In Denkendorf trägt GP Joule das Risiko der Wärmewende

WÄRMEWENDE IN KLEINEN GEMEINDEN · 4. NOVEMBER 2026

GP Joule plant ein Wärmenetz in Denkendorf mit Wärme aus der Luft

Das Cleantech-Unternehmen GP Joule will rund 400 Gebäude im Westen von Denkendorf bei Esslingen an ein Wärmenetz anschließen. Planung, Finanzierung und Bau übernimmt das Unternehmen, die Gemeinde verspricht sich davon Schub für die Energiewende vor Ort.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 5 Min. LESEN


Für das Wärmenetz in Denkendorf hat GP Joule eine eigene Projektgesellschaft gegründet, die Renergiewerke Denkendorf. Projektleiter Christian Schechinger stellte den Planungsstand jetzt im Gemeinderat vor, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten. Geplant sei eine Haupttrasse von etwa 14 Kilometern. GP Joule rechne mit rund 400 Anschlüssen und einem Wärmebedarf von mehr als zehn Gigawattstunden im Jahr.

Es könnten auch mehr werden, denn entlang der möglichen Trasse liegen nach Schechingers Angaben mehr als 1.000 Liegenschaften. Im Blick hat GP Joule vor allem den Westen des Ortes, grob südlich der Körsch und östlich von Eichersteige und Uhlandstraße. Dort stehen viele unsanierte Häuser mit hohem Wärmebedarf, für die sich ein Netz mit erneuerbarer Wärme lohne.

Die Initiative ging von GP Joule aus. Bürgermeister Ralf Barth stellte klar, dass Planung, Finanzierung und Umsetzung bei GP Joule und der Projektgesellschaft liegen. Die Gemeinde unterstütze das Vorhaben. Denkendorf hatte erst im Frühjahr gemeinsam mit Neuhausen und Wolfschlugen eine kommunale Wärmeplanung vorgelegt, die Gemeinden unter 100.000 Einwohnern bis Mitte 2028 brauchen.

GP Joule setzt in der Heizzentrale auf Luft-Wärmepumpen

Die Heizzentrale soll im Gewerbegebiet Nördlich Albstraße entstehen, auf rund 3.000 Quadratmetern. Mehrere Luft-Wärmepumpen sollen dort die Wärme erzeugen, dazu kommen zwei 16 Meter hohe Pufferspeicher und ein Schallschutz. Kommt das Projekt, verkauft die Gemeinde das Grundstück an GP Joule.

GP Joule plant den Ausbau in Stufen. Die erste Stufe sei auf eine Anschlussquote von rund 30 Prozent und eine Spitzenleistung von etwa 3,6 Megawatt ausgelegt. In der zweiten Stufe könne die Heizzentrale rund sieben Megawatt liefern. Trassenverlauf und Ausgestaltung der Heizzentrale können sich laut Gemeindeverwaltung im Lauf der Planung noch ändern.

Mit großen Pufferspeichern kann ein Betreiber die Großwärmepumpe bevorzugt dann laufen lassen, wenn Strom günstig ist, und die Wärme später abgeben. So betreibt GP Joule seit Juni die Heizzentrale im sachsen-anhaltischen Quellendorf. Dort arbeiten eine Luft-Wärmepumpe mit mehr als einem Megawatt und ein 17 Meter hoher Speicher für 500 Kubikmeter Wasser zusammen.

Heizzentrale von GP Joule in Mertingen mit Photovoltaik-Freiflächenanlage, Luft-Großwärmepumpe und zwei Pufferspeichern am Ortsrand
So sieht das Prinzip in Mertingen aus: Solarstrom, Luft-Großwärmepumpe und zwei Pufferspeicher am Ortsrand. FOTO: GP JOULE

GP Joule baut Wärmenetze seit 2012

GP Joule ist kein Neuling in der Wärme. Ove Petersen und Heinrich Gärtner haben das Unternehmen 2009 gegründet, es sitzt im nordfriesischen Reußenköge und im bayerischen Buttenwiesen. Die Gruppe plant, baut und betreibt Wind- und Solarparks, Batteriespeicher, Wasserstoffanlagen und Ladeinfrastruktur. Das erste Nahwärmenetz entstand 2012 in Buttenwiesen, seither folgten Netze in Schleswig-Holstein, Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt.

Seit diesem Sommer hält Mitgründer Gärtner die Mehrheit an der Wärmesparte GP Joule Wärme und konzentriert sich ganz auf sie. „Ohne die Wärmewende wird die Energiewende immer nur Stückwerk bleiben", sagte Gärtner zur Neuaufstellung im Juni. GP Joule Wärme bietet Gemeinden an, sich mit bis zu 49 Prozent an der örtlichen Netzgesellschaft zu beteiligen. Alternativ betreibt das Unternehmen das Netz allein.

Das Vorbild steht in Mertingen im Landkreis Donau-Ries. Dort lieferten zunächst Biogasanlagen die Wärme. Als die Wärme nicht mehr reichte, ergänzte GP Joule 2023 eine Luft-Großwärmepumpe mit 700 Kilowatt, die ihren Strom aus einem benachbarten Solarpark bezieht. Nach Angaben von GP Joule war sie die erste ihrer Art in Deutschland.

Schechinger betreut für GP Joule auch das geplante Wärmenetz in Bitz im Zollernalbkreis. Dort stellte er im Oktober vor rund 150 Bürgerinnen und Bürgern ein Netz mit zwei Großwärmepumpen von je einem Megawatt vor. Mindestens 90 Prozent der Wärme sollen dort aus Wärmepumpen kommen. Der Bau soll 2028 beginnen.

Hausbesitzer entscheiden über das Wärmenetz in Denkendorf

Beschlossen ist noch nichts. Eine Machbarkeitsstudie soll klären, ob und unter welchen Bedingungen sich das Netz technisch und wirtschaftlich rechnet. GP Joule beginne erst, wenn eine Mindestzahl an Verträgen vorliege, sagte Schechinger, ohne eine Zahl zu nennen. Als Nächstes stimmt sich das Unternehmen mit dem Landratsamt Esslingen als Genehmigungsbehörde ab.

2027 sollen die Anlieger der möglichen Trasse bei einer Informationsveranstaltung erfahren, was ein Anschluss bedeutet. Bis etwa 2030 könnte das Netz gebaut sein. Für Eigentümer eines unsanierten Hauses ändert sich mit Wärme aus dem Netz vor allem der Keller. Statt des Kessels steht dort eine Übergabestation, Wärmeerzeugung und Wartung übernimmt der Betreiber. Wer heute noch mit Gas heizt, muss ab Januar mit höheren Preisen rechnen (mehr dazu: Gaspreis 2027).

QUELLEN

  1. GP Joule: GP JOULE stellt sich neu auf, Pressemitteilung, 24. Juni 2026.
  2. GP Joule: 10 Jahre ProTherm Mertingen, Pressemitteilung, 29. Mai 2026.
  3. GP Joule: Quellendorf setzt auf zukunftsfähige Wärmeversorgung, Pressemitteilung, 3. September 2026.
  4. GP Joule: Großes Interesse am Wärmenetz in Bitz, Pressemitteilung, 22. Oktober 2026.
  5. KEA-BW: Das kommunale Wärmenetz, Präsentation GP Joule Wärme beim Klimaschutzmanagement-Treffen, 2025.
  6. Stuttgarter Zeitung: Weniger Abhängigkeit von Öl und Gas: Gemeinden legen Wärmeplanung vor, 9. April 2026.
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