Größter Solar-Speicher-Deal Deutschlands geht ins Stahlwerk

STAHL · 17. SEPTEMBER 2026

Salzgitter schließt Deutschlands größten Solar-Speicher-Vertrag

Salzgitter Flachstahl bezieht künftig 158 Gigawattstunden Solarstrom im Jahr vom Projektentwickler Zelestra, aus zwei Anlagen in Brandenburg und Thüringen mit eigenem Batteriespeicher. Nach Angaben beider Partner ist es der bislang größte Solar-Speicher-Vertrag in Deutschland.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. Lesezeit LESEN


Zusammen kommen die beiden Solarparks auf 147 Megawatt Leistung, die Speicher auf 79 Megawatt und 237 Megawattstunden Kapazität. Zelestra errichtet die Anlagen, bleibt Eigentümerin und führt den Betrieb. Salzgitter Flachstahl nimmt den Strom ab und steuert die Batterien selbst, der Stahlkonzern wird damit erstmals Betreiber eines Batteriespeichers.

Solche Stromlieferverträge heißen im Markt PPA, nach dem englischen Power Purchase Agreement. Sie binden Erzeuger und Abnehmer über Jahre an einen vereinbarten Preis, ohne Umweg über die Strombörse. Im Fachjargon ist dieser hier ein Hybrid-PPA, weil neben der Photovoltaik auch ein Speicher im Vertrag steht. Für beide Partner ist es der erste dieser Art in Deutschland.

Der Speicher lädt ausschließlich aus den Solarparks

Geladen werde allein aus den beiden Solaranlagen, teilt Zelestra mit. Der abgegebene Strom sei damit zu 100 Prozent grün. Dass es der größte Solar-Speicher-Vertrag des Landes ist, geben beide Seiten an. Eine unabhängige Marktstatistik, an der sich das prüfen ließe, gibt es nicht.

Die Kombination aus Solarpark und Batterie erlaube es, erneuerbare Energien „bedarfsgerecht und zu wettbewerbsfähigen Konditionen" zu beschaffen, sagt Marco Hauer, Leiter Energiebeschaffung im Konzern. Zelestra-Deutschlandchef Mathias Künicke erwartet, dass dieses Marktsegment in den kommenden Monaten erheblich wachse.

Salzgitter deckt mit dem Solar-Speicher-Vertrag den SALCOS-Bedarf

Der Strom fließt in SALCOS, das Transformationsprogramm der Salzgitter AG. Statt Kohle im Hochofen reduziert dort Wasserstoff das Eisenerz, ein Elektrolichtbogenofen schmilzt das Vorprodukt anschließend ein. Am Standort arbeitet dafür ein Elektrolyseur mit 100 Megawatt.

Die erste Stufe kostet rund 2,7 Milliarden Euro, davon trägt die öffentliche Hand 1,322 Milliarden. Den Vollbetrieb der neuen Route plant der Konzern für das erste Halbjahr 2027. Bis Ende 2033 soll der gesamte Standort umgestellt sein.

Mit dieser Umstellung wird aus dem Stahlwerk ein Großverbraucher von Strom. Elektrolyse und Lichtbogenofen laufen rund um die Uhr, Photovoltaik liefert mittags. Der Speicher schiebt einen Teil der Mittagserzeugung in die Abend- und Morgenstunden und schließt so die Lücke zwischen Erzeugung und Verbrauch. Dass Batterien diese Aufgabe günstiger übernehmen als ein Gaskraftwerk, zeigt der Kostenvergleich beider Optionen. Wie weit Flexibilität die klassische Grundlast ersetzt, lässt sich in Bollingstedt besichtigen.

Grünstrom besorgt sich der Konzern nicht zum ersten Mal, und zuerst tat er es direkt vor der Tür: Für das Projekt WindH2 stellte Avacon sieben Windräder mit zusammen 30 Megawatt auf das Werksgelände, sie speisen seit 2021 die erste Elektrolyse. Dazu kamen Lieferverträge mit RWE, Iberdrola und Octopus Energy, im Sommer 2025 schrieb Salzgitter zusätzlich 150 Megawatt Photovoltaik und einen Batteriespeicher auf dem Werksgelände aus. Neu am Vertrag mit Zelestra ist die Batterie, und sie steht nicht im Werk, sondern an den Solarparks.

Um Preis und Verfügbarkeit dieses Stroms streitet die Branche seit Monaten. Salzgitter-Chef Gunnar Groebler hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche öffentlich widersprochen, als diese die Erneuerbaren-Ziele in Frage stellte. Ob sich Primärstahl in Mitteleuropa überhaupt noch rechnet, darüber streiten PwC und die Hans-Böckler-Stiftung mit gegensätzlichen Szenarien.

Zelestra treibt in Deutschland mehr als zwei Gigawatt voran

Zelestra entwickelt, baut und vermarktet große Erneuerbaren-Projekte und gehört dem Fonds EQT. Nach der Zählung von Bloomberg New Energy Finance ist das Unternehmen weltweit und in den USA der siebtgrößte Anbieter von sauberem Strom für Unternehmenskunden. In Deutschland, seinem Kernmarkt, arbeitet Zelestra nach eigenen Angaben an mehr als zwei Gigawatt Solar-, Hybrid-, Wind- und Speicherprojekten.

Ans Netz ging davon im August 2026 das erste Projekt, der Solarpark Klevenow in Mecklenburg-Vorpommern mit 27,5 Megawatt. Im selben Monat schloss Zelestra mit Centrica Energy eine Tolling-Vereinbarung über einen Speicher mit 297 Megawattstunden in Hilgermissen. Der Händler mietet dabei die Batterie und vermarktet sie am Strommarkt, während der Eigentümer eine feste Vergütung erhält. Der Bau soll 2027 beginnen.

Wie lange der Vertrag läuft und wann die beiden Anlagen Strom liefern, haben die Partner nicht mitgeteilt. Salzgitter Flachstahl beschäftigt rund 6.000 Menschen und erzeugte 2025 etwa 4,6 Millionen Tonnen Rohstahl bei 3,4 Milliarden Euro Umsatz.

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