STICHWAHL IN BRASILIEN · 2. NOVEMBER 2026

Lula bleibt Präsident und setzt den Schutz des Regenwalds fort
Luiz Inácio Lula da Silva schlägt Flávio Bolsonaro, den Sohn seines Vorgängers. Unter Lula ist die Rodung im Amazonas auf ein Rekordtief gefallen, und der Schutz des Regenwalds geht jetzt weiter.
Lula kam in der Stichwahl am 25. Oktober auf 51,79 Prozent der Stimmen. Im ersten Wahlgang Anfang Oktober hatte er noch knapp hinter seinem Herausforderer gelegen. Im Januar beginnt Lulas vierte Amtszeit, zwei Tage nach der Wahl wurde er 81.
Flávio Bolsonaro ist der älteste Sohn von Ex-Präsident Jair Bolsonaro. Er erkennt die Niederlage nicht an und will das Wahlgericht bitten, das Ergebnis zu annullieren. Bestätigt wird das Ergebnis voraussichtlich am 18. Dezember.
Den Klimawandel bestreitet Flávio Bolsonaro, zugleich gibt er sich als Umweltschützer. Er wollte Umweltgesetze „modernisieren“ und Landbesitzer*innen im Amazonas mehr Entscheidungsmacht geben. Umweltschützer*innen warnten, das schwäche den Schutz des Regenwalds.
„Der Amazonas kann aufatmen!“, sagt der brasilianische Klimaforscher David Lapola der Nachrichtenagentur AP. Er ist Leitautor des Kapitels über Kipppunkte im kommenden Bericht des Weltklimarats IPCC. Forschende debattieren, ab wann der Regenwald an einem Kipppunkt in ein trockeneres, savannenartiges Ökosystem umschlagen könnte.
Lula holt den Schutz des Regenwalds zurück
Unter Jair Bolsonaro, Präsident von 2019 bis 2022, stieg die Entwaldung im Amazonas stark an. Seine Regierung schwächte die Umweltbehörden und lockerte Vorschriften. Wegen des Putschversuchs nach der Wahl 2022 ist er inzwischen zu 27 Jahren Haft verurteilt, aus gesundheitlichen Gründen steht er unter Hausarrest.
Lula setzte 2023 den Aktionsplan gegen Entwaldung wieder in Kraft und nahm Bolsonaros Lockerungen zurück. Umweltministerin Marina Silva und die Umweltbehörde Ibama gingen mit Satellitenüberwachung gegen illegale Rodungen vor. Im Oktober meldete die Weltraumbehörde INPE so wenig Waldverlust wie nie seit Beginn der Messungen 1988.
Mindestens 20.000 Quadratkilometer Amazonas-Wald stehen heute dank Lulas Politik noch, eine Fläche fast so groß wie Hessen. Das hat das Klimaportal Carbon Brief berechnet. Es vergleicht mit einem Szenario, in dem Brasilien sein Waldgesetz nicht durchgesetzt hätte, stellvertretend für eine weitere Amtszeit Bolsonaros. Von Carbon Brief befragte Fachleute halten die Schätzung für vorsichtig. Die Trendwende zeige, „wie schnell Entwaldung auf politischen Willen reagieren kann“, sagt Aline Soterroni, Forscherin an der University of Oxford.
Oft heißt der Amazonas „Lunge der Welt“. Fürs Klima zählt er vor allem als Kohlenstoffspeicher und als Regenmacher Südamerikas. Rund 60 Prozent des Waldes liegen in Brasilien. Er nimmt große Mengen CO2 auf, das die globale Erderhitzung antreibt. Je mehr Wald stehen bleibt, desto länger behält er seine Rolle als CO2-Speicher.
Brasilien wirbt um Geld für den stehenden Wald
„Wir werden der Welt zeigen, wie in diesem Land Klimapolitik gemacht wird“, sagte Lula in seiner Siegesrede. Die Entwaldung sei in jedem Jahr seiner Amtszeit gesunken, hob er hervor. Auf der Klimakonferenz COP30 in Belém hatte Brasilien im November 2025 die „Tropical Forest Forever Facility“ gestartet, kurz TFFF. Der Fonds unter dem Dach der Weltbank soll ab 2027 Länder dafür bezahlen, dass ihr Tropenwald stehen bleibt.
Einen Tag nach der Wahl sagten die Niederlande bis zu 500 Millionen Dollar (rund 430 Millionen Euro) zu, endgültig entscheiden wollen sie bis Mitte 2027. „Es gab berechtigte Sorge, dass ein Sieg Flávio Bolsonaros den TFFF entgleisen lassen könnte“, sagt Claudio Angelo. Er leitet die internationale Politik beim Observatório do Clima, einem Netzwerk brasilianischer Umweltgruppen.
Im neuen Kongress dürften sieben von zehn Abgeordneten und Senator*innen gegen die Klima- und Umweltagenda stimmen, schätzt das Observatório do Clima. Lula selbst unterstützt Ölbohrungen vor der Küste nahe der Amazonasmündung. Sein Ziel, die Entwaldung bis 2030 auf null zu senken, kann Lula nun in der eigenen Amtszeit einlösen.
QUELLEN
- Bundeszentrale für politische Bildung: Wahlen in Brasilien 2026: Lula gewinnt gegen Bolsonaro, 27.10.2026.
- Climate Home News: Lula’s election win in Brazil raises hopes for zero deforestation drive, 26.10.2026.
- Euronews: Lula wins Brazil election after cutting Amazon deforestation to record low, 26.10.2026.
- Plans for the Planet: With new $500m Dutch contribution, TFFF pledges rise to $7.8 billion, 26.10.2026.