Reverion will seine Fertigung verzehnfachen

FIRMEN-NEWS · BRENNSTOFFZELLEN · 1. OKTOBER 2026

Reverion holt 150 Millionen Euro für flexible Kraftwerke

Der Klimafonds Kembara führt die Runde an, neu dabei sind Allianz und KfW Capital. Das Geld fließt in ein Werk mit 250 Megawatt Jahreskapazität und bis zu 800 Arbeitsplätzen.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 MIN LESEN


Das Cleantech-Unternehmen Reverion aus Eresing bei München hat eine Series B über rund 150 Millionen Euro abgeschlossen. Es ist die größte Finanzierung seit der Gründung 2022. Reverion baut flexible Kraftwerke im Container, die aus Biogas, Erdgas oder Wasserstoff Strom erzeugen und bei Stromüberschuss rückwärts als Elektrolyseur laufen.

Kembara verwaltet eine Milliarde Euro für Deeptech- und Klimaunternehmen in der Wachstumsphase und gehört zur Venture-Plattform Mundi Ventures. Neu eingestiegen sind Allianz, Aurum Impact, Carbon Equity und KfW Capital, Letztere über ein von UVC Partners verwaltetes Vehikel. Die Bestandsinvestoren Extantia, Energy Impact Partners, UVC Partners, der EIC Fund der Europäischen Union, alfa8 und Possible Ventures ziehen mit. Eine Bewertung nennt Reverion nicht.

Den größten Teil des Kapitals steckt Reverion in eine Megafactory in Deutschland. Sie soll 250 Megawatt Kraftwerksleistung pro Jahr fertigen, zehnmal so viel wie heute. Wo das Werk entsteht, lässt das Unternehmen offen. Im August hatte Reverion angekündigt, binnen eines Jahres über den zweiten Standort zu entscheiden, der Landkreis Landsberg am Lech wirbt um das Werk. Am Stammsitz ist die Belegschaft zuletzt von 100 auf mehr als 200 Menschen gewachsen, am neuen Standort sollen bis zu 800 Stellen hinzukommen.

Im Kern der Anlagen arbeiten Festoxidzellen, die Gas elektrochemisch und ohne Flamme in Strom umwandeln. Bei den Stadtwerken Mühlacker maß Reverion im Kundenbetrieb einen elektrischen Wirkungsgrad von 74,2 Prozent und führt das als Weltrekord für thermische Kraftwerke. Ein Biogas-Blockheizkraftwerk mit Gasmotor kommt auf rund 40 Prozent. Weil kein Luftstickstoff ins Abgas gelangt, fällt das CO2 aus dem Brennstoff in reiner Form an. Stammt es aus Biogas und wird dauerhaft gespeichert, entzieht die Anlage der Atmosphäre unter dem Strich CO2.

Die Leistung pro Einheit hat Reverion inzwischen auf 500 Kilowatt gesteigert, im August lag die ausgelieferte Generation noch bei 100 Kilowatt. Sieben Anlagen laufen an Kundenstandorten im Regelbetrieb, unter anderem beim Steckverbinderhersteller Harting in Espelkamp. Die Projektpipeline beziffert das Unternehmen auf umgerechnet mehr als 1,7 Milliarden Euro, erste internationale Projekte seien in Entwicklung.

Gekauft haben bisher vor allem Betreiber von Biogasanlagen. Inzwischen fragen nach Firmenangaben zunehmend Rechenzentren an, die auf ihren Netzanschluss warten. Die Container erzeugen den Strom direkt am Standort, aus Biogas oder aus Erdgas über das örtliche Gasnetz.

Im Erdgasbetrieb bleibt der Strom fossil, das CO2 fällt aber abscheidefertig an. „Was die Welt braucht, ist sauberer Strom auf Abruf”, sagt CEO und Mitgründer Stephan Herrmann. Rechenzentrumsbetreiber setzen für diesen Zweck bislang vor allem auf Gasturbinen und Großspeicher.

Für das deutsche Stromsystem wichtiger ist der Rückwärtsgang: Dieselbe Anlage wechselt zwischen Stromerzeugung und Elektrolyse. Fehlen Wind und Sonne, liefert sie Strom aus Gas. Ist zu viel Strom im Netz, macht sie daraus Wasserstoff oder synthetisches Methan, das sich im Gasnetz speichern lässt. Eine Maschine übernimmt so die Aufgaben von Kraftwerk und Elektrolyseur zugleich (mehr dazu: Reversibilität als dritte Phase der Energiewende).

Damit setzt Reverion am anderen Ende an als die Bundesregierung. Sie plant in ihrer Kraftwerksstrategie mit großen neuen Gaskraftwerken. Reverions Container docken dort an, wo Gas und Strom schon anliegen: an Biogasanlagen, Stadtwerke, Industriebetriebe.

Knapp 10.000 Biogasanlagen gibt es in Deutschland, die meisten gehören Landwirten. Mit einer steuerbaren, rückwärts laufenden Anlage am Hof würde aus der Energiewende in Bürgerhand ein Teil der Reserve, die bisher fossile Großkraftwerke stellen sollen. Flexible Biogas-Kraftwerke könnten so zur zweiten Säule der Versorgungssicherheit werden (mehr dazu: Reverion-Technologie und die Kraftwerksstrategie).

Wie schnell das geht, hängt an der Fertigung. Den größten Engpass sieht Herrmann derzeit in der Fertigungskapazität, sagte er dem Portal ingenieur.de. Die Zellstapel liefert der südkoreanische Hersteller Doosan Fuel Cell, mit dem Reverion im August einen Vertrag über rund 65 Millionen Euro geschlossen hat. Langfristig will Reverion Anlagen jenseits von zehn Megawatt und einen elektrischen Wirkungsgrad von 80 Prozent erreichen.

150 Mio. €

SERIES B

Größte Runde seit Gründung, Lead-Investor ist Kembara

250 MW

FERTIGUNG PRO JAHR

Zehnmal so viel wie heute, Standort noch offen

74,2 %

ELEKTRISCHER WIRKUNGSGRAD

Gemessen im Kundenbetrieb, Gasmotoren schaffen rund 40 %

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