Fervo holt in Utah Strom aus trockenem Gestein

GEOTHERMIE · 30. SEPTEMBER 2026

Fervo liefert ersten Strom aus Geothermie-Kraftwerk in Utah

Das Cleantech-Unternehmen Fervo Energy speist Strom aus dem ersten von drei 33-Megawatt-Blöcken der Cape Station ein. Abnehmer ist ab Oktober der kalifornische Stromanbieter Shell Energy.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 3 MIN LESEN


Das Cleantech-Unternehmen Fervo Energy aus Houston betreibt in Utah das weltweit erste Geothermie-Kraftwerk der nächsten Generation, das Strom im Kraftwerksmaßstab verkauft. So ordnet das US-Fachmedium Canary Media die Cape Station ein. Fervo gewinnt die Wärme dort aus heißem, trockenem Gestein, in dem von Natur aus kein Wasser zirkuliert.

Am 24. September floss Strom aus dem ersten Block der Anlage im Beaver County ins Netz. Bis zum 1. Oktober läuft der Block im Testbetrieb, danach im kommerziellen Betrieb, in dem Fervo den Strom unter dem Liefervertrag mit Shell Energy abrechnet. Zwei weitere Blöcke sollen bis zum 1. Januar 2027 folgen. Zusammen leisten die drei Blöcke der Phase I rund 100 Megawatt.

Herkömmliche Geothermiekraftwerke zapfen heißes Wasser oder Dampf an, das in durchlässigem Gestein von Natur aus vorkommt. „Klassische Geothermie hätte es im Süden Utahs nie gegeben”, sagte Dawn Owens, die bei Fervo Projektentwicklung und Vertrieb leitet, gegenüber Canary Media. Das Unternehmen bohrt deshalb mit Horizontalbohr- und Frack-Techniken aus der Öl- und Gasindustrie in dichtes Tiefengestein. Dort erzeugt es künstlich ein Netz aus Rissen, durch das Wasser zirkuliert, sich erhitzt und die Wärme an die Oberfläche bringt.

In Deutschland heißt dieses Prinzip petrothermale Geothermie, international Enhanced Geothermal System, kurz EGS. Fervo hat es zuerst in Nevada erprobt: Die Pilotanlage Project Red ging Ende 2023 mit 3,5 Megawatt ans Netz. Im zweiten Quartal 2026 erreichte das Unternehmen mit dem Bohrloch „Sawtooth 7” nach 21 Tagen rund 5.900 Meter Tiefe, Fervo spricht von einem Bohrrekord. Das Gestein hat dort rund 238 Grad Celsius.

Die gesamte Cape Station kostet rund 1,76 Milliarden Euro (2 Milliarden Dollar). Für Phase I nennt Fervo gegenüber Canary Media Investitionskosten von rund 6.150 Euro (7.000 Dollar) je Kilowatt. In Phase II sollen es nur noch rund 4.830 Euro (5.500 Dollar) sein. Ein neues Gaskraftwerk kostete in den USA 2025 laut BloombergNEF im Schnitt rund 1.900 Euro (2.157 Dollar) je Kilowatt. Beim Gaskraftwerk kommen allerdings dauerhaft Brennstoffkosten hinzu.

An Phase II mit weiteren 400 Megawatt baut Fervo bereits, die Inbetriebnahme plant das Unternehmen für 2028. Den Ausbau stützt ein Stromliefervertrag über 396 Megawatt, den Google am 1. September unterschrieben hat. Das Geothermie-Kraftwerk in Utah käme damit auf 500 Megawatt. Für die Cape Station hat Fervo nach eigenen Angaben bereits Abnahmeverträge über rund 900 Megawatt geschlossen, die Konditionen legt das Unternehmen nicht offen. Weitere Abnehmer an der Cape Station sind laut Medienberichten Southern California Edison und die Clean Power Alliance mit 18 Megawatt.

In den USA stammen laut Canary Media bislang rund 0,4 Prozent des Stroms aus Geothermie. Forschende der Princeton University haben gemeinsam mit Fervo-Mitarbeitern in der Fachzeitschrift Nature Energy durchgerechnet, welche Rolle EGS im Stromsystem spielen kann. Demnach können Betreiber das Reservoir als Speicher nutzen und den Strom gezielt einspeisen, etwa abends, wenn der Solarstrom wegfällt. Das senke die Kosten des gesamten Stromsystems. Owens nennt einen zweiten Weg: Fervo könne Rechenzentren direkt hinter dem Zähler versorgen, damit die Kosten des Netzausbaus nicht bei Haushaltskunden landen.

In Deutschland speist das kanadische Cleantech-Unternehmen Eavor seit Dezember 2025 in Geretsried bei München Strom ins Netz, allerdings mit einem geschlossenen Kreislauf ohne Fracking. Stadtwerke nutzen Tiefengeothermie hierzulande vor allem für Fernwärme, Strom aus Erdwärme bleibt eine Nische. Seit 2026 gilt das Geothermie-Beschleunigungsgesetz, bis 2030 peilt der Bund 10 Terawattstunden Erdwärme an.

Seit Mitte Mai 2026 ist Fervo an der Nasdaq notiert, der Börsengang brachte brutto rund 1,66 Milliarden Euro (1,89 Milliarden Dollar). Im zweiten Quartal setzte das Unternehmen rund 97.000 Euro (110.000 Dollar) um und verbuchte einen Nettoverlust von rund 49 Millionen Euro (55,9 Millionen Dollar). Für 2027 erwartet Fervo einen Umsatz von rund 53 bis 70 Millionen Euro (60 bis 80 Millionen Dollar). Den Anlauf bremsen nach Unternehmensangaben Engpässe beim Netzanschluss.

33 MW

ERSTER BLOCK

am Netz seit Ende September, Phase I umfasst drei Blöcke

500 MW

AUSBAUZIEL 2028

Cape Station nach Phase II, gestützt auf Liefervertrag mit Google

1,76 Mrd. €

PROJEKTKOSTEN

2 Mrd. Dollar für die gesamte Cape Station

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