Wärmepumpe im Altbau: Der 55-Grad-Test verrät, ob es klappt

WÄRMEPUMPE · 3. OKTOBER 2026

Wann eine Wärmepumpe im Altbau wirklich effizient heizt

Ob eine Wärmepumpe im Altbau effizient heizt, hängt an der Vorlauftemperatur, nicht am Baujahr. Mit einem einfachen Test im Winter, einer sauberen Heizlastberechnung und oft wenigen neuen Heizkörpern erreichen Hausbesitzer gute Werte.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 10 Min. LESEN


Viele Hausbesitzer halten die Wärmepumpe im Altbau für ein Risiko und fürchten hohe Stromrechnungen, kalte Räume und eine teure Komplettsanierung als Vorbedingung. Forschende haben in echten, teils sehr alten Bestandsgebäuden allerdings etwas ganz anderes gemessen.

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat seit 2014 in zwei Feldtests Wärmepumpen in Häusern vermessen, das älteste davon Baujahr 1826. Die Forschenden fanden eine große Spanne zwischen sehr effizienten und eher schwachen Anlagen. Den Unterschied machten Planer und Installateure, vor allem über die Temperatur, mit der das Heizwasser durch die Heizkörper fließt.

Wer diese Temperatur kennt, kann die Eignung seines Hauses selbst grob einschätzen. Für den Rest sorgen Fachleute mit Heizlastberechnung, hydraulischem Abgleich und manchmal dem Tausch einzelner Heizkörper.

Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau überhaupt effizient?

Ja, im Mittel erreichen Wärmepumpen in Bestandsgebäuden gute Jahresarbeitszahlen, auch in Häusern ohne umfassende Sanierung. Das Fraunhofer ISE maß bei Luft-Wasser-Wärmepumpen im Schnitt gut drei Kilowattstunden Wärme pro Kilowattstunde Strom, bei Erdwärmepumpen mehr als vier.

Im Projekt „WPsmart im Bestand“ werteten die Forschenden von Ende 2014 bis Herbst 2019 insgesamt 41 Wärmepumpen in 15 bis 170 Jahre alten Häusern aus. Laut der Fraunhofer-Presseinformation vom 27. Juli 2020 kamen 29 Außenluft-Wärmepumpen auf eine mittlere Jahresarbeitszahl von 3,1. Die zwölf Erdreich-Wärmepumpen, die ihre Wärme aus dem Boden holen, erreichten im Mittel 4,1. Fraunhofer-Forscher Marek Miara fasste die Betriebserfahrung knapp zusammen: „Es gab kaum Betriebsstörungen.“

Das Folgeprojekt „WP-QS im Bestand“ führte 34 dieser Anlagen weiter und nahm 43 neue hinzu, in Gebäuden aus den Baujahren 1826 bis 2001. Nach vier Jahren Messung meldete das Fraunhofer ISE am 3. November 2025 für 61 Luft-Wasser-Wärmepumpen einen Mittelwert von 3,4 und für 16 Erdreich-Wärmepumpen von 4,3.

Jahresarbeitszahlen von Wärmepumpen in Bestandsgebäuden aus zwei Feldtests. Quelle: Fraunhofer ISE, Presseinformationen vom 27. Juli 2020 und 3. November 2025.
KennwertWPsmart im Bestand (2014 bis 2019)WP-QS im Bestand (Bericht 2025)
Ausgewertete Luft-Wasser-Wärmepumpen2961
Jahresarbeitszahl Luft-Wasser, Mittel3,13,4
Jahresarbeitszahl Luft-Wasser, Spanne2,5 bis 3,82,6 bis 4,9
Ausgewertete Erdreich-Wärmepumpen1216
Jahresarbeitszahl Erdreich, Mittel4,14,3
Jahresarbeitszahl Erdreich, Spanne3,3 bis 4,73,6 bis 5,4
Anteil Heizstab am Strom (Luft-Wasser)1,9 %1,3 %

Zwischen guten und schlechten Installationen liegen in beiden Projekten erstaunlich große Abstände. Bei einer Jahresarbeitszahl von 4,9 fließt für dieselbe Wärme nur gut halb so viel Strom wie bei 2,6. Welche Vor- und Nachteile der Wärmepumpe ein Haus am Ende spürt, hängt also stark vom Handwerk ab.

Wie finde ich heraus, ob mein Haus für eine Wärmepumpe geeignet ist?

Am einfachsten mit einem Praxistest an einem kalten Wintertag: Hausbesitzer begrenzen die Vorlauftemperatur der alten Heizung auf 55 Grad. Werden dann alle Räume warm, eignet sich das Haus grundsätzlich für eine Wärmepumpe.

Die Verbraucherzentrale nennt als Faustregel (Stand 25. März 2026) eine Vorlauftemperatur, die möglichst ganzjährig unter 55 Grad Celsius liegt. Je niedriger dieser Wert, desto weniger Strom fließt in den Verdichter. Höhere Temperaturen sind technisch möglich, kosten aber Effizienz und damit bei jeder Heizperiode bares Geld.

Energieberater Andreas Köhler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beschrieb den Test im September 2023 genauer. Alle Thermostatventile stehen dabei auf Stufe drei, damit das Ergebnis vergleichbar bleibt. Bleiben einzelne Räume kühl, sollten dort größere Heizkörper hin. Bleibt das ganze Haus zu kühl, lohnt zuerst eine bessere Dämmung.

Den Regler für die Vorlauftemperatur finden Hausbesitzer meist am Kessel oder in dessen Heizkurve. Wer unsicher ist, lässt den Test vom Heizungsbauer oder einer Energieberatung begleiten. Eine Planung ersetzt der Test nicht, doch Hausbesitzer erhalten eine ehrliche erste Antwort.

Braucht eine Wärmepumpe im Altbau eine Fußbodenheizung?

Nein, auch im Altbau kommt die Wärmepumpe in den meisten Fällen mit ausreichend großen Heizkörpern aus. Das Fraunhofer ISE hat gemessen, dass solche Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen auskommen wie Flächenheizungen.

Laut dem Schlussbericht zu „WP-QS im Bestand“ vom November 2025 heizen je etwa 25 Prozent der Messobjekte nur mit Heizkörpern oder nur mit Fußbodenheizung. Rund die Hälfte kombiniert beides. Schon im Vorgängerprojekt lagen die mittleren Vorlauftemperaturen der Außenluft-Wärmepumpen laut Fraunhofer bei knapp 44 Grad.

Viele Altbauten haben ohnehin großzügige Heizkörper, und Köhler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beobachtete, dass diese „überraschend oft überdimensioniert“ sind.

Wo ein Raum trotzdem zu kalt bleibt, reicht oft der Tausch eines einzelnen Heizkörpers. Größere Flachheizkörper oder Modelle mit kleinem Gebläse geben bei niedriger Wassertemperatur mehr Wärme ab. Das ist deutlich günstiger und schneller erledigt als ein nachträglicher Fußbodenaufbau mit neuem Estrich.

Muss ich mein Haus vor dem Einbau dämmen?

Nicht zwingend, denn eine Sanierung auf Neubaustandard ist für die Wärmepumpe keine Voraussetzung. Dämmung senkt den Wärmebedarf und verbessert die Effizienz, doch viele Häuser bestehen den 55-Grad-Test auch ohne neue Fassade.

Fraunhofer-Teamleiter Danny Günther zog aus dem Feldtest den Schluss, dass Wärmepumpen im Bestand effizient heizen, „ohne dass die Gebäude auf Neubaustandard saniert werden müssen“. Günther stützt sich dabei auf vier Jahre Messdaten von 77 Wärmepumpen.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt dennoch, vor dem Heizungstausch über Dämmung und Fenster nachzudenken. Dahinter steckt ein Dimensionierungsproblem: Wer erst nach dem Einbau dämmt, hat eine zu große Wärmepumpe im Keller. Sinnvoll ist eine Reihenfolge, bei der kleine Maßnahmen wie Dachbodendämmung oder neue Fensterdichtungen vor der Heizlastberechnung stehen.

Wer eine Komplettsanierung erst in Jahren plant, muss mit dem Heizungstausch daher nicht warten. Wer mit dem Tausch zögert, riskiert eher steigende Brennstoffkosten, die Cleanthinking in der Analyse zur Gasheizung als Kostenfalle beschrieben hat.

Warum sind Heizlastberechnung und hydraulischer Abgleich so wichtig?

Mit der Heizlastberechnung ermitteln Fachleute, wie groß die Wärmepumpe sein muss, mit dem hydraulischen Abgleich verteilen sie das Heizwasser richtig auf alle Räume. Wer auf beides verzichtet, verschenkt selbst mit einem guten Gerät viel Effizienz.

Fachleute berechnen die Heizlast raumweise nach der Norm DIN EN 12831. Daraus lesen sie ab, wie viel Wärme jeder Raum am kältesten Auslegungstag braucht. Anschließend leiten sie die passende Geräteleistung und die nötige Größe jedes Heizkörpers ab.

Beim hydraulischen Abgleich stellt der Installateur an jedem Heizkörper die richtige Wassermenge ein. Die Verbraucherzentrale beziffert die Kosten für ein Einfamilienhaus mit zehn Heizkörpern auf 750 bis 1.200 Euro (Stand 10. November 2025). Für das genauere Verfahren B mit raumweiser Berechnung kommen 400 bis 600 Euro hinzu.

Eigentümer von Gebäuden mit mindestens sechs Wohnungen müssen den Abgleich beim Heizungstausch laut Gebäudemodernisierungsgesetz durchführen lassen. Laut Verbraucherzentrale gilt dieses Gesetz seit dem 29. Juli 2026. Im Einfamilienhaus ist der Abgleich freiwillig, aber für eine niedrige Vorlauftemperatur fast unverzichtbar.

Welche Fehler kosten bei der Wärmepumpe im Altbau Effizienz?

Besonders teuer werden zwei Fehler: eine zu große Wärmepumpe und zu hoch eingestellte Vorlauftemperaturen. In beiden Fällen zahlen Bewohner mehr für Strom, ohne dass es im Haus wärmer wird.

Das Fraunhofer ISE stellte im Projekt „WP-QS im Bestand“ fest, dass viele Anlagen überdimensioniert waren. Laut Schlussbericht verfügte die Mehrheit bei minus sieben Grad Außentemperatur über eine deutliche Leistungsreserve. Manche dieser Geräte schalteten deshalb sehr häufig ein und aus und liefen dadurch im sogenannten Taktbetrieb. Immerhin kamen 90 Prozent der Anlagen auf weniger als 5.500 Starts pro Jahr.

Eine weitere Schwachstelle fanden die Forschenden bei Kombispeichern für Heizung und Warmwasser, denen teilweise eine zuverlässige Trennung der Temperaturniveaus fehlte. Warmes Trinkwasser mischte sich mit kühlerem Heizwasser, und für die Nachheizung floss unnötig viel Strom.

Typische Fehler im Überblick:

  • Geräteleistung pauschal geschätzt statt raumweise berechnet
  • Heizkurve ab Werk zu steil eingestellt und nie nachjustiert
  • Kein hydraulischer Abgleich, deshalb ein einzelner kalter Raum als Maßstab für das ganze Haus
  • Zu kleine Heizkörper in einzelnen Räumen nicht getauscht
  • Thermostate in einzelnen Räumen heruntergedreht, was die Vorlauftemperatur für den Rest nach oben zwingt

Wer nach dem ersten Winter die eigene Jahresarbeitszahl prüfen will, braucht einen Wärmemengenzähler und einen separaten Stromzähler. Manche Versorger bieten dafür einen eigenen Wärmepumpentarif mit zweitem Zähler an, der die Stromkosten zusätzlich senkt.

Was bedeutet die Wärmepumpe im Altbau für die Wärmewende?

Von Wärmepumpen in Bestandsgebäuden hängt das Tempo der Wärmewende ab, weil in Deutschland die meisten Menschen in Bestandsgebäuden wohnen. Das Fraunhofer ISE hat gemessen, dass Eigentümer solche Häuser ohne Totalsanierung klimafreundlich heizen können.

Das Fraunhofer ISE bezifferte im November 2025 die Einsparung an Treibhausgasen gegenüber einer Gas-Brennwertheizung auf 64 Prozent, berechnet mit dem dynamischen Strommix von 2024. Mit jedem zusätzlichen Windrad und Solarpark sinken die Emissionen des Stroms, und Besitzer bereits eingebauter Geräte heizen automatisch sauberer.

Der Bundestag hat am 10. Juli 2026 die Novelle des Heizungsgesetzes beschlossen und die 65-Prozent-Vorgabe gestrichen. Laut Verbraucherzentrale erfüllt eine elektrische Wärmepumpe die Vorgaben des neuen Gesetzes ohne weitere Auflagen. Seit dem 21. Juli 2026 zahlt die KfW im Programm 458 laut ADAC zwischen 30 und 80 Prozent von höchstens 28.000 Euro förderfähigen Kosten für die erste Wohneinheit. Den Höchstsatz erhalten nur Selbstnutzer mit niedrigem Einkommen, die eine alte fossile Heizung ersetzen (Stand September 2026).

Für Städte mit dichter Bebauung bleibt die Frage, ob ein Wärmenetz die bessere Lösung ist. Welche Straßen einen Anschluss bekommen, legen Städte in der kommunalen Wärmeplanung fest. Wer abwägt, findet im Vergleich Fernwärme oder Wärmepumpe die wichtigsten Kriterien. Welche Rolle der Strompreis für den Ausbau spielt, hat die Internationale Energieagentur für Deutschland untersucht.

QUELLEN

  1. Fraunhofer ISE: Wärmepumpen heizen auch im Altbau klimafreundlich, Forschungsprojekt des Fraunhofer ISE abgeschlossen, Presseinformation, 3. November 2025.
  2. Fraunhofer ISE: Abschlussbericht des Projekts WP-QS im Bestand, 2. Fassung, 25. November 2025.
  3. Fraunhofer ISE: Auch in Bestandsgebäuden funktionieren Wärmepumpen zuverlässig und sind klimafreundlich, Presseinformation, 27. Juli 2020.
  4. Fraunhofer ISE: WPsmart im Bestand, Projektseite, abgerufen am 26. September 2026.
  5. Verbraucherzentrale Bundesverband: Wärmepumpe im Eigenheim: Welche Voraussetzungen muss mein Haus erfüllen?, Stand 25. März 2026.
  6. Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: So funktioniert die Wärmepumpe im Altbau, Pressemeldung, 22. September 2023.
  7. Verbraucherzentrale Bundesverband: Hydraulischer Abgleich: So wird Ihre Heizung effizienter, Stand 10. November 2025.
  8. Verbraucherzentrale Bundesverband: GModG: Was steht im Gebäudemodernisierungsgesetz?, Stand 21. August 2026.
  9. Deutscher Bundestag: Bundestag beschließt Heizungsgesetz-Novelle, 10. Juli 2026.
  10. KfW: Heizungsförderung für Privatpersonen, Wohngebäude (458), Programmseite auf kfw.de, abgerufen am 26. September 2026.
  11. ADAC: KfW-Heizungsförderung: Was sich bei den Zuschüssen ab 21. Juli 2026 ändert, abgerufen am 26. September 2026.
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