ENERGIESPEICHER · 28. SEPTEMBER 2026
Ingrid CapacityIngrid Capacity gewinnt Mirova für zwei Speicher im Norden
Das Cleantech-Unternehmen Ingrid Capacity aus Stockholm erhält 65 Millionen Euro Eigenkapital von Mirova. Die Natixis-Tochter finanziert Speicher mit 290 Megawattstunden in Finnland und Schweden.
Ingrid Capacity ist nach eigenen Angaben der erste Partner für Batteriespeicher, mit dem Mirova in den nordischen Ländern zusammenarbeitet. Das Stockholmer Unternehmen entwickelt für den französischen Investor einen Speicher im finnischen Pedersöre und einen im schwedischen Vaggeryd. Es steuert den Bau, betreibt beide Anlagen und vermarktet ihre Leistung.
Mirova gehört zur französischen Bankengruppe Natixis und hat sich auf nachhaltige Investments spezialisiert. Das Projekt in Pedersöre an der finnischen Westküste ist baureif und kommt auf 45 Megawatt Leistung und 90 Megawattstunden Kapazität. Einen Abnahmevertrag gibt es bereits, den Vertragspartner nennen die Unternehmen nicht. In Vaggeryd in Småland soll ein Speicher mit 100 Megawatt und 200 Megawattstunden 2027 baureif sein. Der Standort liegt in der schwedischen Preiszone SE3, die von Stockholm bis Göteborg reicht.
Ingrid Capacity baut bisher vor allem viele mittelgroße Speicher im Verteilnetz. Seit Oktober 2024 betreibt das Unternehmen mit dem Investor BW ESS 14 Speicher in den Preiszonen SE3 und SE4, im Schnitt mit rund 15 Megawatt. Zusammen kommen sie auf 211 Megawatt und 211 Megawattstunden und halten ihre volle Leistung damit eine Stunde lang, Pedersöre und Vaggeryd zwei Stunden. Ingrid vermarktet seine Speicher am Strommarkt und verkauft Flexibilität zusätzlich an lokale Netzbetreiber. Diese kaufen Entlastung für die Spitzenstunden, statt sofort neue Leitungen zu bauen.
Wie Speicher im Verteilnetz Netzausbau aufschieben → Netzdienliche Speicher erklärt
In Göteborg bietet Ingrid seit dem Spätsommer 2025 gemeinsam mit Locus Energy einen Speicher mit 24 Megawatt im lokalen Flexibilitätsmarkt Effekthandel Väst an. Dort kauft der Netzbetreiber Göteborg Energi Nät Entlastung ein. Er bezahlt Anbieter, die in Spitzenstunden Verbrauch senken, Erzeugung erhöhen oder Speicher entladen. 2025 wuchs die verfügbare Flexibilität im Markt von 35 auf 70 Megawatt, auch durch Ingrids Einstieg. Unternehmen wie Ingrid und Locus entlasteten das Netz in kritischen Stunden, sagte Therese Ceasar vom Netzbetreiber. Deshalb könne der Netzbetreiber mehr neue Kunden anschließen.
Ende 2025 startete Ingrid in Varberg südlich von Göteborg ein Angebot zur Spitzenkappung für den Netzbetreiber Varbergortens Elnät. Der Speicher mit 20 Megawatt und 20 Megawattstunden gehört Ingrid und BW ESS gemeinsam. Er lädt, wenn das Netz wenig belastet ist, und gibt den Strom in den Lastspitzen wieder ab. So soll der Netzbetreiber mit weniger zusätzlicher Netzkapazität auskommen. Man wolle neuen Anschlussnehmern den Zugang zum lokalen Netz ermöglichen und zu stabilen Stromkosten in der Region beitragen, sagte Björn Fahlgren, Geschäftsführer von Varbergortens Elnät.
Das Modell mit vielen Speichern im Verteilnetz will Ingrid Capacity nach Deutschland bringen. Im November 2025 vereinbarte das Unternehmen mit dem brandenburgischen Wind- und Solarprojektierer Energiequelle 200 Megawatt Batteriespeicher, verteilt über Verteilnetze in Regionen mit hohem Flexibilitätsbedarf. Energiequelle entwickelt die Projekte, Ingrid finanziert, betreibt und optimiert sie. Die meisten sollten nach damaligem Plan 2026 baureif werden. Bis 2030 wolle Ingrid in Deutschland mehr als ein Gigawatt flexible Leistung optimieren, kündigte Firmenchef Axel Holmberg an.
In Deutschland schrieb Bayernwerk Netz 2024 einen netzdienlichen Speicher mit fünf Megawatt und 20 Megawattstunden in der Mittelspannung aus, der einen geplanten Netzausbau ersetzen soll. Bayernwerk bindet einen einzelnen Speicher, Göteborg Energi Nät kauft Flexibilität im Markt bei mehreren Anbietern ein. Das Cleantech-Unternehmen Terralayr bündelt dagegen Anlagen zu einer virtuellen Batterie und vermarktet sie am Strommarkt. Nach einer Modellrechnung des Fraunhofer IEE kann an Umspannwerken mit Speicher doppelt so viel Erzeugung hängen, wie der Transformator nominell leistet. Abgeregelt werden müsste dann im Mittel nur rund ein Prozent des zusätzlichen Solarstroms.
Ingrid Capacity wurde 2022 in Stockholm gegründet und steuert seine Speicher mit einer eigenen Handels- und Optimierungssoftware. Holmberg führt das Unternehmen seit Februar 2024, vorher arbeitete er beim Erneuerbaren-Entwickler Scatec und beim norwegischen Staatskonzern Statkraft. Von BW ESS kamen 2023 rund 90 Millionen Euro (rund eine Milliarde Kronen). Die Bank Nordea gab 2025 einen Kredit über rund 57 Millionen Euro (628 Millionen Kronen). Im Mai 2026 folgte eine eigene Anleihe über rund 36 Millionen Euro (400 Millionen Kronen).
65 Mio. €
EIGENKAPITAL VON MIROVA
für die Projekte Pedersöre und Vaggeryd
290 MWh
SPEICHERKAPAZITÄT
bei 145 MW Leistung in Finnland und Schweden
211 MW
IN BETRIEB
an 14 Standorten in Schweden, gemeinsam mit BW ESS