Elektrifizierter Zement: EU fördert Saltx, Holcim und Paebbl für Praxistest

DEKARBONISIERUNG · 05. JULI 2026

Elektrifizierter Zement: EU fördert Saltx, Holcim und Paebbl für Praxistest

Das schwedische Cleantech-Unternehmen Saltx Technology, der Baustoffkonzern Holcim und Paebbl bauen ihr Verfahren für elektrifizierten Zement zur industriellen Reife aus. Die EU fördert das Vorhaben über das Partnerschaftsprogramm CETP, getestet wird in Saltx' Anlage in Hofors, Schweden.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 MIN LESEN


Zement zählt zu den am schwersten zu dekarbonisierenden Industriewziegen. Die Klinkerproduktion braucht extreme Prozesswärme, meist aus fossilen Brennstoffen, und setzt zusätzlich CO₂ aus der Kalzinierung des Kalksteins frei. Genau an diesem Doppelproblem setzt das neue Konsortium aus Saltx, Holcim und Paebbl an.

Die EU-Förderung stammt aus dem Clean Energy Transition Partnership (CETP) und wird in Schweden von der Energiebehörde Energimyndigheten mitfinanziert, ergänzt durch die französische ANR und die indische DST. Das erklärt auch die weiteren Konsortialpartner: die indischen Institute NCCBM und CSIR-CBRI sowie die französische Université Gustave Eiffel. Die Projektleitung liegt beim schwedischen Forschungsinstitut RISE, zuständig für Projektmanagement, Materialanalyse und Mineralisierungs-Expertise.

Wie elektrifizierter Zement in Hofors entsteht

Kern des Projekts ist Saltx' ECR-Technologie, kurz für Electric Clinker Reactor. Sie ersetzt die fossil befeuerten Drehrohröfen der klassischen Zementproduktion durch einen vollelektrischen Prozess. Getestet wird das jetzt im industriellen Maßstab in der ECRC-Anlage (Electric Cement Research Centre) in Hofors, wo Saltx bereits zuvor mit Holcim Portland-Qualitäts-Zementklinker vollelektrisch hergestellt hat.

Neu ist die zweite Komponente: Paebbls Verfahren zur permanenten Mineralisierung von abgeschiedenem CO₂ wird in den Produktionsprozess integriert. Damit verbindet das Projekt zwei Hebel, die sonst getrennt entwickelt werden, die Elektrifizierung der Klinkerherstellung und die stoffliche Bindung von CO₂ im Baumaterial selbst. Holcim entwickelt parallel eine Lösung, die sich sowohl in bestehenden als auch in künftigen Zementwerken einsetzen lässt.

Andreas Saari, Co-CEO und Mitgründer von Paebbl, ordnet das Projekt in den größeren Druck der Branche ein: „Die Zementindustrie steht unter doppeltem Druck: Energieintensität senken und gleichzeitig Kohlenstoffemissionen eliminieren. Diese Zusammenarbeit zeigt, wie es aussieht, wenn man beides gemeinsam angeht, den Ofen zu elektrifizieren und das abgeschiedene CO₂ in ein kohlenstoffspeicherndes Zementersatzmaterial umzuwandeln, das die Grenzen der Kohlenstoffeffizienz in der Betonmischung selbst verschiebt. Wir freuen uns, Teil eines abgestimmten Konsortiums zu sein, das sich gemeinsam einer um Größenordnungen besseren Lösung für den Markt verschrieben hat."

Zirkulärer Zement als Feigenblatt-Test

Ob Mineralisierungsverfahren echte Emissionsvermeidung oder nur ein technisches Feigenblatt liefern, ist im Cleantech-Sektor eine berechtigte Frage. Paebbl hat dazu bereits einen kommerziellen Beleg vorgelegt, wie Cleanthinking berichtete: Zusammen mit Holcim und dem Bauunternehmen Goldbeck ersetzte Paebbls Rebond-Mineralisierungspulver 15 Prozent des Zements in einer Bodenplatte. Dabei wurden 886 Kilogramm CO₂ dauerhaft mineralisiert, von der Konzeptidee bis zum fertigen Bau vergingen sechs Monate.

Das neue Projekt hebt diesen bereits erprobten Ansatz von der Bauteil-Ebene auf die Ebene der Zementproduktion selbst. Läuft die Demonstration in Hofors erfolgreich, zeigt sie, dass sich Elektrifizierung und CO₂-Mineralisierung im selben Industrieprozess kombinieren lassen. Für einen Sektor, der weltweit für rund acht Prozent der CO₂-Emissionen verantwortlich ist, wäre das ein belastbarer Schritt, weil er auf einem bereits demonstrierten Verfahren aufbaut und mit Holcim einen der größten Baustoffkonzerne der Welt einbindet.

Budget und Zeitplan

Das Projekt startet im Herbst 2026 und läuft rund drei Jahre. Saltx trägt den Hauptanteil der Arbeit in den ersten beiden Jahren. Das Gesamtbudget liegt bei etwa 45 Millionen schwedischen Kronen, umgerechnet rund 4,1 Millionen Euro. Saltx' eigener Anteil beträgt etwa 19 Millionen Kronen, davon rund 13 Millionen Kronen aus der EU-Förderung über das CETP.

Saltx ist bei Cleanthinking kein Unbekannter. Wir haben das Unternehmen 2019 als Unternehmen vorgestellt, mit einem Salzspeicher für die Wärmewende zusammen mit dem Speicherhersteller Malta. Der Weg zur elektrifizierten Zementproduktion zeigt, wie stark sich das Portfolio seither Richtung Schwerindustrie verschoben hat.

Damit reiht sich Saltx neben Litherm, das die Kalzinierung von Kalk und Zement ebenfalls vollelektrisch angeht, und neben Sublime Systems, das einen elektrochemischen Weg zur Klinkerherstellung verfolgt, in ein wachsendes Feld von Ansätzen ein, die den Zementsektor von fossiler Prozesswärme lösen wollen.

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