Elektroauto ist beim Fahren ein Drittel günstiger als Benziner

AUTO · MOBILITÄT · 8. SEPTEMBER 2026

Elektroauto ist laut neuer Studie beim Fahren ein Drittel günstiger als Benziner

Im Betrieb ist das Elektroauto günstiger als Benziner. In der EU liegt der Unterschied zwischen den Antriebsarten bei rund 33 Prozent. Das zeigt der neue EV Transition Check des International Council on Clean Transportation. Bei LKW nähern sich Elektro und Diesel bei den Gesamtkosten an: In Deutschland ist die Parität teilweise schon erreicht.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. Lesezeit LESEN


Das International Council on Clean Transportation (ICCT), eine unabhängige Forschungsorganisation für Verkehrspolitik, hat Anfang September 2026 die zweite Ausgabe seines Berichts „EV Transition Check" vorgelegt. Verfasst haben ihn Marie Rajon Bernard und Alexander Plummer. Ein batterieelektrisches Auto kostete demnach 2025 in der EU rund 33 Prozent weniger Energie pro Kilometer als ein vergleichbarer Benziner. Selbst wer ausschließlich an öffentlichen Ladesäulen lädt, fahre noch 5 Prozent günstiger.

Die Zahlen stammen aus der Zeit vor der Ölpreiskrise 2026. Seit Ende Februar hat der Konflikt rund um die Straße von Hormus im Nahen Osten Benzin und Diesel verteuert, was den Abstand nach Einschätzung des ICCT weiter vergrößert hat. Für Elektroautos rechnen die Experten bis 2035 mit stabilen oder sinkenden Energiekosten, für Verbrenner und Plug-in-Hybride mit steigenden. Der bisherige Elektroauto-Bestand spare der EU jährlich rund 4,5 Milliarden Euro an fossilen Kraftstoffimporten.

In Deutschland zeigt sich die Reaktion auf die Spritpreise auch am Gebrauchtwagenmarkt. Der Anteil batterieelektrischer Autos an den Besitzumschreibungen stieg von 3,6 Prozent im Jahr 2025 auf 5,6 Prozent im ersten Halbjahr 2026, mit einem sichtbaren Anstieg ab Ende Februar. Grundlage sind Daten des Kraftfahrt-Bundesamts.

Elektroauto günstiger als Benziner, Elektro-LKW nahe der Kostenparität

Bei Nutzfahrzeugen verschiebt sich das Kostenbild ebenfalls. Die Gesamtbetriebskosten, also die Summe aus Anschaffung, Energie, Wartung und Wertverlust über die Nutzungsdauer, nähern sich bei Elektro-LKW und Diesel-LKW einander an. Bei regionalen LKW und im Fernverkehr sei die Parität in Deutschland teilweise bereits erreicht, heißt es im Bericht.

Bei schweren LKW über zwölf Tonnen lag der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge an den Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2026 EU-weit bei 2,3 Prozent, fast doppelt so hoch wie im ersten Quartal 2025. Mittelschwere LKW und Transporter zwischen 3,5 und 12 Tonnen kamen auf 21,2 Prozent, Busse und Reisebusse auf 28,4 Prozent. Deutschland zählt neben den Niederlanden, Frankreich und Schweden zu den Ländern mit den meisten verkauften E-LKW (mehr dazu: Wie ein Sägewerk im Westerwald seine Lkw-Flotte umstellt).

Deutschland liegt bei Neuzulassungen im Mittelfeld

Im ersten Halbjahr 2026 lag der Anteil batterieelektrischer Autos an den Pkw-Neuzulassungen in der EU bei 22 Prozent, in Deutschland bei 26 Prozent. Norwegen kam auf 98 Prozent, Dänemark auf 80, Schweden auf 42 und die Niederlande auf 37 Prozent. Spanien erreichte 10 Prozent, Italien 8 Prozent.

Balkendiagramm: Anteil batterieelektrischer Autos an den Pkw-Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2026 nach Ländern, Deutschland mit 26 Prozent hervorgehoben
Deutschland liegt beim E-Auto-Anteil an den Neuzulassungen im Mittelfeld Europas. Grafik: Cleanthinking.de, Daten: ICCT, EV Transition Check 2026.

Beim Tempo liegt die EU im weltweiten Vergleich nicht vorn. In Vietnam erreichten batterieelektrische Neuwagen im ersten Halbjahr 2026 einen Anteil von 47 Prozent, in Thailand 36 Prozent, in China 35 Prozent. Wie sich der Weltmarkt insgesamt entwickelt, zeigt die Cleanthinking-Übersicht zur Elektromobilität 2026.

Preise fallen, Modellauswahl und EU-Produktion wachsen

In Deutschland sind die Preise für Elektroautos zwischen 2020 und 2025 real um rund 18 Prozent gefallen, Verbrenner wurden im selben Zeitraum real 2 Prozent teurer. Die Zahlen stammen aus einer ICCT-Auswertung, über die Cleanthinking im Juli berichtet hat. Treiber ist der Batteriepreis, der weltweit in fünf Jahren um rund 35 Prozent gesunken ist.

Die Zahl verfügbarer Elektroauto-Modelle in Deutschland vervierfachte sich zwischen 2020 und 2025 auf 159, die Zahl der Verbrenner-Modelle sank von 275 auf 194. EU-weit gibt es inzwischen 35 Elektroautos unter 30.000 Euro. In der Mittelklasse, der oberen Mittelklasse und der Luxusklasse kosten Elektroautos beim Kauf im Schnitt nicht mehr als vergleichbare Verbrenner.

In der Produktion zeigt sich derselbe Trend. Der Anteil batterieelektrischer Autos an der EU-Fahrzeugproduktion stieg von 1 Prozent im Jahr 2019 auf 19 Prozent im Jahr 2025. Die Gesamtproduktion sank im selben Zeitraum von rund 14,5 auf rund 11 Millionen Fahrzeuge.

Gestapeltes Balkendiagramm: Pkw-Produktion in der EU nach Antriebsart 2019 bis 2025, Anteil batterieelektrischer Autos von 1 auf 19 Prozent
Jedes fünfte Auto aus EU-Produktion ist inzwischen elektrisch. Grafik: Cleanthinking.de, Daten: ICCT, EV Transition Check 2026.

Die CO2-Flottenziele für Nutzfahrzeuge, minus 15 Prozent bis 2025, hatten die Hersteller im Schnitt bereits 2024 erreicht. Auch bei Pkw sieht das ICCT die Hersteller auf Kurs zu ihren Zielen, vor allem wegen des gestiegenen Elektroanteils.

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