TECH-KONZERNE FINANZIEREN CO₂-ARMEN ZEMENT · 2. NOVEMBER 2026
ForteraMeta kauft Fortera Zertifikate für klimafreundlichen Zement ab
Der Facebook-Konzern Meta erwirbt Zertifikate für klimafreundlichen Zement, rund 200.000 Tonnen aus einem geplanten Werk von Fortera in Missouri. Die Zusage soll dem kalifornischen Cleantech-Unternehmen helfen, seine erste kommerzielle Anlage zu finanzieren.
Das Werk soll in Ste. Genevieve im Osten Missouris entstehen, direkt neben einem Kalkwerk der Mississippi Lime Company (MLC). Geplant ist eine Kapazität von 300.000 Tonnen Zement im Jahr. Fortera-Chef Ryan Gilliam rechnet mit Baukosten von rund 150 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 130 Millionen Euro. In Betrieb gehen soll die Anlage 2028.
Was Meta für die Zertifikate zahlt, haben beide Unternehmen nicht veröffentlicht. Den physischen Zement verkauft Fortera zu Marktpreisen an Abnehmer in der Region, ohne die Mehrkosten der saubereren Herstellung. Meta erhält dafür die Klimawirkung und kann sie in der eigenen Bilanz verbuchen, unabhängig davon, wo der Konzern seine Rechenzentren baut. Zement wird in der Regel nicht weit vom Werk entfernt verbaut.
„Meta ist wirklich einer dieser Dominosteine“, sagt Gilliam gegenüber Canary Media. Für ein solches Projekt müssten Unternehmensgeld, Projektfinanzierung, Kredite und Ankerkunden zusammenkommen. Devon Lake, bei Meta für die Netto-Null-Strategie zuständig, erklärte, erst eine mehrjährige Zusage mache ein Zementwerk finanzierbar. Als Abnehmer für das Material aus Ste. Genevieve plane der Baustoffhersteller Ozinga, der den Zement im Mittleren Westen der USA einsetzen wolle.
Fortera bindet CO₂ aus dem Kalkofen im Zement
Wer Kalkstein zu Branntkalk brennt, setzt CO2 aus dem Gestein selbst frei. Diese Prozessemissionen lassen sich auch mit Ökostrom nicht vermeiden. Fortera leitet das CO2 aus dem Ofen in eigene Reaktoren. Dort bindet das Unternehmen es chemisch an reaktive Karbonate, die es mit einem eigenen Verfahren herstellt. Das Prinzip dahinter ist die CO2-Mineralisierung, bei der Kohlendioxid dauerhaft in einem Feststoff landet.
Nach weiteren Verarbeitungsschritten entsteht ein Zement, den Fortera ReAct nennt. Er verursache 70 Prozent weniger Emissionen als herkömmlicher Portlandzement, teilt das Unternehmen mit. Seit April 2024 läuft eine Pilotanlage in Redding, Kalifornien, neben einem Zementwerk des Partners CalPortland. Sie schafft rund 15.000 Tonnen im Jahr.
Aus Redding hat Fortera Zement an die Städte Berkeley und Santa Cruz sowie an die kalifornische Verkehrsbehörde Caltrans geliefert. Die Simpson University errichtete damit ein Hochschulgebäude. Ein Standardwerk für Zement produziert rund eine Million Tonnen im Jahr. Die Anlage in Missouri kommt auf knapp ein Drittel davon.
Microsoft hat sich 2025 über seinen Klimafonds an Fortera beteiligt und will ebenfalls Zertifikate kaufen. Langfristig sollen Meta und andere Zertifikatskäufer auch echten Zement für eigene Bauprojekte abnehmen. Das soll mitentscheiden, wo Fortera als Nächstes baut.
Tech-Konzerne kaufen Zertifikate für klimafreundlichen Zement und Stahl
Mit solchen Zertifikaten überbrücken Hersteller von grünem Stahl, Zement oder Kraftstoff die Zeit, in der sie Geldgeber überzeugen müssen, aber noch kaum Ware verkaufen können. Google und Microsoft kaufen Zertifikate beim schwedischen Unternehmen Stegra, das in Boden ein Stahlwerk mit Wasserstoff aus erneuerbarem Strom baut. Der Flugkraftstoff-Hersteller World Energy und der Ammoniak-Produzent Envision Energy geben ebenfalls Zertifikate aus. Initiativen wie die Sustainable Concrete Buyers Alliance und das Center for Green Market Activation arbeiten an gemeinsamen Standards für das Instrument.
Für Meta gehört der Zement-Vertrag zu einer Reihe von Abschlüssen rund um seine Rechenzentren. Der Konzern finanziert auch Geothermie und neue Speichertechnik, um den Strombedarf der Anlagen zu decken (mehr dazu: Google und Meta finanzieren die Konkurrenz der Gasturbine).
Zement verursacht rund acht Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen, jedes Jahr verbrauchen die Länder der Welt mehr als vier Milliarden Tonnen davon. In den USA arbeiten neben Fortera auch Brimstone, CarbonBuilt und Sublime Systems an saubereren Verfahren.
Forteras Verfahren braucht keine Leitung zu einem geologischen CO2-Speicher, weil das Gas im Zement gebunden bleibt. An genau dieser Infrastruktur hängt in Deutschland die CO2-Abscheidung im Zementwerk. Heidelberg Materials hat sein Projekt GeZero in Geseke im Oktober pausiert, weil die Ketten für Transport und Speicherung von CO2 noch nicht ausgereift seien.
QUELLEN
- Meta: Pressemitteilung zur Vereinbarung mit Fortera über Umweltzertifikate, 29.10.2026.
- Fortera und MLC: Fortera and MLC Sign Development Agreement for First Full-Scale Commercial ReAct Cement Plant, Pressemitteilung, Oktober 2026.
- Fortera: Fortera Secures Microsoft Funding for Low-Carbon Cement Production, Pressemitteilung, 23.09.2025.