NEUE ZAHLEN DER BUNDESNETZAGENTUR · 2. OKTOBER 2026
PPC41 Netzbetreiber stehen beim Smart-Meter-Rollout noch bei Null
Zum 30. Juni 2026 hatten 41 grundzuständige Messstellenbetreiber keinen einzigen Smart Meter verbaut. Ende 2025 waren es noch 77. Bundesweit haben erst 26,1 Prozent der Pflichteinbaufälle ein intelligentes Messsystem. Die Langsamkeit der Digitalisierung der Energiewende behindert Flexibilitäten, die das Stromsystem dringend braucht.
Über alle Messlokationen in Deutschland gerechnet, liegt die Quote des Smart-Meter-Rollouts bei 5,9 Prozent. Das sind 0,4 Prozentpunkte mehr als Ende 2025. Die Zahlen stammen aus der Halbjahreserhebung der Bundesnetzagentur, ausgewertet hat sie die Smart-Meter-Initiative. Die Behörde begründe den kleinen Zuwachs mit einem Fehler in der Erhebung zum vierten Quartal, teilte die Initiative mit. Rechne man diesen heraus, bleibe ein Plus von 1,5 Prozentpunkten in sechs Monaten.
Ein Smart Meter misst den Stromverbrauch im Viertelstundentakt und ist die Voraussetzung für dynamische Stromtarife. Bis Ende 2025 mussten die Messstellenbetreiber mindestens 20 Prozent ihrer Pflichteinbaufälle ausstatten. Dazu zählen Haushalte mit mehr als 6.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch und Haushalte mit steuerbarer Verbrauchseinrichtung, etwa einer Wärmepumpe oder Wallbox. In einigen Netzgebieten hat inzwischen jeder Pflichtfall ein Gerät, in anderen hat der Einbau noch nicht begonnen.
Unter den Großen führen Westnetz und Stromnetz Berlin den Smart-Meter-Rollout an
Die zehn größten Messstellenbetreiber kommen beim Pflichteinbau auf Quoten zwischen 24 und 60 Prozent. Vorn liegen Westnetz und Stromnetz Berlin mit je 60 Prozent, dahinter folgt die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mit 58 Prozent. Am Ende der Gruppe stehen Netze BW mit 24 und Bayernwerk Netz mit 29 Prozent. Nur die Hälfte der großen Betreiber hat sich seit Ende 2025 deutlich verbessert.
Die höchsten Quoten erreichen kleinere Betreiber. Neben Industrienetzen stehen dort inzwischen auch Netzbetreiber aus Gera mit 92 Prozent, Oberhausen mit 82 und Flensburg mit 79 Prozent. Für einen Platz unter den zehn Besten braucht ein Betreiber jetzt mindestens 76 Prozent, Ende 2025 reichten noch 58 Prozent.
Seit Ende 2025 zählt die Bundesnetzagentur auch optionale Einbauten zur Pflichtquote, also Smart Meter, die Haushalte außerhalb der Pflichtfälle bestellt haben. Diese Geräte machen einen wachsenden Teil der Spitzenwerte aus. Ohne diese Neuberechnung läge Flensburg nach Angaben der Initiative bei 21 statt 79 Prozent.
Die Initiative fordert Fusionen und einen Smart Meter Light
Die 591 Messstellenbetreiber mit weniger als 30.000 Messlokationen liegen beim Pflichteinbau im Schnitt rund zehn Prozentpunkte hinter den Betreibern mit mehr als 500.000 Messlokationen. Wirtschaftlich rentabel sei der Messstellenbetrieb erst ab dieser Größe, heißt es aus der Branche. Diese Schwelle erreichen derzeit 19 Betreiber. Die Smart-Meter-Initiative verlangt deshalb, dass sich vor allem kleine Messstellenbetreiber zusammenschließen. Erste Stadtwerke haben bereits fusioniert.
Ihr zweiter Vorschlag ist ein Smart Meter Light, eine abgespeckte Variante des intelligenten Messsystems. Millionen Haushalte bräuchten dessen volle Technik nicht, um von dynamischen Tarifen zu profitieren. „Ein Smart Meter Light setzt genau hier an und wäre einfacher, günstiger und schneller ausrollbar“, sagt Ralf Walther, Leiter Energiemarkt bei Tibber. Entscheidend sei, dass die Daten zuverlässig fließen.
In der Initiative haben sich im Januar 2024 die Ökostromanbieter Octopus Energy, Rabot Energy, Tibber und Ostrom zusammengeschlossen. Alle vier verkaufen dynamische Tarife und brauchen dafür Kunden mit Smart Meter. Die Initiative hat die Daten der Bundesnetzagentur im Smart-Meter-Atlas aufbereitet. Die interaktive Karte zeigt den Stand für jedes Netzgebiet und wird quartalsweise aktualisiert.
QUELLEN
- Smart-Meter-Initiative: Smart-Meter-Rollout: 41 Netzgebiete bleiben ohne einen einzigen Einbau (Pressemitteilung), 2. Oktober 2026.