Volkswagen und Gotion investieren 3,2 Milliarden in Batteriewerke

BATTERIEPRODUKTION · 01. OKTOBER 2026

VW und Gotion bauen gemeinsam Batteriewerke für E-Autos

VW und Gotion gründen mit der Volkswagen-Batterietochter PowerCo drei Gemeinschaftsunternehmen. In Spanien und der Slowakei entstehen Werke für LFP-Batteriezellen, in Marokko eine Anlage für das Kathodenmaterial.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 5 Min. LESEN


Das chinesische Cleantech-Unternehmen Gotion High-tech arbeitet seit 2020 mit Volkswagen zusammen und liefert dem Konzern Batteriezellen. Für die drei neuen Werke investieren die Partner laut Bloomberg insgesamt 3,22 Milliarden Euro, nahezu zu gleichen Teilen. In Valencia sollen jährlich Zellen mit 29,1 Gigawattstunden Speicherkapazität entstehen. Das Werk zählt damit zu den größeren Zellfabriken Europas. Šurany ist auf 8,4 Gigawattstunden ausgelegt, im marokkanischen Kenitra entsteht eine Anlage für rund 100.000 Tonnen LFP-Kathodenmaterial im Jahr.

LFP steht für Lithium-Eisenphosphat, eine günstige und langlebige Zellchemie ohne Nickel und Kobalt. Volkswagen rechnet damit, dass ihr Anteil am europäischen Markt von heute rund zehn Prozent auf 40 bis 60 Prozent im Jahr 2030 steigt. Relevante Produktionskapazitäten für LFP-Zellen gebe es in Europa derzeit nicht, teilte der Konzern mit.

VW und Gotion teilen sich die Mehrheiten in drei Werken

PowerCo baut in Valencia derzeit eine Gigafabrik. Sie geht nun in ein Gemeinschaftsunternehmen über, in dem PowerCo mit 51 Prozent Mehrheitsgesellschafter bleibt. Gotion zahlt rund 1,1 Milliarden Euro für die übrigen 49 Prozent, beide Partner führen das Werk gemeinsam. Investitionen und geplante Arbeitsplätze blieben wie angekündigt, teilte Volkswagen mit.

Valencia soll das europäische Produktionszentrum für Einheitszellen auf LFP-Basis werden, also für das gemeinsame Zellformat der Konzernmarken. Die Zellproduktion soll nach Angaben von The Next Web im Juli 2027 beginnen.

In der Slowakei liegen die Anteile umgekehrt. In Šurany baut Gotion InoBat Batteries laut electrive seit 2025 eine Zellfabrik, die ebenfalls in ein Gemeinschaftsunternehmen übergeht. Gotion hält dort 51 Prozent. Die LFP-Zellen aus Šurany sollen in E-Autos und in stationäre Stromspeicher gehen. Auch das neue Kathodenwerk in Kenitra führt Gotion mit 51 Prozent.

PowerCo bringt bis 2030 rund 470 Millionen Euro für seine Anteile von je 49 Prozent an Šurany und Kenitra ein. Beim Einkauf und im Vertrieb in Europa wollen die Partner ebenfalls gemeinsam auftreten. Wirksam werden die Vereinbarungen erst, wenn die Behörden zustimmen und die Hauptversammlung von Gotion sie billigt.

PowerCo ordnet seine Zellfertigung neu

„Das ist für beide Unternehmen ein wichtiger Durchbruch”, sagt Thomas Schmall, Konzernvorstand Technik und Aufsichtsratschef der PowerCo SE. Volkswagen sei damit der erste europäische Autobauer, der die gesamte Wertschöpfungskette der Batterie abdecke, von der Entwicklung über die Vormaterialien bis zur Produktion. Die Partnerschaft mache die Lieferkette widerstandsfähiger und beschleunige die Industrialisierung, erklärt PowerCo-Chef Frank Blome.

Mitarbeiter im Reinraum einer Serienfertigung für Batteriezellen
Symbolbild für die Serienfertigung von Batteriezellen. QUELLE: VOLKSWAGEN GROUP

Die erste eigene Zellfabrik betreibt PowerCo seit Dezember 2025 in Salzgitter. Die Anfangskapazität liegt bei 20 Gigawattstunden, ausbaubar auf 40, zunächst für Zellen mit Nickel-Mangan-Kobalt-Kathode, später auch für LFP. Laut electrive deckt PowerCo damit rund die Hälfte des Bedarfs an Einheitszellen selbst, Gotion liefert den Rest im selben Format. Verbaut werden die Zellen aus Salzgitter im ID. Polo, im ID. Cross, im Škoda Epiq und im Cupra Raval.

Die neuen Werke bleiben unter früheren Ausbauzielen. Valencia war in der Planung auf bis zu 40 Gigawattstunden ausgelegt, Šurany anfangs auf 20 Gigawattstunden. Das Werk im kanadischen St. Thomas verschiebt PowerCo auf frühestens 2029, als Gründe nennt Volkswagen Zölle und eine langsamere Nachfrage. Andere europäische Batterieprojekte wie Northvolt und Britishvolt scheiterten laut Bloomberg an technologischen Defiziten und hohen Kosten.

Parallel ordnen VW und Gotion ihre Kapitalverflechtung neu. Volkswagen verkauft über die Volkswagen (China) Investment Co. einen Anteil von 5,3 Prozent an Gotion. Die Konzernbeteiligung sinkt damit von rund einem Viertel auf rund ein Fünftel. Stimmrechte und Sitze im Verwaltungsrat von Gotion blieben unverändert, Volkswagen bleibe strategischer Investor, teilte der Konzern mit. In Shenzhen stieg die Gotion-Aktie nach der Ankündigung um das Tageslimit von zehn Prozent.

Gotion-Chairman Li Zhen verweist auf sechs Jahre Zusammenarbeit und auf das Ziel, die Batteriefertigung in Europa anzusiedeln. Mehr als 40 Prozent des Geschäfts macht Gotion nach seinen Worten inzwischen außerhalb Chinas, in zehn Produktionsstätten im Ausland. Einen ersten Standort hat das Unternehmen bereits in Deutschland: 2022 übernahm Gotion ein Bosch-Werk in Göttingen, in dem heute rund 250 Menschen arbeiten.

Gotion treibt die Festkörperzelle voran

Auf der World Manufacturing Convention, die vom 20. bis 23. September in Hefei lief, zeigte Gotion seine Festkörperzelle „Jinshi”. Sie soll laut CarNewsChina 400 Wattstunden pro Kilogramm speichern, zuvor hatte Gotion 350 Wattstunden genannt. Als Elektrolyt dient ein sulfidischer Feststoff. Bei Nagel- und Hochtemperaturtests habe die Zelle weder geraucht noch gebrannt, teilte der Hersteller mit.

Gotion-Chairman Li Zhen spricht auf der World Manufacturing Convention 2026
Gotion-Gründer Li Zhen auf der World Manufacturing Convention in Hefei. QUELLE: GOTION HIGH-TECH

Als Preisziel nennt Gotion einen Yuan pro Wattstunde, umgerechnet etwa 150 US-Dollar pro Kilowattstunde. Das liegt laut CarNewsChina mehr als doppelt so hoch wie der aktuelle Durchschnittspreis für LFP-Zellen in China. Seit 2025 läuft eine Pilotlinie mit 0,2 Gigawattstunden, Zellen daraus hat Gotion nach eigenen Angaben bereits in Fahrzeugen auf der Straße getestet. Laut electrive hat Gotion im März 2026 das Design einer Linie mit zwei Gigawattstunden festgelegt und plant eine Kleinserie ab 2027, die Massenproduktion ab 2030.

Gotion wurde 2006 in Hefei gegründet und betreibt weltweit 20 Produktionsstandorte. Im August 2026 lag das Unternehmen laut CarNewsChina mit 4,61 Gigawattstunden installierter Batteriekapazität auf Platz fünf in China. In den Werken, die VW und Gotion jetzt gemeinsam aufbauen, geht es um LFP-Zellen und deren Kathodenmaterial für die Großserie. Bei Festkörperzellen setzt Volkswagen über PowerCo bislang auf das US-Unternehmen QuantumScape.

QUELLEN

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  1. Volkswagen Group/PowerCo: Volkswagen Group, PowerCo und Gotion vertiefen strategische Partnerschaft (Pressemitteilung), 28.09.2026.
  2. Gotion High-tech: Keynote von Chairman Li Zhen auf der World Manufacturing Convention (chinesisch), 20.09.2026.
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