NEURA Serie C: 1,2 Milliarden Euro für Robotik-Pionier

FIRMEN-NEWS · 21. JUNI 2026

Robotik: NEURA Serie C über 1,2 Milliarden Euro

David Regers Robotik-Unternehmen NEURA Robotics aus Metzingen schließt die größte Finanzierungsrunde der Branche ab. Investoren sind Amazon, Nvidia, Bosch und die Europäische Investitionsbank.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 3 MIN LESEN


NEURA Robotics hat eine Serie C-Finanzierung von bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar abgeschlossen - umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro. Es ist einer der größten Finanzierungsrunden eines Full-Stack-Robotik-Unternehmens. Das Metzinger Cleantech-Unternehmen wird nach Medienberichten mit rund sechs Milliarden Euro bewertet.

Die Investorenliste liest sich wie ein Querschnitt durch die globale Technologie- und Industrielandschaft. Tether führt die Runde an. Qualcomm, Amazon und Nvidia bringen KI-Infrastruktur und Chipkompetenz mit. Die deutschen Industriekonzerne Bosch und Schaeffler investieren mit Blick auf humanoide Robotik in der Fertigung. Bosch-Chef Stefan Hartung sieht in der humanoiden Robotik ein erhebliches Wachstumsfeld und will die konzerneigene Sensortechnologie einbringen.

Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld verweist auf acht Produktfamilien und jahrzehntelange Fertigungsexpertise, die den Konzern in der humanoiden Robotik positionieren. Die Europäische Investitionsbank beteiligt sich über ihr TechEU-Programm für innovative europäische Mittelständler. Bestehende Investoren wie Lingotto Horizon und InterAlpen Partners sind ebenfalls dabei. Die volle Summe ist an operative Meilensteine gebunden.

Der Weg des Gründers zu dieser Rekordfinanzierung ist alles andere als geradlinig. David Reger, heute 38 Jahre alt, hat nie studiert. Er begann als Modellbauer für 100 Euro im Monat und half anschließend zwei Jahre lang Obdachlosen in San Francisco. Nachts bildete er sich autodidaktisch in Ingenieurwesen weiter.

In der Schweiz machte er Karriere als Ingenieur - ohne formalen Abschluss. 2019 gründete er NEURA Robotics in seiner Heimat Baden-Württemberg, gerade Vater geworden. Verwandte riefen an, um ihn davon abzuhalten. Reger zog das Vorhaben trotzdem durch. Sieben Jahre später steht er an der Spitze der größten Robotik-Finanzierung der Welt.

Das Unternehmen hat eine rasante Entwicklung durchlaufen. Im Januar 2025 sammelte NEURA 120 Millionen Euro in einer Serie-B-Runde ein, angeführt von Lingotto Investment Management. Damals beschäftigte das Unternehmen rund 300 Menschen und hatte seinen Umsatz innerhalb eines Jahres verzehnfacht. Heute arbeiten mehr als 1.400 Beschäftigte aus über 45 Ländern für NEURA. Der Auftragsbestand und die strategische Deployment-Pipeline übersteigen nach Unternehmensangaben eine Milliarde Dollar. Die Bewertung hat sich gegenüber der Serie B vervielfacht.

NEURA entwickelt kognitive und humanoide Roboter, die sehen, hören, fühlen und lernen können. Anders als herkömmliche Industrieroboter, die starr programmierte Abläufe wiederholen, passen sich NEURAs Maschinen an ihre Umgebung an und lernen aus Interaktionen. Der kognitive Cobot MAiRA gilt als erster kommerziell genutzter Roboter dieser Kategorie.

Der Humanoid 4NE-1 steht vor der Serienproduktion. Auf der CES 2026 stellte das Unternehmen eine kompaktere Version namens 4NE-1 Mini vor. Alle Maschinen sind über das Neuraverse verbunden: eine offene Plattform, auf der Roboter Fähigkeiten und Gelerntes austauschen. Das Unternehmen spricht von Physical AI - der Verlagerung künstlicher Intelligenz in die physische Welt.

Das frische Kapital soll die Serienproduktion auf mehrere Millionen Roboter bis 2030 hochskalieren. Zudem baut NEURA weltweit sogenannte NEURA Gyms auf: physische Trainingsumgebungen für kognitive Roboter. Dort trainieren die Maschinen mit realen Sensordaten und multimodalen Lernpipelines. Die Gyms kombinieren Simulation mit physischer Interaktion auf eine Art, die rein digitale Trainingsumgebungen nicht leisten können. Ziel ist eine der größten realen Robotik-Dateninfrastrukturen der Welt.

Parallel investiert NEURA in Edge-KI-Architekturen, bei denen Roboter autonom und lokal entscheiden statt auf zentrale Cloud-Server angewiesen zu sein. Die Kombination aus eigener Hardware, eigener KI-Software und eigener Dateninfrastruktur macht NEURA zu einem der wenigen Full-Stack-Anbieter in der Robotik.

Reger formuliert seine Ambition bewusst europäisch. „Wir wollen der größte Steuerzahler Europas werden", sagte er der Bild am Sonntag. Wertschöpfung und Arbeitsplätze sollen in Europa entstehen, nicht in den USA oder China. EIB-Vizepräsidentin Nicola Beer sieht in dem Investment ein Signal für Europas technologische Eigenständigkeit im Bereich Physical AI. Weltweit hat die Robotik-Branche 2026 laut Dealroom bereits 55,8 Milliarden Dollar an Risikokapital eingesammelt.

Das ist fast doppelt so viel wie im bisherigen Rekordjahr. NEURA konkurriert mit US-Firmen wie Figure AI und Apptronik sowie chinesischen Anbietern. Bislang gingen Finanzierungen dieser Größenordnung in der Robotik ausschließlich an US-amerikanische oder asiatische Unternehmen.

bis zu 1,2 Mrd. €

SERIE-C-FINANZIERUNG

Größte Runde eines Full-Stack-Robotik-Unternehmens weltweit

~6 Mrd. €

BEWERTUNG

Bei der Gründung 2019 startete Reger mit einem kleinen Team in Metzingen

1.400+

MITARBEITER AUS 45+ LÄNDERN

Im Januar 2025 waren es noch rund 300

QUELLEN

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  1. NEURA Robotics Pressemitteilung, 10. Juni 2026
  2. CNBC (10. Juni 2026): Humanoid robotics company raises up to $1.4 billion
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