Illutherm verkauft ersten Laborofen mit LED-Licht

PROZESSWÄRME · 4. NOVEMBER 2026

Illutherm bringt Laborofen mit LED-Licht auf den Markt

Das Darmstädter Cleantech-Startup Illutherm verkauft seinen ersten Laborofen mit LED-Licht. Illu Lab erhitzt Materialproben in Sekunden auf mehr als 1.000 Grad Celsius. Als ersten Industrieeinsatz der Technik nennt das Unternehmen das Härten von Stahl.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. LESEN


Illutherm hat Illu Lab Ende September auf dem MSE Congress in Darmstadt vorgestellt, seitdem ist der CE-zertifizierte Ofen bestellbar. Darin nimmt die Materialprobe blaues LED-Licht direkt auf und wandelt es in Wärme um. Klassische Laboröfen brauchen für mehr als 1.000 Grad Celsius Stunden, weil sich zuerst Luft und Ofenwände aufheizen. In einem Test habe eine Stahlprobe diese Temperatur laut Illutherm nach 20 Sekunden erreicht, je nach Material seien bis zu 1.400 Grad möglich.

Kunden sucht Illutherm bei Forschungseinrichtungen, Entwicklungslaboren und Universitäten. Unternehmen sollen mit Illu Lab außerdem prüfen, ob die Technik zu ihren Materialien und Prozessen passt. Auf Basis der Testergebnisse erstelle Illutherm dann ein Angebot für eine Industrieanlage. Illu Lab sei „der erste Schritt für Unternehmen hin zu einer industriellen Anlage“, schreibt das Unternehmen Mitte Oktober auf Anfrage von Cleanthinking.

Illutherm rechnet mit 100 Versuchen am Tag

Seine Herstellerzahlen bezieht Illutherm auf eine Stahlplatine von einem Millimeter Dicke und rund 2,5 mal 2,5 Zentimetern Fläche. Eine solche Probe sei in zehn bis 20 Sekunden aufgeheizt. Bei einem straffen Versuchsplan mit fünf Minuten je Versuch samt Vor- und Nachbereitung seien so 100 Versuche oder mehr möglich. Mit einem herkömmlichen Laborofen schaffe ein Labor nach Angaben des Unternehmens einen Versuch am Tag.

Forschende könnten so untersuchen, wie Werkstoffe auf sehr schnelles Erhitzen oder bestimmte Temperaturänderungen reagieren. Weil der Ofen in Sekunden heize, könne sich ein Forscher „stärker der Auswertung und der Iteration der Versuche widmen“, also dem schrittweisen Wiederholen und Anpassen. Auf dem MSE Congress und auf dem Bunsenkolloquium zu Festkörperbatterien habe Illutherm mit Fachleuten aus der Batterie-, Legierungs- und Keramikforschung gesprochen.

Das Gerät hat eine Anschlussleistung von 3,5 Kilowatt. Den Energiebedarf je Versuch beziffert Illutherm auf rund 99 Prozent unter dem eines herkömmlichen Muffelofens, des üblichen Kammerofens im Labor. Das Unternehmen begründet das mit dem deutlich schnelleren Erhitzen. Auf industrielle Maßstäbe lasse sich der Vergleich allerdings nicht übertragen, räumt Illutherm selbst ein, und erst dort spiele der Energiebedarf eigentlich eine Rolle.

Spiegelnde und durchsichtige Werkstoffe heizen langsamer auf

Eine Zahl zum Wirkungsgrad nennt Illutherm nicht. Er hänge vom Material ab, weil jeder Werkstoff blaues Licht unterschiedlich stark aufnehme. Rotes Kupfer und schwarzer Kohlenstoff absorbierten es besonders gut.

Die Probenfläche misst vier mal vier Zentimeter, größere Proben lassen sich nicht vollständig bestrahlen. Je dicker das Material, desto länger dauere das Aufheizen. „Spiegelnde Oberflächen absorbieren weniger stark, ebenso wie transparente Werkstoffe“, schreibt das Unternehmen. Beides verlängere die Heizzeit und senke den Wirkungsgrad.

Illutherm setzt in der Industrie zuerst auf Metall

Auf der Projektseite der SPRIND, der Bundesagentur für Sprunginnovationen, standen bislang Dentalimplantate und kleine Keramikteile am Anfang (mehr dazu: Keramikindustrie elektrifizieren). Langfristig sollten industrielle Keramik, Metalle, Glas und Zement folgen. Nun nennt Illutherm die Metallbe- und -verarbeitung als ersten Einsatz, etwa das Härten von Stahl mit LED-Licht.

Bis 2028 will das Unternehmen laut einem Porträt in Startup Valley einen industrienahen Volllastbetrieb erreichen. 2025 baute Illutherm dafür den Prototyp Epsilon mit mehr als zehn Kilowatt Leistung auf einer Leuchtfläche in Smartphone-Größe.

Illutherm ging Ende Februar 2023 als Ausgründung der TU Darmstadt an den Start. Mitgründer und Chef Lukas Porz hatte in seiner Promotion untersucht, wie sich Keramik bei sehr schneller Erhitzung verhält. Mit ihm gründeten Michael Scherer als Technikchef und Miltiadis Vlachos für das operative Geschäft. Die SPRIND förderte das Unternehmen 2023 mit 200.000 Euro, Anfang 2025 stieg der Wagniskapitalgeber Lifeline Ventures aus Helsinki ein. Nach eigenen Angaben beschäftigt Illutherm 14 Mitarbeitende.

Industrielle Prozesswärme verursacht laut SPRIND mehr als zehn Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Cleantech-Unternehmen wie Heatrix und HyperHeat elektrifizieren sie mit Lufterhitzern, die Luft auf bis zu 1.500 Grad bringen, etwa für Ziegeleien, Zement und Stahl. Einen weiteren Weg zeigt das Power-to-Heat-Projekt von Leonhard Kurz und EnergyNest. Illutherm erhitzt dagegen das Material selbst.

QUELLEN

  1. Illutherm: Schriftliche Antworten auf Anfrage von Cleanthinking, 14.10.2026.
  2. Illutherm: Darmstädter Start-up ILLUTHERM stellt ersten Laborofen mit LED Technologie vor, Pressemitteilung, September 2026.
  3. Illutherm: Über uns.
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