Baustelle unter Strom: Strabag testet elf E-Maschinen

BAUWIRTSCHAFT · 06. AUGUST 2026

Elektrische Baustelle: Strabag senkt Energiekosten um 90 Prozent

Strabag hat den Umbau seiner Bodenaufbereitungsanlage in Oberhausen als elektrische Baustelle abgewickelt, mit elf E-Baumaschinen im Realbetrieb. Schwere Elektro-Geräte halten mit Diesel mit, die Energiekosten sinken drastisch.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. Lesezeit LESEN


Die Strabag AG hat am Standort Oberhausen den Umbau ihrer Bodenaufbereitungsanlage abgeschlossen und das Projekt als Praxistest für elektrisches Bauen genutzt. Elf elektrisch betriebene Geräte kamen zum Einsatz, darunter ein 25-Tonnen-Bagger, ein Radlader, ein Autokran und ein Straßenfertiger. Für den Kölner Baukonzern war es die erste teilelektrische Baustelle unter realen Bedingungen.

Der Anlass war ein handfestes Ausbauprojekt: Die zulässige Input-Menge der Anlage steigt von 120.000 auf 350.000 Tonnen pro Jahr. Auf dem rund 17.600 Quadratmeter großen Gelände standen Rückbau-, Erd-, Tiefbau- und Asphaltarbeiten an, rund 20.000 Tonnen Material aus dem Rückbau wurden aufbereitet und als Recycling-Unterbau wiederverwendet.

Zur Neugestaltung gehörten außerdem rund 128 Meter neu verlegte PVC-Rohrleitungen für die Oberflächenentwässerung und eine rund 7.400 Quadratmeter große Aufbereitungsfläche mit zweilagigem Asphalt. Deren Trag- und Frostschutzschicht besteht aus Recyclingmaterial, die Baustelle folgt damit auch beim Material dem Kreislaufprinzip.

Kennzahl der Baustelle Wert
Input-Menge nach Ausbau (t/Jahr)350.000
Input-Menge vorher (t/Jahr)120.000
Geländefläche (m²)17.600
Elektrische Baumaschinen11
Mobiler Batteriespeicher (kWh)153
Energiekosten-Ersparnis (%)ca. 90
CO2-Einsparung (t)ca. 18

Quelle: Strabag-Pressemitteilung vom 5. August 2026.

Schweres Gerät am Stromnetz statt an der Zapfsäule

Der elektrische Autokran versetzte unter anderem zwei Fertigteil-Betonschächte mit integrierten Lamellenklärern für die Reinigung des Oberflächenwassers. Damit die Maschinen auch bei Lastspitzen zuverlässig liefen, installierte Strabag einen mobilen Batteriespeicher mit 153 Kilowattstunden Kapazität, gespeist mit Grünstrom.

Das zentrale Ergebnis des Praxistests: Gerade die schweren elektrischen Baumaschinen erreichen laut Strabag ein Leistungsniveau, das mit dieselbetriebenen Geräten vergleichbar ist. Dazu kommen weniger Lärm und keine direkten Abgasemissionen am Einsatzort, ein spürbarer Unterschied für die Beschäftigten auf der Fläche.

„Wir bauen hier nicht nur eine Bodenaufbereitungsanlage, wir bauen Vorurteile ab", sagt Robert Kucza, Nachhaltigkeits-Experte der Strabag-Direktion Nordrhein-Westfalen. Echte Erfahrungen auf der Baustelle überzeugten mehr als jede Theorie.

Elektrische Baustelle in Oberhausen: Liebherr-E-Autokran versetzt einen Betonschacht
Der elektrische Autokran versetzt einen Fertigteil-Betonschacht. Foto: Strabag

Was die elektrische Baustelle wirtschaftlich bringt

Die Energiekosten lagen in Oberhausen rund 90 Prozent unter denen eines vergleichbaren Dieselbetriebs, zudem fallen Betrieb und Wartung der E-Maschinen deutlich günstiger aus. Rechnerisch sparte das Projekt rund 18 Tonnen CO2 ein. Die noch höheren Anschaffungskosten der Geräte werden dadurch teilweise kompensiert.

Eine Einschränkung bleibt: Ihre Berechnungsgrundlage legt Strabag nicht offen. Das Fachmedium ingenieur.de weist darauf hin, dass Angaben zu Energiepreisen, Verbrauchswerten und Vergleichszeiträumen fehlen, ebenso zu Anschlussleistung und Ladezyklen des Batteriespeichers. Die Größenordnung passt allerdings zu dem Kostenvorteil, den elektrische Antriebe von der Wärmepumpe bis zum E-Lkw gegenüber Verbrennern ausspielen.

Elektrischer Radlader Liebherr L 507 E auf der Strabag-Baustelle in Oberhausen
Leise und lokal emissionsfrei: der elektrische Radlader Liebherr L 507 E. Foto: Strabag

Hybridansatz mit HVO100 als Übergangslösung

Eine vollelektrische Baustelle war Oberhausen nicht. Um im Zeitplan zu bleiben, ergänzte Strabag konventionelle Maschinen, die vollständig mit dem erneuerbaren Dieselersatz HVO100 liefen, ebenso wie die Logistikfahrzeuge.

Der Hybridansatz zeigt zugleich die Grenzen: Elektrische Baumaschinen sind noch nicht in jeder Größe und überall verfügbar, und die Ladeinfrastruktur lässt sich je nach Einsatzort nur begrenzt aufbauen. Für die Bauwirtschaft ist der Praxistest dennoch ein Signal, denn die Branche elektrifiziert sich an mehreren Fronten gleichzeitig, bis hinein in die Zementproduktion. Oberhausen liefert dafür den Beleg vom Bagger bis zum Straßenfertiger: Die Technik ist da, jetzt entscheiden Verfügbarkeit und Netzanschluss über das Tempo.

QUELLEN

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  1. Strabag: Pressemitteilung „STRABAG erprobt teilelektrische Baustelle in Oberhausen", 05.08.2026.
  2. ingenieur.de: Elektrifizierte Großbaustelle: Strabag meldet 90 % niedrigere Energiekosten, 05.08.2026.
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