WASSERSTOFF · GRÜNER STAHL · 30. JUNI 2026
Stegra / PressematerialStegra sichert 1,4-Milliarden-Finanzierung für Stahlwerk Boden
Wallenberg führt ein Konsortium aus Bestands- und Neuinvestoren bei der Stegra Finanzierung an, das Kapital für die Fertigstellung des ersten wasserstoffbasierten Stahlwerks Europas in Nordschweden bereitstellt.
Stegra hat Ende Juni 2026 das Closing einer Finanzierungsrunde über 1,4 Milliarden Euro bekanntgegeben. Das Kapital soll das Stahlwerk im schwedischen Boden fertigstellen, Europas ersten Standort, der Stahl vollständig auf Wasserstoffbasis produziert. Angeführt wird die Runde von einem Wallenberg-Investments-Konsortium; alle Kreditgeber haben zugestimmt.
Diese Stegra Finanzierung war der zweite Schritt eines mehrstufigen Prozesses. Anfang April 2026 hatte Stegra eine grundsätzliche Einigung gemeldet, das finale Closing folgte knapp drei Monate später. Das frische Kapital fließt in drei Bereiche: die Fertigstellung des Werks selbst, Scope-Erweiterungen durch das Insourcing bislang extern vergebener Infrastruktur sowie einen Finanzpuffer für gestiegene Projektkosten.
Auf Investorenseite vereint die Runde eine breite Koalition. Als Bestandsinvestoren sind IMAS Foundation, Temasek, Altor, Hy24, Just Climate, AMF, AP2, Kobe Steel, Scania, Schaeffler, Stena Metall Finans und Swedbank Robur beteiligt. Neu hinzugekommen sind Bolero und SEB-Stiftelsen. Altor steigt zum zweitgrößten Aktionär auf. Künftig wird Stegra unter einer neu gegründeten Stegra Holding AB gebündelt, die mehr als 90 Prozent der Anteile und Stimmrechte hält.
Hintergrund: → H2 Green Steel - wie das Projekt in Nordschweden entstand
An der Spitze des Unternehmens gibt es eine Governance-Änderung. Leif Johansson, früher Konzernchef von Volvo AB, übernimmt den Vorsitz im Verwaltungsrat. Håkan Buskhe, CEO der Wallenberg-Familienholding FAM AB, wird neues Vorstandsmitglied. CEO Henrik Henriksson bleibt im Amt. Mit Johansson erhält Stegra einen Verwaltungsratschef, der den Industrieumbau bei Volvo mitgeprägt hat, ein Signal an Investoren, die solche Prozesse in Serie kennen.
Finanzierung für Stahlwerk in Boden
Das Werk in Boden ist auf eine Anfangskapazität von 2,5 Millionen Tonnen Rohstahl pro Jahr ausgelegt. Perspektivisch soll sie auf bis zu 5 Millionen Tonnen steigen, getrieben von einer Elektrolyse mit 700 Megawatt installierter Leistung. Stegra produziert grünen Wasserstoff am Standort selbst und setzt ihn in einem Direktreduktionsverfahren ein, das den kohlebeheizten Hochofen ersetzt. CO₂-Emissionen sollen dabei gegenüber konventionellem Stahl um bis zu 95 Prozent sinken.
Der Zeitplan wurde im Zuge der Finanzierungsgespräche angepasst. Den ersten Stahl hatte Stegra ursprünglich für 2026 angepeilt. Dieser Starttermin steht jetzt unter Review; ein überarbeiteter Zeitplan soll folgen. Der Bau war in den vergangenen Monaten langsamer vorangeschritten als geplant. Mit dem Closing läuft er wieder hoch. Zugleich hat Stegra Zugang zu nicht abgerufenen Kreditlinien aus der Finanzierungsrunde von 2024, was den Liquiditätsspielraum erweitert.
Für die europäische Stahlindustrie ist das Projekt ein Referenzfall. Während ArcelorMittal im Frühjahr 2026 bewilligte Fördermittel in Höhe von 1,3 Milliarden Euro zurückgab und seine deutschen Pläne stoppte, schreitet das schwedische Greenfield-Projekt weiter. Kobe Steel und Schaeffler sind als Industrieabnehmer und Aktionäre eingebunden, ein Hinweis darauf, dass Teile der Abnehmerbasis den grünen Aufpreis bereits einpreisen. Ob das Boden-Modell replizierbar ist, hängt wesentlich davon ab, ob ähnliche Standortbedingungen, also günstiger Grünstrom, direkte Rohstoffnähe und belastbare Förderpolitik, anderswo zusammenkommen.
Stegra wurde 2020 als H2 Green Steel gegründet und 2024 umbenannt. Der Name markiert eine Positionierung als Stahlproduzent, nicht als Wasserstoff-Technologieunternehmen. Das Werk in Boden wäre, wenn es in Betrieb geht, das erste seiner Art in Europa: ein vollständig integrierter Standort, an dem Wasserstoff erzeugt, Erz reduziert und Stahl erschmolzen wird, ohne fossile Brennstoffe.
1,4 Mrd. €
FINANZIERUNGSRUNDE
Closing am 24. Juni 2026, angeführt von Wallenberg-Investments; 100-Prozent-Zustimmung aller Kreditgeber
2,5 Mio. t
ANFANGSKAPAZITÄT PRO JAHR
Ausbaustufe bis 5 Mio. t/Jahr geplant; 700-MW-Elektrolyse am Standort Boden
bis 95 %
CO₂-EINSPARUNG
Gegenüber konventionellem Hochofenstahl; Grundlage: grüner Wasserstoff aus eigener Elektrolyse
QUELLEN
- ESG News: Stegra closes $1.6 billion financing round to advance near-zero emissions steel plant in Sweden, 24. Juni 2026
- Canary Media: Stegra funding complete, 24. Juni 2026
- EUROMETAL: Stegra to boost Boden construction after new funding, 2026