Deutschland zahlt dank Elektroautos 660 Millionen Euro weniger für Öl

SECHS MONATE HORMUS-KRISE · 25. OKTOBER 2026

Deutschland spart mit Elektroautos 660 Millionen Euro für Öl

In den ersten sechs Monaten der Hormus-Krise haben E-Auto-Flotten in ölimportierenden Ländern 200 Millionen Barrel Rohöl verdrängt. Das zeigt eine Auswertung der Denkfabrik Ember. Den größten Einzelposten in der EU verbucht die Bundesrepublik.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. LESEN


Rund 760 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 660 Millionen Euro, musste Deutschland zwischen März und August weniger für Rohöl ausgeben. So viel Öl hätten die Verbrenner verbraucht, die Elektroautos auf deutschen Straßen ersetzen. Frankreich spart mit Elektroautos rund 480 Millionen Euro, die EU-Staaten zusammen etwa 2,7 Milliarden Euro. Die Zahlen stammen aus einer Analyse der Londoner Denkfabrik Ember von Mitte Oktober.

Ember rechnet in Dollar. Die Analysten bewerten das verdrängte Öl jedes Monats mit dem Durchschnittspreis der Nordseesorte Brent im selben Monat und addieren die sechs Monate. Die Euro-Werte in diesem Text beruhen auf dem durchschnittlichen Referenzkurs der Europäischen Zentralbank von März bis August.

Der Zeitraum beginnt mit dem Angriff der USA und Israels auf Iran Ende Februar. Seitdem blockiert die iranische Marine die Straße von Hormus weitgehend, durch die vor dem Krieg ein Fünftel der weltweiten Ölexporte lief. Brent schloss 2026 laut Ember schon mehr als 60-mal über 100 Dollar je Barrel, zuletzt wieder über Wochen im September. Ab dieser Marke kippt die Kostenrechnung zugunsten von E-Auto und Wärmepumpe (mehr dazu: 100-Dollar-Öl als Kipppunkt).

China verdrängt drei Viertel des Öls

Weltweit summiert sich die Ersparnis der Importländer auf 20 Milliarden Dollar, rund 17,3 Milliarden Euro. Allein China kommt auf 14 Milliarden Dollar, etwa 12,1 Milliarden Euro. Reine Batterieautos tragen 16,5 Milliarden Dollar bei, den Rest liefern Plug-in-Hybride. Deren Fahrer greifen im Alltag häufiger zum Verbrennungsmotor, als die Hersteller angeben. Chinas elektrische Zwei- und Dreiräder und Lkw verdrängen weiteres Öl, die Ember-Rechnung erfasst nur Pkw.

Großbritannien spart mit Elektroautos rund 790 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 680 Millionen Euro, und liegt damit knapp vor Deutschland. Gemessen am eigenen Verbrauch führt Dänemark in Europa. Die dänische E-Auto-Flotte verdrängt nach Stand August 6,4 Millionen Barrel im Jahr, das sind 13 Prozent des Ölverbrauchs von 2025.

„Jedes Elektroauto auf der Straße senkt das Risiko schwankender Ölmärkte“, sagt Ember-Analyst Euan Graham. Mit jeder wachsenden Flotte wachse auch der Schutz vor künftigen Lieferschocks. Länder, die schon vor der Krise auf Elektroautos gesetzt hätten, seien heute besser geschützt.

49 von 56 Ländern melden Rekordanteile bei Batterieautos

Die Ersparnis dürfte weiter wachsen, weil die Flotten wachsen. Von Januar bis August stiegen die weltweiten Verkäufe reiner Batterieautos um elf Prozent, ihr Anteil an den Neuwagen kletterte von 16 auf 18 Prozent. Die Verkäufe von Verbrennern fielen um sechs Prozent, die von Plug-in-Hybriden um zwölf Prozent. In 49 der 56 Länder, die Ember beobachtet, erreichten Batterieautos 2026 einen Rekordanteil.

In Indien, Chile, Australien und Neuseeland zogen die Verkäufe nach der Schließung der Meerenge im März deutlich an. Die Käufer dort spürten die steigenden Spritpreise besonders stark, schreibt Ember. Norwegen kommt bei Neuwagen auf einen Batterieauto-Anteil von 98 Prozent. Dänemark, Schweden, Finnland, die Niederlande und Belgien liegen jeweils über einem Drittel.

Deutschland hebt Ember wegen des kräftigen Absatzwachstums hervor. Die Bundesregierung fördert private Elektroautos mit bis zu 6.000 Euro. Die USA fallen dagegen zurück: Dort liegt der Anteil reiner Batterieautos nach dem Ende der Bundesförderung bei sechs Prozent.

Für Autofahrer zählt der Preis an der Zapfsäule. Diesel und Benzin haben sich in der Krise stärker verteuert als Rohöl. In der EU treffe die Schließung der Meerenge Benzinfahrer fünfmal stärker als Fahrer eines typischen Batterieautos, schreibt Ember unter Verweis auf eine Untersuchung.

Gemessen an der fossilen Rechnung bleibt die Ersparnis klein. Mehr als 100 Milliarden Euro hat die EU seit Kriegsbeginn laut Energiekommissar Dan Jørgensen zusätzlich für Öl und Gas ausgegeben. Den größeren Hebel hält das Elektroauto noch zurück: Mit bidirektionalem Laden speist die Batterie Strom zurück ins Haus oder ins Netz. Dieser Vorteil liegt weitgehend brach, weil Regulierung und Energiewirtschaft ihn bisher kaum ermöglichen.

QUELLEN

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  1. Europäische Zentralbank: Euro-Referenzkurse US-Dollar, Durchschnitt März bis August 2026.
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