Weltbank kippt ihre Klimaquote

KLIMAPOLITIK · 14. September 2026

Weltbank streicht ihre Klimaquote, zwei weitere Banken beraten darüber

Die Klimafinanzierung der Entwicklungsbanken ist an feste Quoten gebunden: Ein bestimmter Anteil der Kredite soll dem Klima zugutekommen. Unter dem Druck der US-Regierung werden diese Vorgaben nun kassiert oder überprüft.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 5 Min. Lesezeit LESEN


Multilaterale Entwicklungsbanken stehen laut einem Bericht der Financial Times unter wachsendem Druck der US-Regierung, ihre Klimafinanzierungsziele aufzugeben. Mindestens zwei Institutionen, die Inter-American Development Bank (IDB) und die Asian Development Bank (ADB), berieten intern über diesen Schritt, sagten mit den Gesprächen vertraute Personen. Beide Banken widersprechen einer Kehrtwende öffentlich, beschlossen ist bei ihnen nichts.

Ein hochrangiger Entwicklungsfinanz-Experte sagt der Zeitung: „Die Entwicklungsbanken kuschen vor dem Druck aus Washington. Das wird enorme Folgen haben.“

Vollzogen hat den Schritt bislang allein die Weltbank. Sie kündigte Ende Juni an, ihre Quote zurückzuziehen, nach der 45 Prozent der Finanzierung an Projekte mit Klima-Zusatznutzen gehen sollten.

Gemeint waren damit nicht allein reine Klimaprojekte. In die 45 Prozent zählten auch Straßen, Stromnetze oder Agrarvorhaben, sofern sie nebenbei Emissionen senkten oder die Widerstandsfähigkeit gegen Wetterextreme erhöhten. Die Quote war damit ein weicher Maßstab, aber ein überprüfbarer.

Die Bank verweist stattdessen auf zwei Kennzahlen ihrer Scorecard, die sie weiterhin erfasst: die Netto-Treibhausgasemissionen und die Zahl der Menschen, deren Klimaresilienz sich verbessert. Zielwerte nennt die Mitteilung dafür nicht. Weitere Fortschritte, heißt es dort, würden künftig von der Ambition der Kundenländer getragen.

Den Klima-Aktionsplan selbst verlängert die Weltbank und stellt die Messung von eingesetzten Mitteln auf erzielte Wirkung um. Belegt ist damit zunächst ein Wechsel der Steuerung, kein Rückgang der Klimafinanzierung. Offen bleibt, ob die Wirkungsmessung einen ähnlich überprüfbaren Anspruch erzeugt wie eine feste Quote.

Trumps Regierung drängt auf weniger grüne Finanzierung

Präsident Donald Trump bezeichnet den Klimawandel als „Betrugsmasche“. Seine Regierung dränge multilaterale Entwicklungsbanken und einzelne Staaten dazu, grüne Finanzierung zurückzufahren. Zugleich setze sie sich dafür ein, Einschränkungen für die Finanzierung fossiler Projekte zu lockern, sagte ein Vertreter einer Entwicklungsbank.

IDB und ADB widersprechen einer Kehrtwende

Bei der IDB, der wichtigsten multilateralen Finanzierungsquelle für Lateinamerika und die Karibik, herrsche laut zwei mit den Gesprächen vertrauten Personen „echter Druck“, das eigene Ziel von 45 Prozent Klimaanteil fallen zu lassen. Die Bank hatte ihre Klimafinanzierung 2025 gegenüber dem Vorjahr um 46 Prozent auf 9,95 Milliarden Dollar gesteigert.

Die IDB weist eine Kehrtwende zurück. Das Finanzierungsvolumen allein bilde die Ergebnisse nicht vollständig ab, teilte die Bank mit, man prüfe deshalb stärker auf Wirkung ausgerichtete Kennzahlen. Eine Änderung des Engagements für den Klimaschutz sei das nicht.

Die in Manila ansässige ADB wäge ebenfalls ab, ob sie ihr Ziel aufgibt, sagten zwei weitere Personen. Direkter US-Druck auf die Bank sei bislang geringer ausgeprägt. Die ADB widerspricht deutlicher als die IDB: Ihre Klimaziele blieben bestehen und würden 2027 im Rahmen des regulären institutionellen Verfahrens überprüft. 2025 sagte sie 13,5 Milliarden Dollar an eigener Klimafinanzierung zu, gut die Hälfte ihres gesamten Finanzierungsvolumens.

Industrieländer riskieren ihre Zusagen zur Klimafinanzierung

Die Entwicklungsbanken sind dafür zentral: Kleine öffentliche Einlagen ihrer Geberländer dienen als Grundlage, um an den Kapitalmärkten größere Summen zu günstigen Zinsen aufzunehmen, oft gemeinsam mit privaten Investoren. Ihr Beitrag zur Klimafinanzierung in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen stieg 2025 um ein Fünftel auf 103 Milliarden Dollar.

Sollte mit den Quoten auch die Finanzierung zurückgehen, wird es für die Industrieländer schwerer, ihre eigenen Verpflichtungen einzuhalten. Sie haben zugesagt, die Mittel für Entwicklungsländer bis 2035 auf jährlich mindestens 300 Milliarden Dollar zu steigern und im selben Zeitraum auf 1,3 Billionen Dollar hinzuarbeiten.

Wie ungleich das Geld verteilt ist, zeigt 2024: Die weltweite Klimafinanzierung aus allen Quellen, öffentlichen wie privaten, erreichte im bislang wärmsten Jahr zwei Billionen Dollar, ein weiter gefasster Wert als die 300 Milliarden der UN-Zusage. Der überwiegende Teil floss in Industrieländer und nach China.

„Die USA sind nicht der einzige Anteilseigner, der zählt, und diese Institutionen sind auch nicht die einzigen am Markt“, sagt Joe Thwaites, Direktor für internationale Klimafinanzierung bei der Umweltorganisation NRDC. Es sei klug, wenn Geberländer deutlich machten, dass sie ihr Geld auch anders lenken könnten und würden.

Deutschland hält 4,3 Prozent der Stimmrechte

Thwaites' Einwand betrifft auch Berlin. Deutschland ist nach den USA, Japan und China viertgrößter Anteilseigner der Weltbank: Laut Bundesfinanzministerium hält die Bundesrepublik 4,3 Prozent der Stimmrechte bei der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) und 5,4 Prozent bei der Internationalen Entwicklungsorganisation (IDA). Wie sie dieses Stimmrecht in der Frage der Zielquoten einsetzen will, hat die Bundesregierung bislang nicht öffentlich dargelegt.

Beim eigenen Beitrag steht Deutschland selbst unter Druck. Eine Analyse von Greenpeace Deutschland kommt zu dem Schluss, dass die Bundesregierung ihr Ziel von sechs Milliarden Euro Klimafinanzierung pro Jahr wahrscheinlich verfehlt.

Großbritannien hat seine internationale Klimahilfe dagegen bereits gekürzt: Statt 11,6 Milliarden Pfund über fünf Jahre sind für die kommenden drei Jahre sechs Milliarden Pfund eingeplant. Im Jahresdurchschnitt sinkt der Beitrag von 2,3 auf zwei Milliarden Pfund, also um rund 14 Prozent. Zusätzlich halbierte London in diesem Jahr seine Zusage an den UN-Klimafonds Green Climate Fund.

Verhandelt wird über die Finanzierungsfrage im November erneut, wenn die Staaten zur COP31 im türkischen Antalya zusammenkommen. Über die Zielquoten der Banken entscheidet allerdings keine Klimakonferenz, sondern deren eigene Gremien - und dort sitzen die Anteilseigner.

QUELLEN

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  1. Financial Times: US pressure on development banks to scrap climate finance goals, 13.09.2026.
  2. World Bank Group: Update on the World Bank Group Climate Change Action Plan, 29.06.2026.
  3. Bundesministerium der Finanzen: Weltbankgruppe, Stand 18.06.2025.
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