Series B: Ölkonzerne investieren in Capturas Ozean-CO2-Entnahme

CARBON REMOVAL · 29. JUNI 2026

Captura schließt Series-B-Finanzierungsrunde über 11,5 Mio. Euro ab

Equinor Ventures führt die Captura Series B-Runde an. Mit dabei: Aramco Ventures, Eni Next, Maersk Growth, National Grid Partners und Hitachi Ventures.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 3 MINUTEN LESEN


Captura, ein aus Caltech ausgegründetes Unternehmen mit Sitz in Pasadena, Kalifornien, hat eine Erweiterung seiner Series-B-Finanzierung über 12,5 Mio. US-Dollar (rund 11,5 Mio. Euro) abgeschlossen. Equinor Ventures führt die Captura Series B-Runde an; Aramco Ventures, Eni Next, Maersk Growth, National Grid Partners und Hitachi Ventures beteiligen sich ebenfalls. Das Kapital soll den Ausbau der US-Inlandsfertigung für bipolare Membran-Elektrodialyse-Stacks finanzieren.

Capturas Kerntechnik ist die bipolare Membran-Elektrodialyse (BMED): Meerwasser wird elektrochemisch behandelt, dabei wird das im Wasser gelöste CO₂ freigesetzt und abgeschieden. Der Prozess kommt ohne PFAS-haltige Chemikalien aus und lässt sich nach Unternehmensangaben auch für die direkte Lithiumextraktion aus Sole einsetzen. Erste Kaufaufträge für Elektrodialyse-Stacks im Lithiumsegment liegen vor; die Auslieferung ist für Sommer 2026 geplant.

Equinors Einstieg als Lead-Investor ist kein Zufallsschritt. Der norwegische Konzern und Captura haben bereits 2025 ein gemeinsames Technologiequalifizierungsprogramm abgeschlossen. In einer einjährigen Pilotphase an einer Anlage in Kona, Hawaii, die nominell 1.000 Tonnen CO₂ pro Jahr abscheiden kann, testeten beide Unternehmen das DOC-System gegen 20 definierte Kennzahlen: CO₂-Abscheideeffizienz, Betriebssicherheit und Messbarkeit der Entnahme. Das Ergebnis: Equinor erklärte das Verfahren im November 2025 als bereit für den kommerziellen Einsatz.

Der Investorenkreis dieser Runde ist auffällig: Equinor, Aramco Ventures und Eni Next sind Töchter oder Beteiligungsvehikel von Öl- und Gaskonzernen. Maersk Growth kommt aus dem Schifffahrtssektor, einem der schwer zu dekarbonisierenden Industrien. National Grid Partners ist der Investitionsarm des britisch-amerikanischen Übertragungsnetzbetreibers. Diese Konstellation zeigt, welche Branchen sich von meeresbasierter CO₂-Entnahme einen strukturellen Beitrag zu ihren Emissionsbilanzen versprechen. Ob die Technik diesen Erwartungen standhält, wird die Skalierung zeigen.

Die Methode selbst unterscheidet sich von der besser bekannten Direct Air Capture (DAC). Bei DAC wird CO₂ direkt aus der Luft gefiltert, was vergleichsweise hohe Energiemengen erfordert, weil die CO₂-Konzentration in der Luft gering ist (etwa 420 ppm). Meerwasser enthält CO₂ in rund 150-fach höherer Konzentration. Das macht DOC energetisch attraktiver, setzt aber die Verfügbarkeit von Meeresküste voraus. Captura nennt Europa, Großbritannien und den Asien-Pazifik-Raum als bevorzugte Regionen für Folgeanlagen.

Das frische Kapital fließt nach Unternehmensangaben in drei Bereiche: den Aufbau von US-Fertigungskapazitäten für BMED-Stacks, die Auslieferung der bereits bestellten Lithiumextraktions-Module und die Vorbereitung kommerzieller DOC-Anlagen im Bereich von 30.000 bis 50.000 Tonnen CO₂ pro Jahr. Standorte dafür sind noch nicht öffentlich benannt. Die vorangegangene Series-B-Runde hatte Captura 21,5 Mio. US-Dollar eingebracht, an der sich bereits Maersk Growth, Eni Next und weitere Bestandsinvestoren beteiligt hatten.

Für den Markt für CO₂-Entnahme ist das Cpture Series B ein Signal, auch wenn die Zahlen vergleichsweise klein sind. DAC-Projekte wie Heirloom oder Climeworks bewegen sich in Finanzierungsrunden von mehreren hundert Millionen Dollar. Die 12,5 Mio. US-Dollar von Captura sind eher Seed-Kapital für den Fertigungsaufbau als Expansionsfinanzierung im industriellen Maßstab. Ob der Weg vom validierten Piloten zur 50.000-Tonnen-Anlage gelingt, hängt maßgeblich von den Kosten pro Tonne ab, die Captura öffentlich noch nicht nennt.

12,5 Mio. $

CAPTURA SERIES B-FINANZIERUNG

Angeführt von Equinor Ventures, Juni 2026. Vorangegangene Series-B-Runde: 21,5 Mio. $.

1.000 t CO₂/Jahr

PILOTANLAGE HAWAII

Einjährige Qualifizierung mit Equinor in Kona, abgeschlossen November 2025. 20 Leistungskennzahlen getestet.

30.000-50.000 t

GEPLANTE FOLGEANLAGE

CO₂-Entnahme pro Jahr. Design läuft, Standort in Europa, UK oder Asien-Pazifik noch offen.

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