KLIMAPOLITIK · 14. JUNI 2026
KI-generiertCOP31-Präsidentschaft macht Elektrifizierung zum Klimaziel für 2035
Die türkisch-australische COP31-Präsidentschaft hat in Bonn ein globales Elektrifizierungsziel vorgeschlagen. Bis 2035 soll Strom 35 Prozent des Energiebedarfs decken, heute sind es 21 Prozent. Das Ziel ist freiwillig und ehrgeizig.
Im Rahmen der Bonner Klimakonferenz hat der designierte COP31-Präsident Murat Kurum diese Woche ein neues Ziel COP31 Elektrifizierung seiner Klima-Agenda vorgestellt. Der Anteil von Strom am weltweiten Endenergiebedarf soll von heute gut einem Fünftel auf 35 Prozent im Jahr 2035 steigen. Türkei und Australien führen die Präsidentschaft gemeinsam, der Gipfel selbst findet im November im türkischen Antalya statt.
Hinter der „35 x 35” genannten Zielmarke steht eine einfache Logik: Strom deckt bislang weniger als ein Viertel des globalen Endverbrauchs. Ein sauberes Netz wirkt also nur dann, wenn Verkehr, Wärme und Industrie ihre Energie zunehmend daraus beziehen statt aus Kohle, Öl und Gas vor Ort. Gestützt wird das Ziel auf Analysen der Internationalen Energieagentur (IEA) und der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA).
Neben der Elektrifizierungs-Initiative kündigte Kurum zwei weitere Ziele an: das Wachstum des globalen Mülls bis 2035 zu halbieren und die Energieintensität im Gebäudesektor um mindestens 25 Prozent zu senken. Das betrifft dann letztlich den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft sowie die konsequente Umsetzung der Wärmewende im Gebäude.
COP31 Elektrifizierung: Was 35 x 35 konkret verlangt
Seit 2010 ist der Stromanteil weltweit nur um rund 0,3 Prozentpunkte pro Jahr gestiegen, nach aktueller Politik käme die Welt laut IEA bis 2035 auf 25 Prozent. „35 x 35" verlangt dagegen rund 1,3 Prozentpunkte pro Jahr, also etwa das Vierfache des bisherigen Tempos.
Der Oxford-Energieökonom Jan Rosenow betont in seinem Substack, Elektrifizierung sei mehr als ein Brennstoffwechsel. Vor allem sei sie ein Effizienzgewinn: Ein Elektromotor wandelt rund 90 Prozent seines Stroms in Nutzarbeit, ein Verbrenner nur etwa ein Viertel, eine Wärmepumpe liefert je Stromeinheit drei bis fünf Einheiten Wärme.
Jeder Prozentpunkt Elektrifizierung senkt damit den gesamten Energiebedarf des Systems.
Im Ländervergleich liegt bislang nur ein Staat auf Kurs. Japan kommt mit 30,6 Prozent dem Ziel am nächsten, China folgt mit 29,3 Prozent und schließt seine Lücke am schnellsten. Die USA und die EU stecken bei rund 22 Prozent fest, gebremst von Gasheizungen und einem langsamen Umbau der Industrie.
Warum die COP31-Elektrifizierung Momentum schafft
Elektrifizierung rückt mit dem Vorstoß erstmals ins Zentrum eines COP-Prozesses. Der australische Chefverhandler Chris Bowen will die Verhandlungen in Antalya ausdrücklich daran ausrichten. UN-Klimachef Simon Stiell begrüßte das Ziel und nannte Elektrifizierung einen Treiber von Wachstum, Energiesicherheit und Emissionsminderung.
Treiber des Schubs ist die Energiesicherheit. Hohe Öl- und Gaspreise infolge geopolitischer Konflikte wie der Schließung der Straße von Hormus verschieben das Argument von der Klima- auf die Wirtschaftsseite, Bowen und EU-Energiekommissar Dan Jørgensen diskutierten Elektrifizierung zuletzt als Schutz vor volatilen Fossilmärkten.
Auch ein diese Woche durchgesickerter Entwurf der EU-Kommission zur Senkung der Strompreise zielt in dieselbe Richtung. Mehr zu AccelerateEU gibt es hier.
Vom Ziel zur Umsetzung
Die Grenzen des Ziels liegen in der Infrastruktur. Damit Elektrifizierung im geforderten Tempo gelingt, müssten sich die jährlichen Netzinvestitionen weltweit etwa verdoppeln, von rund 0,5 Billionen US-Dollar heute auf gegen eine Billion bis 2035. Die IEA wurde beauftragt, konkrete Umsetzungspfade auszuarbeiten.
Das Ziel bleibt freiwillig, es ist Teil der nicht verhandelten Aktionsagenda und nicht des offiziellen Vertragstexts. Kritik kommt entsprechend: Das Climate Action Network warnt vor zusätzlichen Prozessen ohne Vereinfachung bestehender Strukturen, die Kampagnenorganisation 350.org fordert eine Finanzierung über eine Übergewinnsteuer auf fossile Konzerne. Doch selbst dieses schwache Ziel verschiebt die globale Klimadebatte spürbar in Richtung Strom.
QUELLEN
- COP31-Präsidentschaft 35% by 2035 Electrification Target
- Climate Change News COP31 leaders unveil global targets
- Carbon Brief COP31 ‚35 by 35' goal
- Jan Rosenow, Bright Spots Geht die Elektrifizierung schnell genug?