KATASTROPHENSCHUTZ · 18. AUGUST 2026
Landkreis Potsdam-MittelmarkLöschroboter Waldbrand: Hilfe, wo niemand hin darf
Der Landkreis Potsdam-Mittelmark hat am 15. Juli 2026 in Beelitz-Heilstätten einen ferngesteuerten Löschroboter in Dienst gestellt. Der Hintergrund ist konkret: Rund ein Drittel der Brandenburger Waldfläche gilt als munitionsbelastet, dort darf keine Einsatzkraft zu Fuß löschen. Die Technik für solche Flächen gibt es längst. Sie muss nur dorthin kommen, wo sie gebraucht wird.
Beschafft wurde ein LUF Nano des österreichischen Herstellers LUF, ausgerüstet mit dem Löschmonitor SD 3000. Das Gerät wiegt rund 220 Kilogramm, fährt auf Raupenketten, transportiert bis zu 250 Kilogramm Zuladung und fährt etwa zehn Kilometer pro Stunde. Die Reichweite gibt der Landkreis mit rund 20 Kilometern an. Stationiert ist es bei der Feuerwehr Buchholz in Beelitz, alarmiert wird es über die Regionalleitstelle im gesamten Landkreis. Die Anschaffung kostete rund 200.000 Euro, das Land Brandenburg trug die Hälfte.
Neben Wald- und Vegetationsbränden ist der Roboter für Industrie- und Tiefgaragenbrände, Einsätze an Bahnanlagen sowie Gefahrgutlagen vorgesehen. Er kann Riegelstellungen aufbauen, Objekte kühlen und Dämpfe niederschlagen, immer aus der Distanz gesteuert und mit Kamera- und Erkundungstechnik ausgestattet. Damit übernimmt er genau die Aufgabe, die für Menschen in munitionsbelastetem Gelände zu gefährlich ist.
Wie Waldbrände überhaupt entstehen und warum Hitzeperioden das Risiko verschärfen, hat Cleanthinking bereits eingeordnet, ebenso die Frage, wie Feuerwetter als Prognosegröße funktioniert. Beelitz zeigt, was passiert, wenn die Vorwarnung nichts mehr nützt, weil der Boden selbst zur Gefahr wird.
Wenn der Waldboden selbst zur Gefahr wird
Nach Angaben der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe gelten in Brandenburg rund 575.000 Hektar Landesfläche als munitionsverdächtig. Davon entfallen etwa 300.000 Hektar auf Wald, bundesweit die höchste Belastung. Ursache ist die Geschichte des Landes als Truppenübungsplatz und Kriegsschauplatz, die Altmunition liegt bis heute im Boden.
Steigt die Hitze, kann sich diese Munition selbst entzünden. Für Einsatzkräfte bedeutet das: Sie dürfen die betroffenen Flächen im Brandfall gar nicht erst betreten. Das ist kein Ressourcenproblem, das sich mit zusätzlichem Personal lösen ließe, sondern eine harte physische Grenze.
„Bei Wald- und Flächenbränden auf munitionsbelasteten Arealen kann jede Annäherung lebensgefährlich sein. Der Löschroboter ermöglicht es, gefährliche Bereiche aus der Distanz zu erkunden, Brände zu bekämpfen und Objekte zu kühlen. Damit erweitern wir die Handlungsmöglichkeiten unserer Feuerwehren erheblich.", sagt Steven Koch, Vizelandrat des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Zur Anschaffung erklärt er weiter: „Wir investieren hier nicht in technische Spielerei, sondern unmittelbar in die Sicherheit unserer Einsatzkräfte."
Kreisbrandmeister Jens Heinze beschreibt die Einsatzlogik so: „Wir können das System vorausschicken, wenn ein Gefahrenbereich wegen Hitze, Munition, Einsturzgefahr oder gefährlicher Stoffe zunächst nicht betreten werden kann. Kameras und Sensoren liefern uns wichtige Informationen für die weitere Einsatzplanung." Bedient wird der Roboter ausschließlich von geschulten Kräften, betont er, denn „der Roboter ersetzt keine Einsatzkräfte, sondern schützt sie und erweitert ihre Möglichkeiten."
Nicht der erste Roboter im Land
Beelitz ist ein Präzedenzfall für Brandenburg, nicht für Deutschland. In Hessen betreibt die Feuerwehr Hanau bereits seit Oktober 2024 einen Löschroboter im Regelbetrieb, den Magirus Wolf R1. Dafür hat die Stadt eine eigene Einheit mit 14 ausgebildeten Kräften aufgebaut, die Einheit „Sonderfähigkeiten/Robotik".
Der Wolf R1 trägt einen Löschmonitor, der zwischen 500 und 2.500 Liter Wasser pro Minute fördert und bis zu 65 Meter weit wirft. Seinen ersten Realeinsatz hatte das Gerät bei einem Waldbrand am Rotenfels. Im Süden ist der Landkreis München mit zwei Robotern des Typs RTE Robot von Rosenbauer unterwegs, geliefert im März 2024, ein drittes Gerät kam im Juni 2024 hinzu. Stationiert sind sie in Heimstetten, Hohenbrunn und Gräfelfing.
| Standort | Gerät | Hersteller / Sitz | Im Dienst seit |
|---|---|---|---|
| Beelitz-Heilstätten (Potsdam-Mittelmark) | LUF Nano mit Löschmonitor SD 3000 | LUF, Österreich | 15. Juli 2026 |
| Hanau (Hessen) | Magirus Wolf R1 | Alpha Robotics Germany, Vechta / Vertrieb Magirus, Ulm | Oktober 2024 |
| Landkreis München | RTE Robot | Rosenbauer, Leonding (Österreich) | März 2024 |
Quelle: Landkreis Potsdam-Mittelmark, Feuerwehrmagazin, feuerwehr-hanau.de, Rosenbauer, eigene Zusammenstellung.
Woher die Technik kommt
Der Wolf R1 wird von Alpha Robotics Germany in Vechta, Niedersachsen, entwickelt und gebaut und über Magirus in Ulm vertrieben. Magirus gehört seit Anfang Januar 2025 nicht mehr zur italienischen Iveco Group, sondern zur Münchner Beteiligungsholding Mutares. Rosenbauer fertigt den RTE Robot im oberösterreichischen Leonding und hat davon mittlerweile über 100 Stück ausgeliefert, mehr als die Hälfte davon allein im Jahr 2024.
Gebaut wird diese Technik also in Vechta, in Leonding und bei LUF in Österreich. Wer sie einsetzen will, muss weder in Fernost bestellen noch erst eine Entwicklung beauftragen. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, vorhandene Geräte dorthin zu bringen, wo die Munitionsbelastung sie nötig macht, und die Einsatzkräfte darauf auszubilden. In Hanau hat das eine eigene Einheit mit 14 Leuten gebraucht.
Begleitet wird diese Entwicklung von Forschung: Das Deutsche Rettungsrobotik-Zentrum in Dortmund wurde am 6. Dezember 2018 mit Förderung des Bundesforschungsministeriums gegründet, das Fraunhofer FKIE ist beteiligt. Zu den bearbeiteten Szenarien zählen Brand, Einsturz und Verschüttung, Gefahrstoffdetektion und Überflutung, also ein breiteres Feld als nur Waldbrände.
Was die Technik nicht ersetzt
Ein Löschroboter löscht keinen Waldbrand allein. Er erkundet Bereiche, die sonst niemand betreten darf, liefert Bilddaten für die Einsatzleitung und kann punktuell kühlen oder Riegel ziehen. Die eigentliche Bekämpfung bleibt Sache der klassischen Feuerwehr, sobald der Bereich als sicher genug eingestuft ist.
Damit schließt sich ein Kreis, den Cleanthinking in den vergangenen Jahren immer wieder verfolgt hat. Sensornetze wie das von Dryad Networks zur Waldbrandfrüherkennung und satellitengestützte Systeme wie das von OroraTech mit Nano-Satelliten beantworten die Frage, wann und wo ein Feuer entsteht. Offen blieb bislang, wer eingreift, wenn Menschen den Ort nicht erreichen dürfen. Beelitz-Heilstätten liefert darauf eine erste, regionale Antwort.
Landesweit deckt ein einzelner Roboter naturgemäß nicht 300.000 Hektar ab. Dass das Land die Hälfte der Anschaffungskosten übernommen hat, senkt die Hürde für weitere Landkreise allerdings spürbar. Ob sie folgen, entscheidet jeder Kreis für sich, je nach eigener Munitionsbelastung und Haushaltslage. Die Beschaffungen in Hessen und Bayern zeigen, dass die Entscheidung auch ohne akute Munitionslage fallen kann.
QUELLEN
- Landkreis Potsdam-Mittelmark: Löschroboter schützt Einsatzkräfte bei Wald- und Flächenbränden, 15. Juli 2026.
- Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), Themenportal Wald: Altmunition und Waldbrände, eine explosive Herausforderung.
- Feuerwehrmagazin: Löschroboter Wolf ab sofort im Einsatz bei der Feuerwehr Hanau, Oktober 2024.
- Feuerwehr Hanau: Einheit Sonderfähigkeiten und Robotik.
- Feuerwehrmagazin: 100. Roboter von Rosenbauer ausgeliefert.
- Deutsches Rettungsrobotik-Zentrum, Dortmund: Gründungsdaten und Forschungsszenarien, gegründet 6. Dezember 2018.