Habeck nennt Trump den größten Promoter der Erneuerbaren

POLITIK · 2. NOVEMBER 2026

Robert Habeck sieht in Trump den größten Treiber der Erneuerbaren

Mit dem Krieg gegen den Iran habe Donald Trump das Vertrauen in die globalen fossilen Märkte zerstört. Deshalb sei der US-Präsident „der größte Promoter der erneuerbaren Energien“, sagt Robert Habeck im Handelsblatt-Interview.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 6 Min. LESEN


Seit dem Krieg gebe es eine Welle der Elektrifizierung. Damit wird Trump in Habecks Lesart zum größten Treiber der Erneuerbaren. Oft löse der US-Präsident das Gegenteil dessen aus, was er erreichen wolle. Kanadas Premierminister Mark Carney etwa wäre ohne Trump nicht gewählt worden. „Was Trump anfasst, macht er kaputt“, sagt der frühere Bundeswirtschaftsminister.

Die USA unter Trump haben den Krieg gegen den Iran begonnen. Er schränkte den Tankerverkehr durch die Straße von Hormus ein und trieb die Energiepreise nach oben. In den USA selbst lieferte Solar im Mai 2026 erstmals mehr Strom als Kohle.

Habeck erwartet bei Audi einen Tesla-Effekt

Habecks Satz über Trump als Treiber der Erneuerbaren fällt im Gespräch über Audi-Chef Gernot Döllner. Döllner hatte sich kurz vor den US-Kongresswahlen auf einer Wahlkampfbühne bei Trump bedankt und ein Audi-Werk in Georgia angekündigt. Dort sollen ab Anfang der 2030er-Jahre große SUV entstehen, ein Elektroauto kommt in den Plänen nicht vor.

Vielleicht stelle sich jetzt der Tesla-Effekt ein, sagt Habeck. Leute könnten Aufkleber auf ihre Audis kleben, auf denen stehe, sie hätten das Auto vor der Unterwerfung vor Trump gekauft. Ähnliche Aufkleber hatten Tesla-Fahrer angebracht, nachdem sich Elon Musk an Trumps Seite gestellt hatte.

Döllners Auftritt ist ein Trump-Manöver nach einem Gewinneinbruch und gehört zum Überlebenskampf der Autoindustrie. Der Audi-Chef setzt darauf, dass Trump die Zölle senkt und Gewinne in den USA die Verluste in Europa aufwiegen. Bundesumweltminister Carsten Schneider warf Audi vor, damit auf ein totes Pferd zu setzen.

Habeck sieht die Stimmung gegen Trump kippen

Dass die Stimmung um Trump kippe, sei schon länger abzusehen gewesen, sagt Habeck mit Blick auf die Kongresswahlen am 3. November. Die Institutionen der USA hielten besser, als er noch vor einem Jahr befürchtet habe. Verlören die Republikaner beide Kammern des Kongresses, werde Trump zur lahmen Ente. Stimmungsumschwünge stauten sich oft auf und entlüden sich dann eruptiv, so wie bei Trumps Aufstieg.

Entscheidend sei, ob Trump eine Niederlage akzeptiere. Er und seine Leute hätten schon einmal gezeigt, dass die Hürde für sie nicht groß sei, sich über ein Wahlergebnis hinwegzusetzen. Je deutlicher die Republikaner verlören, desto schwerer lasse sich eine Fälschung behaupten. Gehe es dagegen um ein paar hundert Stimmen in Georgia, müsse man sich größere Sorgen machen.

Habeck spricht von zwei Amerikas: dem Land der Freiheit, zusammengehalten durch Bürgerrechte und Demokratie, und einem religiösen, rassistischen, weißen, chauvinistischen Amerika. Welches gewinne, sei nie sicher. Nach Trump könne einer kommen, der schlimmer sei, weil er nicht so offenkundig gemein auftrete. „Es kann schlimmer kommen als mit Trump“, sagt der Ex-Vizekanzler.

Die Tech-Elite um Elon Musk glaube nicht mehr daran, dass Demokratie die großen Menschheitsfragen lösen könne. Sie habe sich für ein Regierungssystem entschieden, das Habeck technofaschistisch nennt, mit Trump als Erfüllungsgehilfen.

Für Europa könne ein geschwächter Trump sogar gefährlicher werden. Beim Grönland-Deal mit Dänemark und Grönland habe Trump im Grunde nichts bekommen. Merke er, dass grönländisches Recht keine neuen Lizenzen für Ölbohrungen erlaubt, könne er die Vereinbarung trotzig aufkündigen. Die Arktis ist das Thema von Habecks Buch „Arctic Meltdown“, mit dem er derzeit von Stadt zu Stadt reist.

Als Symbol demokratischer Widerstandsfähigkeit sieht Habeck Kanadas Premierminister Carney, der die europäische Idee derzeit am besten verkörpere. Dass die Bundesregierung ein Zusammenrücken von EU und Kanada verhindere, hält er für einen Fehler. Berlin sträubt sich dagegen, Kanada zum assoziierten Mitglied der EU zu machen.

Habeck warnt vor Chinas Überkapazitäten

Bundeskanzler Friedrich Merz wirbt für eine Allianz für regelbasierten Freihandel. Die Suche nach neuen Handelspartnern hält Habeck für richtig, allein darauf zu setzen aber für naiv. „China hat den Freihandel zu einer Falle gemacht“, sagt er. China habe seine Industrien hochgerüstet und Überkapazitäten geschaffen, mit denen es ganze Märkte übernehmen könne.

Mit den bestehenden Kapazitäten könne China die gesamte europäische Autoproduktion morgen übernehmen. Wer glaube, der deutschen Autoindustrie gehe es schlecht, übersehe, wie schlecht es ihr noch gehen könne. Für eine echte Wende in der Chinapolitik müsste Deutschland chinesische Technik in Windturbinen, Wechselrichtern von Solaranlagen und Elektroautos viel genauer prüfen. Da sei Deutschland nicht so robust wie andere Länder.

Die härtere Gangart gegenüber Peking hält Habeck für richtig. Europa müsse seine Märkte schützen und zugleich verhindern, dass China in die Ecke rückt, in der Trump und Putin schon stehen. Für den Klimaschutz zählt jedes Elektroauto, auch eines aus China, denn Chinas Cleantech-Exporte drücken den CO2-Ausstoß der übrigen Welt.

In den nächsten 15 Jahren müsse sich Europa in wichtigen Industrien unabhängig von amerikanischer und chinesischer Technologie aufstellen. Die jährlich 800 Milliarden Euro, die der frühere EZB-Präsident Mario Draghi ermittelt habe, seien unwidersprochen. Der größte Teil müsse aus dem Markt kommen, der Staat solle ihm Sicherheiten schaffen. Als Vorbild nennt Habeck den Inflation Reduction Act, das Klima- und Industriegesetz von Ex-US-Präsident Joe Biden. Man solle eher auf Erfolge schauen, etwa auf Konverter, die in Rostock gebaut werden, und auf junge Unternehmen, die auf den Markt drängen.

Den Erfolg der AfD erklärt Habeck mit dem Fortschrittsversprechen der Demokratie. Die Partei werde dort gewählt, wo Menschen dem Wandel der Industriegesellschaft besonders ausgesetzt seien. Entscheidend sei, ob für sie erreichbare neue Jobs entstehen. Mit der AfD werde Deutschland noch fünf bis zehn Jahre leben müssen, wenn es gut laufe. Habeck sieht das Land deshalb in einem Wettlauf zur Verteidigung der Demokratie.

Robert Habeck: Arctic Meltdown. Die Neuvermessung der Welt. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2026. 416 Seiten, ca. 26 Euro. Was das Buch über die Arktis, Trump und Europas Energiesicherheit erzählt, lesen Sie in unserer Rezension von „Arctic Meltdown“. Das Buch gibt es auch als Kindle-E-Book und als Hörbuch.

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Arctic Meltdown: Die Neuvermessung der Welt Arctic Meltdown: Die Neuvermessung der Welt 26,00 EUR

QUELLEN

  1. Handelsblatt: Robert Habeck: „China hat den Freihandel zu einer Falle gemacht“, Interview von Moritz Koch und Julian Olk, 1. November 2026.

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