FIRMEN-NEWS · 24. AUGUST 2026
Foto: Revo FoodsRevo Foods: Dritte Crowdinvesting-Kampagne kurz vor der Millionenmarke
Das Wiener Cleantech-Startup sammelt eine Million Euro ein, um vom Produkt- zum Technologieanbieter für 3D-gedrucktes Protein zu werden. Kurz vor Kampagnenende fehlt nur noch wenig bis zur vollen Summe.
Mit einer Million Euro frischem Kapital will Revo Foods aus Wien sein 3D-Drucksystem für Lebensmittel künftig nicht mehr nur für die eigene Produktion nutzen, sondern als Technologie an andere Hersteller verkaufen oder lizenzieren. Die dafür laufende dritte Crowdinvesting-Kampagne auf Fundernation hat die Fundingschwelle von 100.000 Euro längst hinter sich gelassen und steht kurz vor der vollen Summe: 106 Investoren haben bereits 867.780 Euro zugesagt, 29 Tage bleiben noch. Beteiligung ab 100 Euro.
Revo Foods stellt seit 2021 Fischalternativen aus fermentiertem Pilzprotein her, die per 3D-Druck zu strukturierten Filets verarbeitet werden. Mehr zur Technologie und zur Firmengeschichte hat Cleanthinking im Firmenporträt zu Revo Foods zusammengefasst. CEO David Petuzzi erklärte im Interview mit foodinnovationcamp.de, das Unternehmen betreibe eine der weltweit ersten industriellen Anlagen für 3D-Lebensmitteldruck in Wien.
In der eigenen Beschreibung zur Investmentkampagne nennt Revo Foods diese Anlage inzwischen beim Namen: „THE TASTE FACTORY“ sei nach Unternehmensangaben aktuell die weltweit größte industrielle Produktionsstätte für 3D-gedruckte Lebensmittel. Die beiden Angaben beziehen sich auf unterschiedliche Zeitpunkte, beide stammen vom Unternehmen selbst: 2023 brachte Revo Foods nach eigener Darstellung als erstes Unternehmen weltweit ein 3D-gedrucktes Lebensmittel in den Handel, die Einordnung als aktuell größte Anlage ist eine spätere, separate Angabe. Die Produkte sind mittlerweile in mehr als 1.000 Verkaufsstellen in Europa gelistet, darunter Rewe, Edeka, Billa, Spar und Tegut.
Der technische Unterschied zur klassischen Extrusion liegt im Verfahren selbst: Revo Foods nennt seine softwaregesteuerte Technik in eigenen Angaben 3D-Extrusion, die Portionierung, Füllung, Formgebung und Texturierung in einem automatisierten Schritt kombiniert, und bezeichnet sie als teilweise patentierte Technologie (Multi-Nozzle- bzw. Multi-Düsen-Systeme).
„3D Extrusion erlaubt es uns, die Lebensmittelproduktion völlig neu zu denken und die individuellen Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt der Technologie zu stellen", sagt Robin Simsa, der Revo Foods 2021 gegründet hat und laut Unternehmensangabe heute als Commercial Director firmiert.
Anders als beim klassischen Extrudieren kommen dabei laut CEO Petuzzi kein hoher Druck und keine hohe Temperatur zum Einsatz, was mehr Nährstoffe erhält und ein Mundgefühl ermöglicht, das der pflanzlichen Konkurrenz aus Extrudern bislang schwerfällt. Ähnliche Drucktechnik nutzt auch das israelische Unternehmen Steakholder Foods, allerdings für zellkultiviertes statt pflanzliches Protein, wie Cleanthinking bereits in einem Beitrag zur Technologie eingeordnet hat.
Mit der Kampagne verschiebt Revo Foods sein Geschäftsmodell. Bislang war das Unternehmen fünf Jahre lang mit dem Aufbau und der Skalierung der eigenen Produktion beschäftigt. Jetzt soll die Drucktechnik selbst zum Produkt werden: Lebensmittelproduzenten sollen die Maschinen kaufen oder lizenzieren, um eigene Produkte damit herzustellen. Der Vorteil gegenüber klassischen Produktionslinien liegt laut Petuzzi in der Flexibilität, weil sich Rezepturen per Software-Anpassung ändern lassen statt über wochenlange Umrüstungen.
Als Hintergrund für den Bedarf an neuen Proteinlösungen nennt Revo Foods eine oft zitierte Größenordnung: Das globale Ernährungssystem gilt gemeinhin als Verursacher von rund einem Drittel der weltweiten CO2-Emissionen, eine Zahl, die nicht auf Revo Foods selbst zurückgeht, sondern als bekannter Referenzwert kursiert.
Das würde auch Kleinserien und personalisierte Lebensmittel wirtschaftlich machen, die auf konventionellen Linien bislang zu teuer sind. Ein Maschinendesign für Verkauf und Lizenzierung befindet sich laut Unternehmen bereits in der Testphase, inklusive CE-Zertifizierung. Der Aufbau des Technologiegeschäfts soll ab Herbst 2026 beginnen, der eigentliche Markteintritt ist für 2027 geplant.
Zahlen zur bisherigen Entwicklung untermauern die Ambition: Seit 2023 wurden nach Unternehmensangaben mehr als 1 Million Einheiten verkauft, der Umsatz wuchs von 2024 auf 2025 um 110 Prozent. Die zuletzt abgeschlossene Finanzierungsrunde erhöhte laut Revo Foods die Produktionskapazität von 25.000 auf 60.000 Einheiten pro Monat. Profitabel ist das rund 24 Mitarbeitende zählende Unternehmen nach eigener Stückkostenrechnung ab etwa 150.000 verkauften Einheiten pro Monat, was einem Monatsumsatz von rund 300.000 Euro entspräche. Bis dahin soll auch das zusätzliche Kapital aus der laufenden Kampagne beitragen.
Dass die Crowd dem Wiener Unternehmen zum dritten Mal Kapital anvertraut, ist für einen Sektor bemerkenswert, der sich nach Petuzzis eigenen Worten langsamer entwickelt als noch vor einigen Jahren erwartet. Die Konditionen der aktuellen Runde: Laufzeit bis Ende Mai 2031, das Unternehmen stellt eine Rendite von 41 bis 43 Prozent pro Jahr in Aussicht, bei einer Bewertung von 8 Millionen Euro. In Aussicht gestellt heißt dabei ausdrücklich nicht garantiert, ein Investment kann bis zum Totalverlust führen, worauf Petuzzi selbst offen hinweist. Details zu Konditionen und Laufzeit finden Interessierte direkt bei Fundernation.
867.780 €
BEREITS INVESTIERT
von 106 Investoren, Fundingmaximum 1 Mio. Euro (Stand 23. August 2026)
1.000+
VERKAUFSSTELLEN
in Europa, u.a. Rewe, Edeka, Billa, Spar, Tegut
+110 %
UMSATZWACHSTUM
von 2024 auf 2025
25.000 → 60.000
PRODUKTIONSKAPAZITÄT/MONAT
Einheiten, nach jüngster Finanzierungsrunde
QUELLEN
- foodinnovationcamp.de: Revo Foods: Proteinalternativen aus dem 3D-Drucker, 10.08.2026.
- Fundernation: Revo Foods 3 Investmentkampagne, Unternehmensangaben und Kampagnenstand vom 23.08.2026.