Wiltz heizt mit über 3.000 PVT-Kollektoren

WÄRMEWENDE IN LUXEMBURG · 15. OKTOBER 2026

Luxemburg heizt ein neues Viertel mit über 3.000 PVT-Kollektoren und Wärmepumpen

Im luxemburgischen Wiltz entsteht nach Angaben des Frankfurter Cleantech-Unternehmens Consolar die größte PVT-Anlage Europas. Die Kollektoren auf den Dächern eines neuen Wohnviertels liefern Strom und zugleich die Wärmequelle für die Wärmepumpen.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 5 Min. LESEN


Anfang Oktober führte der Fonds du Logement rund 50 Fachleute aus sechs Ländern über die Baustelle in Wiltz im Norden Luxemburgs. Planungs- und Architekturbüros, Wohnungsunternehmen, Energieversorger, Kommunen und Handwerksbetriebe sahen sich das Kollektorfeld auf dem Dach, den Heizraum und die Hydraulik an. Die öffentliche Körperschaft Luxemburgs entwickelt das Viertel „Wunne mat der Wooltz“.

Den Titel hatte zuletzt der Dresdner Hersteller Sunmaxx für sich beansprucht: Auf der im September 2025 eröffneten Sport Arena Wien liegen gut 1.130 seiner Module auf 2.260 Quadratmetern. In Wiltz sind es fast dreimal so viele Kollektoren.

Luftbild der Baustelle des Viertels Wunne mat der Wooltz in Wiltz, Luxemburg
Das Viertel „Wunne mat der Wooltz“ in Wiltz im Bau. QUELLE: FONDS DU LOGEMENT

Die Wärmepumpen stehen im Gebäude

Consolar beschreibt das Energiekonzept des Viertels als vollständig erneuerbar. Ein Niedertemperatur-Wärmenetz verbindet die Gebäude, dazu kommen ein Eisspeicher sowie PVT-Kollektoren und Wärmepumpen. Weil die Wärmequelle auf dem Dach sitzt, stehen die Wärmepumpen im Haus. Außengeräte gibt es keine, und damit auch keinen Lärm für die Nachbarschaft.

Zwischen den Lamellen der Solink-Kollektoren liegen rund zehn Millimeter, einen Ventilator haben sie nicht. Bei Außengeräten von Luft-Wärmepumpen sind es zwei bis vier Millimeter, ein Ventilator bewegt die Luft. Werden die Kollektoren parallel zum Dach montiert, sei kein Abtauen nötig, teilt Consolar mit.

Die Kollektoren nutzten neben der Sonne auch die Umgebungsluft als Wärmequelle und „arbeiten dadurch auch nachts und im Winter“, sagt Andreas Siegemund, geschäftsführender Gesellschafter bei Consolar. Das Unternehmen fertigt die Solink-Kollektoren seit Ende 2024 gemeinsam mit der AKG-Gruppe im nordhessischen Hofgeismar.

Hochschulen und Consolar vergleichen zwei PVT-Bauarten

Für das Symposium „Zukunft Wärme 2026“ haben fünf Autoren den Lamellen-Kollektor mit klassischen, flachen PVT-Modulen verglichen. Stephan Fischer und Sebastian Asenbeck forschen am IGTE der Universität Stuttgart, Thomas Schabbach an der Hochschule Nordhausen. Ulrich Leibfried und Hans Stork arbeiten bei Consolar, zwei der Autoren bewerten damit auch das Produkt ihres Arbeitgebers.

Seit der Normfassung ISO 9806:2025 gibt es den PVT-Luft-Sole-Kollektor als eigene Kategorie. Er muss bei einer Windgeschwindigkeit von 1,5 Metern pro Sekunde einen U-Wert von mindestens 30 Watt pro Quadratmeter und Kelvin erreichen. Der U-Wert gibt hier an, wie gut der Kollektor Wärme aus der Umgebungsluft aufnimmt, je höher, desto besser. Das Prüfverfahren entstand im Projekt SolAirHX, das das Bundeswirtschaftsministerium gefördert hat.

Als alleinige Wärmequelle einer Wärmepumpe arbeiten solche Kollektoren laut Bericht schon in mehr als 5.000 Anlagen. Klassische PVT-Module brauchen meist eine zweite Quelle wie eine Erdsonde oder einen Eisspeicher, oder einen zusätzlichen Wärmeerzeuger.

In der Klimakammer der Hochschule Nordhausen liefen drei Kollektoren bei sieben Grad und 90 Prozent Luftfeuchte. Die Solink-Bauart startete mit einem U-Wert von rund 40, die beiden flachen PVT-Kollektoren mit zwölf und 23. Nach zwei Stunden war die PV-Vorderseite der flachen Module von Eis bedeckt, beim Lamellen-Kollektor vereiste die PV-Fläche praktisch nicht. Eis auf der Vorderseite senkt den Stromertrag gerade im Winter. Rutscht eine Eisplatte vom Dach, kann sie Menschen gefährden.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt förderte das Projekt Solink, in dem neun Kollektoren 18 Monate lang im Außentestfeld der Universität Stuttgart liefen. Die Vereisung minderte die Wärmeübertragung dort um weniger als fünf Prozent. Für flache PVT-Module gibt es weder einen vergleichbaren Feldtest noch eine genormte Prüfmethode für Vereisung.

Für ein Einfamilienhaus reichen knapp 13 Quadratmeter

Die Autoren haben ein Einfamilienhaus in Würzburg simuliert, mit 7.500 Kilowattstunden Heizwärme und 2.550 Kilowattstunden Warmwasser im Jahr. Mit knapp 13 Quadratmetern PVT-Luft-Sole-Kollektor erreicht die Wärmepumpe dieselbe Jahresarbeitszahl wie mit 34 Quadratmetern Standard-PVT. Die Jahresarbeitszahl gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom macht.

Unterhalb von 30 bis 34 Quadratmetern sinkt die Jahresarbeitszahl mit flachen PVT-Modulen, weil der elektrische Heizstab einspringt. Bei 19 Quadratmetern entfallen 15 Prozent des Stromverbrauchs auf den Heizstab. Die Autoren empfehlen zwei bis 2,4 Quadratmeter Lamellen-Kollektor pro Kilowatt Wärmepumpenleistung, bei Standard-PVT vier Quadratmeter. Die Vereisung bildet die Simulation nicht ab, sie träfe laut Bericht vor allem die flachen Kollektoren.

Mit der Luft-Wärmepumpe haben die Autoren die Systeme in diesem Projekt nicht verglichen. In der Stadt und in der Sanierung, wo der Platz für ein großes Kollektorfeld fehlt, seien PVT-Luft-Sole-Kollektoren oft ohne Alternative, schreiben sie.

In Wiltz arbeiten PVT-Kollektoren und Wärmepumpen künftig mit Eisspeicher und Wärmenetz zusammen. Bis 2035 baut der Fonds du Logement in dem Viertel 1.085 Wohnungen.

QUELLEN

  1. Symposium „Zukunft Wärme 2026“: Ulrich Leibfried, Hans Stork (Consolar), Stephan Fischer, Sebastian Asenbeck (Universität Stuttgart, IGTE), Thomas Schabbach (Hochschule Nordhausen), Einsatzbereiche von Wärmepumpensystemen mit PVT-Luft-Sole-Kollektoren sowie klassischen PVT-Kollektoren, 2026.

61b7cb4280a24760b82389f43edeefbf
5 1 Bewertung
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Nach oben scrollen
0
Ihre Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x