Spanien will Ölkonzerne für Klimaanpassung zahlen lassen

KLIMAPOLITIK · 5. SEPTEMBER 2026

Spanien fordert EU-Klimaanpassungsfonds, finanziert von Ölkonzernen

Spaniens Umweltministerin Sara Aagesen hat die EU-Kommission in einem Brief zu einem dauerhaften Klimaanpassungsfonds aufgefordert. Finanziert werden soll er unter anderem über eine Abgabe auf die Gewinne von Öl- und Gaskonzernen.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 MIN. LESEN


Spanien hat der EU-Kommission einen Forderungskatalog zur Klimaanpassung vorgelegt. Absenderin ist Vizepräsidentin und Umweltministerin Sara Aagesen, Adressat ist EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra. Kernstück des Briefs ist ein permanenter Europäischer Klimaanpassungsfonds, der auch über eine dauerhafte „europäische Klimaresilienz-Abgabe" auf die Gewinne von Öl- und Gaskonzernen finanziert werden soll.

Ergänzend bringt Madrid eine mögliche Steuer auf Luxusflüge ins Spiel. Die Logik dahinter ist das Verursacherprinzip: Wer an fossilen Geschäften verdient und zur Erderwärmung beiträgt, soll für die Folgekosten mitzahlen. Das Thema kommt beim informellen Treffen der EU-Finanzminister am 18. und 19. September in Dublin auf den Tisch, eingebettet in die Verhandlungen über den EU-Haushaltsrahmen 2028 bis 2034.

rescEU soll von der Nothilfe zur Dauereinrichtung werden

Neben dem neuen Fonds fordert Spanien einen Umbau des bestehenden EU-Katastrophenschutzmechanismus rescEU, der seit 2019 gemeinsame Löschflugzeuge und Hubschrauber bereitstellt. Spanien hat ihn im Sommer 2026 selbst aktiviert und zwei Löschflugzeuge aus Frankreich angefordert. Aagesens Vorschlag ist keine neue Institution, sondern eine Funktionsänderung: rescEU soll vom reaktiven Katastrophenschutz-Pool zu einem permanenten Klimanotfall-Mechanismus mit eigener, dauerhafter Finanzierung werden, statt wie bisher aus Ad-hoc-Haushaltsmitteln.

Der neue Klimaanpassungsfonds soll diese Lücke von der anderen Seite schließen: Wo rescEU auf akute Notfälle reagiert, zielt der Fonds auf Prävention und langfristige Resilienz, etwa in Wasserwirtschaft, Gesundheit, Infrastruktur, Landwirtschaft und Biodiversität. Zusätzlich verlangt Spanien verbindliche EU-Anpassungsziele in diesen fünf Bereichen, fünfjährige Risikoanalysen auf allen Verwaltungsebenen sowie eine schärfere Fassung der „Do No Significant Harm"-Regel, die um eine eigene Resilienz-Komponente ergänzt werden soll.

Ein Sommer mit Rekord-Waldbränden als Hintergrund

Der Vorstoß kommt nach einem Sommer, der die Statistiken der europäischen Waldbrandüberwachung EFFIS gesprengt hat. Seit Mitte Juni registrierte die EU über 1.000 Waldbrände mit rund 540.000 verbrannten Hektar, ein Rekordwert. Allein in der Woche vom 16. bis 22. Juli brannten laut Copernicus rund 190.000 Hektar, der höchste Wochenwert seit mindestens 2006.

Spanien trug mit über 219.000 verbrannten Hektar fast die Hälfte der EU-Gesamtfläche. Das Umweltministerium zählte bis Anfang August 39 Großbrände über 500 Hektar, mehr als dreimal so viele wie im Vergleichszeitraum 2025. Der Brand bei Los Gallardos in der Provinz Almería tötete Anfang Juli 14 Menschen, der tödlichste Waldbrand in der Geschichte Andalusiens.

Nach einer Schätzung von AccuWeather belaufen sich die Gesamtschäden der Waldbrände 2026 EU-weit auf 15,6 bis 19,1 Milliarden Euro. Allein die Feuerwehreinsätze kosteten Spanien nach eigenen Angaben zwischen 1,7 und 3,3 Milliarden Euro. Zahlen, die den Ruf nach einer dauerhaften Finanzierung statt jährlicher Ad-hoc-Hilfen erklären.

Spanischer Klimapakt als Vorlage für die EU-Ebene

Aagesens EU-Vorschlag folgt einer Logik, die Ministerpräsident Pedro Sánchez national bereits angestoßen hat: dem im September 2025 angekündigten Staatspakt gegen den Klimanotstand. Bis August 2026 sind ihm laut Umweltministerium mehr als 250 Organisationen und Unternehmen beigetreten, darunter die großen Agrarverbände und Fischerei-Genossenschaften. Formell verabschiedet ist der Pakt noch nicht.

Mit dem Brief an Hoekstra skaliert Madrid diese nationale Konsens-Logik auf die europäische Ebene. Das Ringen um verbindliche Klimaanpassungsziele ist damit kein rein deutsches Thema, in der Bundesrepublik blockiert die Union bislang eine Verankerung im Grundgesetz. Spanien setzt stattdessen auf die EU-Ebene, mit Zielen, die für alle Mitgliedstaaten gelten würden.

Aus Brüssel liegt bislang keine offizielle Reaktion auf den konkreten Vorschlag vor. Die EU-Kommission bereitet ihre eigene Klimaanpassungsstrategie ohnehin vor, Hoekstra soll sie im Herbst 2026 vorlegen. Ob die spanischen Forderungen, allen voran die Abgabe auf Öl- und Gasgewinne, darin auftauchen, ist offen. Auch das Finanzministertreffen in Dublin ist informell und trifft keine bindenden Beschlüsse, sondern setzt die Debatte um den nächsten EU-Haushaltsrahmen in Gang.

Der Zusammenhang zwischen Waldbränden und Klimawandel wird in Deutschland vor allem im Faktencheck-Modus diskutiert. Spaniens Vorstoß verschiebt die Debatte auf eine andere Frage: Wer zahlt für die Anpassung an eine bereits eingetretene Erwärmung, und wie dauerhaft wird diese Finanzierung angelegt.

5 1 Bewertung
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Nach oben scrollen
0
Ihre Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x