. Sie sollen in der Stratosphäre Sonnenlicht reflektieren und so die Erde abkühlen.

Woraus bestehen die Partikel von Stardust?

Aus amorphem Siliziumdioxid (Generation 1) sowie einer Variante mit Calciumcarbonat-Kern und Silica-Schale (Generation 2). Die Partikel sind rund 0,5 Mikrometer groß. Stardust legte die Zusammensetzung im Mai 2026 offen.

Wie viel Geld hat Stardust eingesammelt?

Insgesamt 75 Millionen US-Dollar: 15 Millionen Seed-Kapital sowie 60 Millionen US-Dollar in einer Runde im Oktober 2025. Damit ist Stardust laut SRM360 das bestfinanzierte Vorhaben im Feld.

Warum ist solares Geoengineering umstritten?

Kritiker warnen vor unkalkulierbaren Folgen für Wettermuster wie den Monsun, vor Gesundheitsrisiken und davor, dass ein gewinnorientiertes Unternehmen eine planetare Technologie kontrolliert. Zudem könnte SRM den Druck zur Emissionsminderung senken.

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Quellen

  1. Eric Niiler (2026): „Can Some Very Tiny Particles Cool the Planet?“, The New York Times, 14.05.2026.
  2. The Economist (2026): „Could microscopic spheres of silica help cool the planet?“, 21.05.2026.
  3. Corbin Hiar (2026): „A closely guarded plan to cool Earth is revealed“, Politico, 15.05.2026.
  4. Nicolás Rivero (2025): „Private companies have raised millions to block the sun“, The Washington Post, 03.12.2025.
  5. Robinson Meyer / Heatmap (2026): „A secretive geoengineering startup unveils its technology“, Heatmap News.
  6. Elizabeth Kolbert (2025): „A Startup’s Bid to Dim the Sun“, The New Yorker, 20.11.2025.
  7. SRM360 (2025): „For-Profit Startup Secures $60 Million for Climate Cooling Technology“ – Experten-Reaktionen, 29.10.2025.
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