Hausbesitzer heizen mit Pellets aus den Resten der Sägewerke

HEIZEN MIT HOLZ NACH DEM GMODG · 4. OKTOBER 2026

Was Hausbesitzer für eine Pelletheizung zahlen und wann sie sich lohnt

Beim Heizungstausch dürfen Eigentümer nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz eine Pelletheizung einbauen, ohne eine Bio-Quote erfüllen zu müssen. Der Bund zahlt 30 bis 80 Prozent Zuschuss, doch Holzpellets kosteten im September 2026 gut ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 10 Min. LESEN


Holzpellets sind gepresste Späne aus Sägewerken, sechs Millimeter dick und ein bis vier Zentimeter lang. Nach Angaben der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe liefern zwei Kilogramm davon so viel Energie wie ein Liter Heizöl. Ein Tankwagen bläst die Pellets ins Lager, von dort gelangen sie automatisch zum Kessel. Wer von Öl auf eine Pelletheizung umsteigt, behält deshalb vieles, was er kennt: einen Kessel im Keller, ein Brennstofflager und die jährliche Lieferung per Lkw.

Laut Heizspiegel 2026 zahlten Bewohner eines durchschnittlichen Einfamilienhauses mit 130 Quadratmetern im Abrechnungsjahr 2025 mit Pellets 1.415 Euro. Mit einer Wärmepumpe waren es 1.260 Euro, mit Erdgas 2.040 Euro.

Hinter dem Preis steht ein begrenzter Rohstoff. Pelletwerke verarbeiten vor allem Reste aus Sägewerken, und der Wald in Deutschland gibt seit 2017 mehr Kohlenstoff ab, als er aufnimmt. Wer eine Pelletheizung plant, entscheidet deshalb über Brennstoffkosten, Luftqualität und Waldschutz zugleich.

Wie funktioniert eine Pelletheizung vom Lager bis zum Kessel

In einer Pelletheizung verbrennen Holzpellets automatisch in einem Kessel, die Wärme fließt in Heizkreise und Warmwasserspeicher. Die Pellets lagern in einem Kellerraum, einem Silo oder einem Erdtank im Garten und gelangen per Förderschnecke oder Saugleitung zum Kessel.

Für eine Schnecke muss das Lager direkt an den Heizraum grenzen, über einen Schrägboden rutschen die Pellets zu ihr hinab. Mit einem Saugsystem darf das Lager laut FNR bis zu 25 Meter entfernt liegen, auch auf einer anderen Etage. Am Kessel gelangen die Pellets über eine Dosierschnecke und eine Rückbrandsicherung in den Brennraum.

Die Kesselwirkungsgrade moderner Pelletkessel liegen nach FNR-Angaben meist deutlich über 90 Prozent. Die Asche macht weniger als ein Prozent des Brennstoffs aus, ein Einfamilienhaus kommt auf unter 20 Kilogramm im Jahr. Die Verbraucherzentrale rät, das trockene Lager so zu belüften, dass sich kein Kohlenmonoxid anreichert.

Welche Pflichten haben Eigentümer einer Pelletheizung nach dem GModG

Eigentümer, die eine Pelletheizung einbauen, erfüllen damit die Vorgaben für den Heizungstausch, denn § 42 GModG nennt Biomasseheizungen als eine von zehn Optionen. Pflichtanteile für Biomethan, Bioöl oder Wasserstoff ab 2029, die sogenannte Bio-Treppe, gelten nur für neue Gas-, Öl- und Flüssiggasheizungen.

Der Bundestag beschloss das Gesetz am 10. Juli 2026, die Regeln zum Heizungstausch gelten seit dem 29. Juli 2026. Die frühere Vorgabe von 65 Prozent erneuerbarer Energie ist entfallen, wie das Infoportal des BBSR zusammenfasst. Neue Gasheizungen brauchen ab 2029 mindestens zehn Prozent Biobrennstoffe oder Wasserstoff, ab 2040 dann 60 Prozent (mehr dazu: Was für Gasheizungen gilt).

Wer feste Biomasse nutzt, muss laut § 45 GModG zwei Bedingungen einhalten. Die Wärme muss aus einem Biomassekessel oder einem Ofen mit Wasser als Wärmeträger kommen. Erlaubt sind nur Brennstoffe aus der Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen, darunter Pellets aus naturbelassenem Holz. Ein luftgeführter Pelletofen, der nur den Aufstellraum wärmt, erfüllt diese Vorgabe nicht.

Eine Pflicht zu Pufferspeicher oder Solarthermie enthält das GModG für die Pelletheizung nicht. Nach der 1. BImSchV brauchen Betreiber automatisch beschickter Kessel aber einen Wasser-Wärmespeicher mit mindestens 20 Litern je Kilowatt Nennwärmeleistung. Ausgenommen sind Anlagen, die die Grenzwerte auch bei kleinster einstellbarer Leistung einhalten.

Kombinieren Eigentümer einen Pelletkessel mit einer Gas- oder Ölheizung, gilt die Bio-Treppe laut § 45 Absatz 2 durch die Pellets als erfüllt. Für reine Gas- und Ölkessel hält co2online bis 2045 mehr als doppelt so hohe Heizkosten für möglich (mehr dazu: Ölheizung als Kostenfalle).

Was zahlen Haushalte für Holzpellets und Wärme aus der Pelletheizung

Eine Tonne Holzpellets kostete im September 2026 bundesweit im Schnitt 454,21 Euro bei einer Abnahme von sechs Tonnen. Das sind knapp 36 Prozent mehr als im September 2025, als der Preis bei 335,04 Euro lag.

Die Zahlen stammen aus dem Pelletpreis des Deutschen Pelletinstituts, einer Tochter des Branchenverbands DEPV. Das Institut erhebt monatlich den Durchschnittspreis für lose gelieferte Pellets der Qualität ENplus A1, inklusive Mehrwertsteuer und Lieferung im Umkreis von 50 Kilometern. Umgerechnet nennt das DEPI 9,1 Cent je Kilowattstunde.

Im Juni 2026 lag der Preis mit 376,77 Euro am niedrigsten. Nach Angaben des Verbands schneiden Sägewerke wegen der schwachen Nachfrage nach Schnittholz deutlich weniger Holz ein. „Dadurch fehlen die Restholzmengen für die Pelletproduktion“, sagt DEPV-Geschäftsführer Martin Bentele. Auf Pellets fällt nur der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent an, ein CO2-Preis wie bei Heizöl und Erdgas kommt nicht hinzu.

Für den Heizspiegel wertet die Beratungsgesellschaft co2online zehntausende Abrechnungen aus.

HeizsystemHeizkosten 2025Prognose 2026Veränderung 2026
Wärmepumpe1.260 Euro1.300 Euro+3 %
Holzpellets1.415 Euro1.740 Euro+23 %
Erdgas2.040 Euro1.930 Euro-5 %
Fernwärme2.040 Euro2.055 Euro+1 %
Heizöl2.145 Euro2.745 Euro+28 %

Quelle: co2online, Heizspiegel 2026, veröffentlicht im September 2026. Durchschnittliches Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern, Werte für 2026 als Prognose.

Haushalte mit Pelletheizung zahlten 2025 damit 24 Prozent mehr als im Vorjahr, aber gut 600 Euro weniger als Gaskunden.

Wie viel Förderung gibt es für eine Pelletheizung

Der Bund bezuschusst eine neue Pelletheizung mit 30 Prozent der förderfähigen Kosten, wie die KfW ausweist, Stand September 2026. Mit Boni liegt der Deckel grundsätzlich bei 70 Prozent. Selbstnutzende Eigentümer mit einem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen bis 30.000 Euro erhalten bis zu 80 Prozent, mit minderjährigem Kind unter bestimmten Bedingungen bis 40.000 Euro.

Die Fördersätze stehen in der Förderrichtlinie für Einzelmaßnahmen des Bundeswirtschaftsministeriums, zuletzt in der Fassung vom 17. August 2026, veröffentlicht am 27. August. KfW und BAFA wickeln die Förderung ab. Förderfähig sind höchstens 28.000 Euro für die erste Wohneinheit, das ist die Bemessungsgrundlage, nicht der Zuschuss. Ab Februar 2027 sinkt diese Grenze halbjährlich um 750 Euro, bis sie ab August 2030 bei 22.000 Euro liegt.

Wer eine funktionierende Öl-, Kohle-, Gasetagen- oder Nachtspeicherheizung ersetzt, bekommt bis Ende Januar 2027 einen Klimageschwindigkeits-Bonus von 16 Prozentpunkten. Das gilt auch für Gas- und Biomasseheizungen, die mindestens 20 Jahre alt sind. Danach sinkt der Bonus halbjährlich um vier Punkte und entfällt ab August 2028. Eine neue Biomasseheizung muss dafür nicht mehr mit Solarthermie, solarer Warmwasserbereitung oder einer Wärmepumpe kombiniert sein. Einen Einkommensbonus von 40, 30 oder zehn Prozentpunkten erhalten Selbstnutzer mit einem zu versteuernden Haushaltseinkommen bis 30.000, 40.000 oder 50.000 Euro.

Ein Rechenbeispiel: Kostet der Einbau 28.000 Euro, zahlt der Bund bei Grundförderung 8.400 Euro. Mit Klimageschwindigkeits-Bonus sind es 46 Prozent, also 12.880 Euro. Die Obergrenze von 70 Prozent entspricht 19.600 Euro.

Gefördert werden nur Anlagen aus der Wärmeerzeugerliste des BAFA. Bei einer Pelletheizung mit Kessel setzt das Ministerium einen Pufferspeicher von mindestens 30 Litern je Kilowatt voraus. Für Pelletkessel begrenzt es den Staub auf zehn Milligramm je Kubikmeter, ab 1. Oktober 2027 auf 2,5 Milligramm. Für wasserführende Pelletöfen gelten derzeit 15 Milligramm. Luftgeführte Pelletöfen fördert der Bund nicht, und die versorgten Wohnungen müssen zu mindestens 65 Prozent erneuerbar beheizt werden.

Wie viel Feinstaub entsteht beim Heizen mit Pellets

Beim Heizen mit Pellets entsteht deutlich weniger Feinstaub als in älteren Kaminöfen, aber weit mehr als bei Gas oder Öl. Für eine Pelletheizung, die nach 2014 errichtet wurde, liegt der Grenzwert der 1. BImSchV bei 20 Milligramm Staub je Kubikmeter Abgas.

Für Kohlenmonoxid gelten 400 Milligramm je Kubikmeter. Schornsteinfeger*innen messen die Werte jedes zweite Kalenderjahr. Die Förderrichtlinie setzt mit zehn und später 2,5 Milligramm strengere Staubwerte.

Holzfeuerungen in Haushalten und Gewerbe verursachten 2024 nach Daten des Umweltbundesamts 14.200 Tonnen Feinstaub der Fraktion PM2,5. Das sind rund 92 Prozent der 15.400 Tonnen aus allen Kleinfeuerungsanlagen. Alle Gasheizungen zusammen kamen auf 35 Tonnen, alle Ölheizungen auf 380 Tonnen. Als Hauptproblem sieht das UBA ältere Einzelraumfeuerungen wie Kaminöfen, die bei gleichem Energieeinsatz ein Vielfaches mehr ausstoßen als moderne Kessel.

Grundsätzlich rät das Umweltbundesamt von Holzheizungen ab, aus Gründen des Gesundheits- und des Klimaschutzes. Damit sich die Feinstaubwerte den Empfehlungen der WHO annähern, müssten die PM2,5-Emissionen aus Holzfeuerungen laut UBA mindestens um die Hälfte sinken.

Reicht das Holz in Deutschland für mehr Pelletheizungen

Der Rohstoff für Pellets ist begrenzt, denn Pelletwerke verarbeiten vor allem Sägereste, deren Menge von der Nachfrage nach Schnittholz abhängt. Zugleich gibt der Wald in Deutschland seit 2017 mehr Kohlenstoff ab, als er aufnimmt, und das Umweltbundesamt warnt vor einem starken Ausbau der Holzverbrennung.

Laut FNR sind die meisten Pelletwerke einem Sägewerk angegliedert und nutzen dessen Späne. Fehlen Späne, weichen die Hersteller auf Waldrestholz und andere Sortimente aus. Solange Pellets aus Sägeresten entstehen, verbrennen Hausbesitzer mit Pelletheizung ein Nebenprodukt der Holzindustrie.

Nach der vierten Bundeswaldinventur ist der Wald vor allem durch den Verlust lebender Bäume in der Klimakrise zur Kohlenstoffquelle geworden. Der Kohlenstoffvorrat der lebenden Biomasse sank von 2017 bis 2022 um 41,5 Millionen Tonnen, das sind drei Prozent (mehr dazu: Wälder als CO2-Senke).

Das UBA empfiehlt eine Nutzungskaskade: Holz zuerst in langlebige Produkte wie Möbel und Dachbalken, erst am Ende ins Feuer. Auch das Bundeswirtschaftsministerium verweist in der Förderrichtlinie auf die Kaskadennutzung. Zudem beobachten BAFA, KfW, UBA und das Deutsche Biomasseforschungszentrum die Förderung von Biomasseheizungen vierteljährlich.

Für welche Häuser eignet sich eine Pelletheizung besser als eine Wärmepumpe

Eine Pelletheizung kommt vor allem für schwer dämmbare Altbauten ohne geplantes Wärmenetz und mit freiem Lagerraum infrage, etwa dem früheren Öltank-Keller. Im Durchschnitt heizten Eigentümer 2025 laut Heizspiegel mit einer Wärmepumpe günstiger, und vor ihrer Tür entsteht dabei kein Feinstaub.

Das Fraunhofer ISE hat vier Jahre lang 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern im Bestand vermessen und die Ergebnisse Ende 2025 veröffentlicht. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen lag die Jahresarbeitszahl im Schnitt bei 3,4, aus einer Kilowattstunde Strom wurden also 3,4 Kilowattstunden Wärme. Einen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz fanden die Forschenden nicht (mehr dazu: Wärmepumpe: Vorteile und Nachteile).

Als Zwischenlösung steht in § 42 GModG auch die Wärmepumpen-Hybridheizung mit Biomassefeuerung. Eigentümer decken damit die Grundlast mit Umweltwärme und nur die kalten Tage mit Pellets. Das Umweltbundesamt nennt solche hybriden Systeme als Weg, Emissionen weiter zu senken. Plant die Gemeinde ein Wärmenetz, kommt auch der Anschluss in Betracht (mehr dazu: Fernwärme oder Wärmepumpe).

Die Verbraucherzentrale erinnert daran, dass eine neue Heizung meist eine Entscheidung für die nächsten 20 Jahre ist. Wer eine Pelletheizung einbaut, bindet sich für diese Zeit an den Holzmarkt. Dessen Preise folgen laut DEPI nicht dem Öl- und Gaspreis, hängen aber am Einschnitt der Sägewerke.

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