KLIMAPOLITIK · 5. AUGUST 2026

Übergewinne der Ölkonzerne: 93 Milliarden Dollar, und selbst Trump ist sauer
Acht große Ölkonzerne haben im zweiten Quartal 2026 zusammen fast 93 Milliarden Dollar Gewinn erzielt, fast doppelt so viel wie im Vorjahresquartal. Treiber war der Ölpreissprung durch den Krieg gegen Iran. Inzwischen attackiert sogar Donald Trump die eigenen Verbündeten in der Ölindustrie.
Saudi Aramco, BP, Shell, Equinor, TotalEnergies, Eni, Chevron und ExxonMobil haben zwischen April und Juni 2026 zusammen umgerechnet fast 93 Milliarden Dollar Nettogewinn erwirtschaftet, das zeigt eine Auswertung des Guardian. Im Vorjahresquartal waren es noch knapp 50 Milliarden Dollar. Umgerechnet auf die Minute verdienten die acht Konzerne im Frühjahrsquartal mehr als 700.000 Dollar, ohne Pause, Tag und Nacht.
Ausgelöst hat den Sprung der US-israelische Krieg gegen Iran, der den Ölpreis im April zeitweise auf über 126 Dollar je Barrel trieb, die größte Angebotsstörung in der Geschichte des Ölmarkts. Die Marktkapitalisierung der acht Konzerne wuchs parallel um rund 600 Milliarden Dollar auf mehr als 3 Billionen Dollar.
Aramco, BP und Shell verdienen an der Krise
Saudi Aramco steigerte seinen Nettogewinn um 34 Prozent auf über 33 Milliarden Dollar, obwohl iranische und Huthi-Kräfte im selben Zeitraum Drohnen und Raketen auf die eigene Infrastruktur des Konzerns abfeuerten. BP kam auf einen Quartalsgewinn von 5,73 Milliarden Dollar, den höchsten Wert seit dem ersten Jahr von Russlands Krieg gegen die Ukraine und mehr als doppelt so viel wie die 2,5 Milliarden Dollar im Quartal davor.
Gleichzeitig zieht sich BP aus erneuerbaren Energien zurück. Der Konzern verkauft sein Biogas-Geschäft im Wert von 4 Milliarden Dollar, den größten Renewable-Gas-Produzenten der USA, und verhandelt fortgeschritten über den Verkauf seiner Solarsparte Lightsource an ein Konsortium, das vom kuwaitischen Staatsfonds unterstützt wird. Auch das Nordsee-Öl-und-Gas-Geschäft steht zum Verkauf. Das Budget für die Energiewende hat BP von 5 Milliarden auf 1,5 bis 2 Milliarden Dollar gekürzt.
Shell meldete mit 9,84 Milliarden Dollar den zweithöchsten Quartalsgewinn seiner Geschichte. Equinor kam auf 3,2 Milliarden Dollar, nach 1,8 Milliarden im Vorjahresquartal. Chevron mehr als verfünffachte seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahr auf 12,2 Milliarden Dollar, ExxonMobil verdoppelte ihn auf 14,5 Milliarden Dollar, den höchsten Quartalsgewinn seit Russlands Invasion der Ukraine 2022.
Trump attackiert die eigenen Verbündeten
Die Zahlen haben eine politische Debatte über eine Übergewinnsteuer neu entfacht. Angeführt wird sie ausgerechnet von einem, der sonst als verlässlicher Fürsprecher der fossilen Industrie gilt: Donald Trump kritisierte Chevron und ExxonMobil öffentlich, sie würden mit seinem Krieg gegen Iran „zu viel Geld" verdienen, und drohte, die Konzerne zur Rückgabe von Gewinnen an die Öffentlichkeit zu zwingen. Der Vorstoß kommt vor dem Hintergrund sinkender Zustimmungswerte für Trump vor den Midterms im November.
Patrick Galey von der Umweltorganisation Global Witness sagt: „Man merkt, dass Big Oil es übertreibt, wenn sogar Trump, einer ihrer größten Verbündeten, ihnen sagt, sie sollen ihre Profitmacherei zügeln." Die BP-Gewinne seien ein Beweis dafür, wer von menschlichem Elend profitiere, während Waldbrände, Dürre und Energiekosten explodierten. Es sei Zeit, dass Ölkonzerne für die Klimaschäden aufkämen, die sie verursachten, so Galey weiter.
Rosie Downes von Friends of the Earth sagt: „Während BP erneut enorme Gewinne einfährt, zahlen Millionen Haushalte über explodierende Energierechnungen und eine außer Kontrolle geratende Klimakrise die Zeche." BP-Chefin Meg O'Neill verteidigte die Gewinne des Konzerns damit, man konzentriere sich darauf, zur Lösung der Lage beizutragen, etwa durch eine verlässlichere Produktion der derzeit knappen Ölprodukte.
Warum die Debatte gerade jetzt eskaliert
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Europa erlebt in diesem Sommer seine bislang schwerste Hitzewelle, die laut Wissenschaftlern ohne die menschengemachte Erwärmung „unmöglich" gewesen wäre. Schätzungen gehen von rund 20.000 Hitzetoten in Europa aus, davon fast 3.000 allein in Großbritannien im Mai und Juni. Südkorea und Japan meldeten Rekordwerte von bis zu 42,5 Grad, in Europa drohen laut Prognosen mindestens 9 Millionen Tonnen Getreideverlust durch Dürre, dazu Waldbrände in Frankreich, Spanien, Portugal und Griechenland.
UN-Klimachef Simon Stiell forderte angesichts dieser Häufung einen schnelleren Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas. Für Kritiker wie Galey und Downes ist damit der Zusammenhang gesetzt: Dieselben Konzerne, die an einem kriegsbedingten Ölpreisschock verdienen, tragen zugleich zu den Klimafolgen bei, deren Kosten Haushalte und Staaten über Energierechnungen, Ernteausfälle und Katastrophenschutz zahlen. Ob daraus tatsächlich eine Übergewinnsteuer oder eine Klimaschadenshaftung für die Konzerne wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten in Washington, London und Brüssel.
QUELLEN
- The Guardian: Revealed: major oil firms make $93bn profits amid war and climate crisis, 4. August 2026.