Indischer Konzern Thermax setzt auf Methanol-Katalyse aus Berlin

FIRMEN-NEWS · METHANOL · 4. NOVEMBER 2026

C1 verkauft erste Lizenz für grünes Methanol nach Indien

Thermax kombiniert den Berliner Katalysator mit eigener Verfahrenstechnik und zielt auf Biomethanol aus Agrarabfällen. Standort und Größe der Anlage nennen die Partner nicht.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. LESEN


Für sein Katalyseverfahren hat das Berliner Cleantech-Unternehmen C1 Green Chemicals den ersten Lizenznehmer gefunden. Thermax will mit der C1-Technologie eine Anlage für grünes Methanol bauen. Der börsennotierte Konzern für Energie- und Umwelttechnik sitzt im indischen Pune. Als Ausgangsstoff dient Synthesegas, ein Gemisch aus Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid. Den Preis der Lizenz haben beide Unternehmen nicht genannt.

C1 steuert den Katalysator bei, Thermax die Verfahrenstechnik und die Systementwicklung. Der indische Konzern passt die Anlage an die Bedingungen der heimischen Industrie an. Mit dem Projekt wolle Thermax die Kapazitäten aufbauen, die für den kommerziellen Maßstab nötig sind, sagt Technikvorstand Santanu Chaudhuri. C1-Chef Christian Vollmann will die Technologie mit dem neuen Partner skalieren, „zunächst in Indien und letztendlich weltweit“.

Die Industrie stellt Methanol seit rund 100 Jahren mit heterogener Katalyse her: Synthesegas strömt bei hohem Druck und hoher Temperatur über einen festen Katalysator. C1 löst seinen Katalysator in einer Flüssigkeit, die Reaktion läuft in einem Flüssigreaktor ab. Das Unternehmen gibt an, so mit deutlich weniger Druck und Hitze auszukommen und mehr Synthesegas pro Durchgang umzusetzen. Auch bei den Ausgangsstoffen sei das Verfahren flexibler. Entworfen hat C1 den Katalysator mit quantenchemischen Simulationen am Computer.

Thermax wurde 1966 gegründet und betreibt nach eigenen Angaben 16 Produktionsstätten in Indien, Europa und Südostasien. Das Geschäft reicht von Luftreinhaltung und Energieanlagen bis zu Wasseraufbereitung und Chemikalien. Bereits im Mai kündigte der Konzern mit dem Vergaser-Spezialisten Ankur Scientific eine Biomethanol-Anlage im Hafen Kandla in Gujarat an. Dort soll ein invasiver Strauch, der Mesquitebaum, als Rohstoff für Schiffskraftstoff dienen. Ob die C1-Technik in Kandla zum Einsatz kommt, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

C1 begründet die Nachfrage mit Indiens Ziel, weniger fossile Brennstoffe zu importieren. Biomethanol aus landwirtschaftlichen Abfällen lasse sich dezentral und im eigenen Land herstellen. Indien deckt seinen Methanolbedarf bislang überwiegend mit Importen, vor allem aus dem Nahen Osten. Die Regierungs-Denkfabrik NITI Aayog wirbt seit Jahren für eine Methanol-Wirtschaft, die einen Teil der Ölimporte ersetzen soll.

In Deutschland bereitet C1 den Sprung in den industriellen Maßstab vor. Im Chemiepark Leuna, wo BASF 1923 die erste Methanolanlage der Welt baute, plant das Unternehmen die Anlage Methanol.One. Ab 2029 soll sie täglich 20 Tonnen grünes Methanol aus Biomethan herstellen. Im Oktober sagte die EU-Kommission dafür 13,3 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds zu, 358 Projekte hatten sich beworben. Die Pilotanlage Leuna100 lief laut C1 zuletzt mehr als 120 Tage am Stück.

Leuna soll Projektentwicklern und Methanolherstellern als Vorzeigeanlage dienen, denn C1 will seine Technologie über Lizenzen vermarkten. Absichtserklärungen für Anlagen mit zusammen mehr als 3.000 Tonnen Methanol pro Tag lägen bereits vor, teilte C1 im Oktober mit. Die Interessenten nannte das Unternehmen nicht.

Gefragt ist grünes Methanol vor allem in der Schifffahrt. Reedereien wie Maersk lassen Containerschiffe bauen, die Methanol als Kraftstoff tanken können. Der Alkohol bleibt bei Raumtemperatur flüssig und passt in bestehende Tanks und Leitungen, ein Vorteil gegenüber Wasserstoff (mehr dazu: Methanol statt Wasserstoff).

C1 wurde 2022 in Berlin-Adlershof gegründet. Im März 2025 sammelte das Unternehmen 20 Millionen Euro ein. Zu den Investoren gehören denkapparat, das Family Office der think-cell-Gründer, und Maersk Growth, der Beteiligungsarm der Reederei. Damals kündigte C1 den Baustart einer Demonstrationsanlage noch für 2025 an. Ende 2025 verließ Mitgründer Marek Checinski das Unternehmen, er hatte das Verfahren erfunden.

20 t

METHANOL PRO TAG

Geplante Leistung von Methanol.One in Leuna ab 2029

13,3 Mio. €

EU-FÖRDERUNG

Zuschuss aus dem Innovationsfonds, 358 Projekte hatten sich beworben

3.000 t

ABSICHTSERKLÄRUNGEN PRO TAG

Tageskapazität weiterer Anlagen, laut C1 ohne Namen der Interessenten

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