OFFSHORE-WIND · 22. SEPTEMBER 2026
ØrstedØrsted und Nuveen weihen Offshore-Windpark Borkum Riffgrund 3 ein
Für den Offshore-Windpark Borkum Riffgrund 3 mit 913 Megawatt zahlt der Staat keine Förderung. Den Strom haben sich Amazon, BASF, Covestro, die REWE Group und Google über langfristige Direktverträge gesichert.
Ørsted und der Finanzpartner Nuveen Infrastructure haben den Windpark am Dienstag in Hamburg eingeweiht. Beide Unternehmen halten je 50 Prozent. An einem Windpark-Modell standen Ørsted-Chef Rasmus Errboe, Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne und WindEurope-Chefin Tinne Van der Straeten. Jordi Francesch leitet bei Nuveen Infrastructure das Geschäft mit sauberer Energie. Für den Netzbetreiber TenneT kam Thorsten Dietz, für das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Abteilungsleiter Nico Nolte.
Die 83 Anlagen von Siemens Gamesa mit je elf Megawatt stehen rund 72 Kilometer vor der niedersächsischen Küste. Seit Ende August läuft der Park im kommerziellen Betrieb. In einer Botschaft an die Gäste erklärte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, das Projekt trage fast ein Zehntel zur deutschen Offshore-Kapazität bei. „Ein Windpark mit der Leistung eines konventionellen Kraftwerks“, heißt es darin. Ende Juni drehten sich in Nord- und Ostsee laut Stiftung Offshore-Windenergie 1.764 Anlagen mit zusammen 10,8 Gigawatt.
Fünf Konzerne kaufen den Strom von Borkum Riffgrund 3
Ørsted hatte die Flächen in den Ausschreibungen 2017 und 2018 mit Geboten von null Cent pro Kilowattstunde gewonnen. Eine Marktprämie aus dem EEG fließt deshalb nicht. Die Erlöse kommen aus Direktverträgen mit Industrie- und Digitalkonzernen, sogenannten Power Purchase Agreements. Amazon hat sich 350 Megawatt gesichert, BASF 186 Megawatt. Covestro und die Einkaufsgesellschaft der REWE Group nehmen je 100 Megawatt ab, Google 50 Megawatt.
Zusammen sind damit 786 der 913 Megawatt vergeben, die Verträge laufen zehn bis 25 Jahre. Einen ersten Vertrag mit Amazon hatte Ørsted schon 2020 unterschrieben, als der Park noch in Planung war (mehr dazu: Amazon sichert sich Strom aus Riffgrund 3). Nach Angaben von Ørsted reicht die Jahreserzeugung rechnerisch für fast eine Million deutsche Haushalte.
Ørsted hat auf eine eigene Umspannplattform auf See verzichtet. Stattdessen führen 66-Kilovolt-Kabel direkt von den Anlagen zur Konverterplattform DolWin epsilon von TenneT. Das hat in Deutschland zuvor kein Offshore-Windpark so umgesetzt.
Erstmals floss Strom aus dem Park im Dezember 2025. Bis zum Vollbetrieb vergingen danach fast neun Monate, weil Ausfälle und Abregelungen im Übertragungsnetz die Inbetriebnahme verzögerten, berichtet ingenieur.de.
Die Monopile-Fundamente kommen von Steelwind in Nordenham und Bladt Industries in Dänemark. Die Kabel stammen aus Deutschland und Frankreich, die Installationsschiffe aus den Niederlanden und Belgien. Rund 100 deutsche Unternehmen seien an Planung und Bau beteiligt gewesen, teilte Ørsted mit. Betrieb und Wartung laufen von Norden-Norddeich und Emden aus.
Ørsted und Nuveen drängen auf Differenzverträge
Bei der Einweihung richteten die Betreiber Forderungen an die Bundesregierung. Ein Auktionsmodell, das ausschließlich auf zweiseitigen Differenzverträgen beruhe, verringere die Komplexität, sagte Josche Muth, Geschäftsführer von Ørsted in Deutschland. Die Verträge müssten an die Inflation gekoppelt sein. Großbritannien, Polen, Dänemark und Belgien hätten das bereits erkannt. Francesch forderte stabile, indexierte Rahmenbedingungen für die nächste Investitionswelle.
Bei einem Differenzvertrag garantiert der Staat einen festen Strompreis. Liegt der Marktpreis darunter, zahlt der Staat die Differenz, liegt er darüber, zahlt der Betreiber zurück.
Anfang September hat das Bundeskabinett eine Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes beschlossen. Sie sieht ein zweistufiges Modell vor, in dem die Betreiber zunächst das volle Marktrisiko tragen, bevor der Differenzvertrag greift. Die Branchenverbände BEE und BDEW lehnen das ab, berichtet Solarserver. Nun berät der Bundestag.
Im August 2025 gab für zwei Nordsee-Flächen kein Unternehmen ein Gebot ab. Zwei Jahre zuvor hatten BP und TotalEnergies Milliarden für Flächen gezahlt, die sie inzwischen nicht mehr bebauen wollen (mehr dazu: Offshore-Windkraft als Geisel der Ölmultis). Mit seinem sechsten deutschen Offshore-Windpark kommt Ørsted auf rund 2,5 Gigawatt und nach eigenen Angaben auf einen Marktanteil von 25 Prozent.
QUELLEN
- Ørsted: Ørsted und Nuveen weihen mit Borkum Riffgrund 3 einen der größten Offshore-Windparks Deutschlands ein, Pressemitteilung, 22. September 2026.
- Ørsted: Borkum Riffgrund 3 enters commercial operation, August 2026.
- Ørsted: Borkum Riffgrund 3: Installation von größtem deutschen Offshore-Windpark hat begonnen, Dezember 2023.
- ingenieur.de: 83 Windräder standen längst: Warum Borkum Riffgrund 3 erst jetzt voll startet, 31. August 2026.
- Stiftung Offshore-Windenergie: Status Offshore Windenergie 1. Halbjahr 2026, Juli 2026.
- Solarserver: Bundeskabinett legt Novelle für 70 GW-Offshore-Wind vor, 3. September 2026.