Gaspreis 2027: Warum Hausbesitzer jetzt entscheiden sollten

GASPREIS · 24. OKTOBER 2026

Gaspreis 2027: Warum Hausbesitzer mit Gasheizung noch dieses Jahr umsteigen sollten

Die günstigen Gastarife für Neukunden kosten knapp 14 Cent pro Kilowattstunde, rund die Hälfte mehr als im ersten Quartal 2026. Bestandskunden zahlen voraussichtlich ab Januar mehr, ab 2028 kommt der europäische CO₂-Markt hinzu. Entscheiden Sie noch in diesem Jahr.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 7 Min. LESEN


„Wir erwarten zum Jahreswechsel flächendeckende Preiserhöhungen“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte des Vergleichsportals Verivox, der Berliner Zeitung. Je nach Tarif rechnet Verivox mit zehn bis 20 Prozent mehr. (mehr dazu: Strom und Gas werden 2027 teurer) Ein Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlt derzeit im Schnitt 12,7 Cent pro Kilowattstunde, rund 2.540 Euro im Jahr. Steigt der Gaspreis 2027 um zehn Prozent, kommen rund 250 Euro dazu, bei 20 Prozent gut 500 Euro.

Die Erhöhung zum Jahreswechsel ist die erste von zwei Stufen. Die zweite folgt 2028, wenn sich der CO₂-Preis für Heizgas an einem europäischen Markt bildet. Bis dahin bleibt Zeit, den Ausstieg aus dem Gas zu planen.

Versorger kaufen teuer nach und heben den Gaspreis 2027 an

Hinter der Erhöhung steht vor allem der Einkauf im Großhandel. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar steigen dort die Preise, von rund 30 Euro pro Megawattstunde auf bis zu 66 Euro im Sommer. Anfang Oktober lag der europäische Referenzpreis TTF bei rund 76 Euro. Versorger, die ihr Gas früh eingekauft hatten, müssen für 2027 zu diesen Preisen nachkaufen.

Neukunden spüren das bereits. Finanztip bildet sein Gaspreis-Barometer aus dem Mittelwert der drei günstigsten empfohlenen Tarife bei 15.000 Kilowattstunden Verbrauch. Am 20. Oktober lag dieser Wert bei 13,96 Cent pro Kilowattstunde, im ersten Quartal bei gut neun Cent.

Auch die Netzbetreiber erhöhen 2027 ihre Entgelte, bundesweit um rund drei Prozent. Das Netz macht etwa ein Fünftel des Gaspreises aus. Für den Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden sind das rund 19 Euro mehr im Jahr.

Der Bundestag hält den CO₂-Preis nur noch 2027 im Korridor

Die zweite Stufe hängt am CO₂-Preis, den Sie mit jeder Kilowattstunde Erdgas mitbezahlen. Der Bundestag hat am 15. Oktober beschlossen, ihn 2027 wie schon 2026 in einem Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne zu halten. Der Bundesrat muss sich mit dem Gesetz noch befassen.

2027 wird damit zum Übergangsjahr. Ab 2028 startet der EU-Emissionshandel für Gebäude und Verkehr, kurz ETS2. Dann gilt für Heizgas ein europäischer Marktpreis, dessen Höhe heute noch offen ist (mehr dazu: Explodierende Heizkosten ab 2028? Das müssen Sie über den ETS2 wissen). Wer mit Gas heizt, gewinnt mit dem Korridor ein Jahr, mehr nicht.

Für Sie als Hausbesitzer stellt sich deshalb weniger die Frage, ob Gas teurer wird. Entscheidend ist, wie viele Winter Sie noch damit heizen.

Mit der Wärmepumpe lösen Sie Ihre Heizkosten vom Gaspreis

Eine Wärmepumpe holt Wärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser und braucht dafür Strom. Ihre Heizkosten hängen dann am Strompreis, der Gaseinkauf Ihres Versorgers und der CO₂-Preis für Heizgas spielen keine Rolle mehr (mehr dazu: Wärmepumpe: Vorteile und Nachteile).

Wärmepumpe und Wallbox gelten nach Paragraf 14a Energiewirtschaftsgesetz als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Ihr Netzbetreiber darf ihre Leistung vorübergehend drosseln, wenn das örtliche Netz überlastet zu werden droht. Im Gegenzug zahlen Sie für diesen Strom ein reduziertes Netzentgelt.

Mit einer Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach decken Sie einen Teil des Wärmepumpenstroms selbst und kaufen entsprechend weniger zu (mehr dazu: Zero Bills im Altbau). Liegt Ihr Haus in einem Gebiet, in dem Ihre Kommune ein Wärmenetz plant, lohnt der Vergleich mit dem Fernwärmeanschluss (mehr dazu: Fernwärme oder Wärmepumpe).

Dazu kommt die Förderung, und die wird ab Februar knapper. Die KfW zahlt für den Heizungstausch derzeit 30 Prozent Grundförderung. Wer selbst im Haus wohnt und eine mindestens 20 Jahre alte Gasheizung ersetzt, bekommt 16 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus dazu, Haushalte mit niedrigem Einkommen zusätzlich einen Einkommensbonus. Gefördert werden Kosten bis 28.000 Euro für die erste Wohneinheit.

Ab dem 1. Februar 2027 sinkt der Klimageschwindigkeitsbonus auf 12 Prozent, die förderfähigen Kosten sinken um 750 Euro. Für das erste Quartal 2027 hat die KfW zudem einen Umbau angekündigt: Die Grundförderung soll auf 15 Prozent fallen, nur in der EU gefertigte Geräte bekommen 15 Prozent zurück.

Was das bedeutet, zeigt eine einfache Rechnung: Bei 28.000 Euro förderfähigen Kosten und 46 Prozent Förderung erhalten Sie heute 12.880 Euro. Bei einem Antrag ab Februar sind es mit 42 Prozent auf 27.250 Euro noch 11.445 Euro, rund 1.400 Euro weniger.

So kommen Sie bis zum Jahresende zur Entscheidung

Entscheiden Sie noch 2026, ob Sie aus dem Gas aussteigen. Holen Sie dafür Angebote von mehreren Fachbetrieben ein. Eine kostenlose Erstberatung bietet zum Beispiel tink.energy an (Anzeige: Bei einer Anfrage über diesen Link erhält Cleanthinking eine Provision, für Sie ändert sich nichts). Ein belastbares Angebot beruht auf einer Heizlastberechnung, also der Rechnung, wie viel Wärme Ihr Haus an den kältesten Tagen braucht.

Wichtig ist die Reihenfolge. Zuerst unterschreiben Sie beim Fachbetrieb einen Vertrag mit einer aufschiebenden oder auflösenden Bedingung, die den Auftrag an die Förderzusage knüpft. Danach stellen Sie den Antrag bei der KfW. Ein Vertrag ohne diese Klausel gilt als Vorhabenbeginn, dann entfällt die Förderung. Wer den Antrag bis Ende Januar stellt, sichert sich die heutigen Sätze.

Den Winter nutzen Sie für die Planung, bei einer Luftwärmepumpe etwa für den Standort des Außengeräts und den Stromanschluss. Eingebaut wird, sobald Ihr Installateur einen Termin frei hat. Wer so vorgeht, heizt in der nächsten Heizperiode nicht mehr mit Gas.

Am Gaspreis 2027 ändern Sie nichts mehr. Wie viele Winter Sie noch Gas bezahlen, entscheiden Sie selbst.

Häufige Fragen zum Gaspreis 2027

Wie stark steigt der Gaspreis 2027?

Verivox erwartet für Bestandskunden zum Jahreswechsel Erhöhungen von zehn bis 20 Prozent, je nach Tarif. Bei 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch sind das rund 250 bis gut 500 Euro mehr. Die Gasnetzentgelte steigen bundesweit um rund drei Prozent.

Was passiert ab 2028 mit dem CO₂-Preis?

Für 2027 hat der Bundestag einen Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne beschlossen, der Bundesrat muss sich noch damit befassen. Ab 2028 startet der EU-Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (ETS2). Dann gilt für Heizgas ein europäischer Marktpreis, dessen Höhe noch offen ist.

Lohnt sich der Umstieg auf die Wärmepumpe jetzt?

Mit einer Wärmepumpe hängen Ihre Heizkosten am Strompreis, Gaseinkauf und CO₂-Preis für Heizgas fallen weg. Als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach Paragraf 14a Energiewirtschaftsgesetz bekommt sie ein reduziertes Netzentgelt, Solarstrom vom eigenen Dach senkt den Zukauf. Was sich für Ihr Haus rechnet, zeigt ein Angebot auf Basis einer Heizlastberechnung.

Bis wann sollte ich mich entscheiden?

Am besten noch 2026. Holen Sie Angebote ein, schließen Sie einen Vertrag mit Förderklausel und stellen Sie den KfW-Antrag bis Ende Januar 2027. Ab Februar sinkt die Förderung. Eingebaut wird, sobald der Installateur Zeit hat.

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