Finnland genehmigt Onkalo, Deutschland legt eine neue Endlager-Karte vor

NACH FINNLANDS GENEHMIGUNG FÜR ONKALO · 24. OKTOBER 2026

Bund grenzt die Suche nach einem Atommüll-Endlager weiter ein

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung legt am Dienstag ihren letzten Arbeitsstand vor dem Standortvorschlag 2027 vor. Umweltminister Carsten Schneider will die Suche nach einem Atommüll-Endlager um zwei Jahrzehnte verkürzen. Greenpeace kritisiert das gerade genehmigte finnische Modell.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. LESEN


Ab 14 Uhr zeigt die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) am 27. Oktober eine interaktive Deutschlandkarte. Darauf ist zu sehen, welche Gebiete im Verfahren bleiben und wie die BGE jede einzelne Fläche eingestuft hat. Graue, unbewertete Flecken soll es nicht mehr geben. Bislang kommt noch rund ein Viertel des Bundesgebiets für das Endlager infrage.

Ende 2027 will die BGE dann ihren Vorschlag für die Standortregionen vorlegen, von denen nur noch eine Handvoll übrig bleiben soll. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) prüft diesen Vorschlag und organisiert die Beteiligung der Öffentlichkeit. Die Regionen werden anschließend über Tage erkundet, die letzte Entscheidung trifft der Bundestag. Noch am Dienstagabend lädt die BGE zu einer digitalen Informationsveranstaltung, am 13. und 14. November folgt das fünfte Forum Endlagersuche in Erfurt.

Gesucht wird ein Ort für rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiven Atommüll aus mehr als 60 Jahren Atomkraft. Seit dem Atomausstieg im April 2023 wächst diese Menge nicht mehr. Der Müll lagert in 16 oberirdischen Zwischenlagern, die meisten davon an früheren Kraftwerksstandorten wie Gundremmingen. Als Wirtsgestein für das Endlager kommen Steinsalz, Tongestein und Kristallingestein wie Granit infrage.

Schneider will den Standort schon 2050 festlegen

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), in dessen Ressort auch die nukleare Sicherheit fällt, will das Verfahren beschleunigen. Der Standort solle spätestens 2050 feststehen, sagte er im Sommer. Nach dem bisherigen Zeitplan würde die Suche bis 2074 dauern.

Erreichen will Schneider das mit Horizontalbohrungen. Sie lieferten nach seinen Worten dieselben Erkenntnisse wie große Erkundungsbergwerke und sparten mehr als 20 Jahre. Dafür muss das Standortauswahlgesetz geändert werden. Den Gesetzentwurf soll das Kabinett bis Ende des Jahres beschließen.

Der BUND sieht das skeptisch. Der Umweltverband bewertet das Auswahlverfahren zwar als grundsätzlich positiv, hält aber nicht für belegt, dass Bohrungen von über Tage gleichwertige Daten liefern wie ein Erkundungsbergwerk. „Dieser Zeitdruck ist ein Trugschluss“, sagt BUND-Experte Jan Warode der Sächsischen Zeitung. Bei Beschleunigungsdebatten werde erfahrungsgemäß zuerst bei der Bürgerbeteiligung gekürzt.

Finnland lagert seinen Atommüll in Kupferbehältern ein

Die finnische Regierung hat am Freitag als erste weltweit den Betrieb eines Endlagers für abgebrannte Brennelemente genehmigt. Das Lager Onkalo liegt auf der Insel Olkiluoto im Westen des Landes, neben dem gleichnamigen Kernkraftwerk. Die Betreiberfirma Posiva hatte die Baugenehmigung 2015 erhalten. Zustimmen muss noch die Strahlenschutzbehörde STUK nach einer Inspektion, einen Termin für die erste Einlagerung nennt Posiva bislang nicht.

In rund 400 Metern Tiefe sollen höchstens 6.500 Tonnen Uran lagern. Die Brennelemente stecken in einem Einsatz aus Gusseisen, den eine fünf Zentimeter dicke Kupferhülle umgibt. Posiva senkt die Behälter in Bohrlöcher im Gestein ab und umhüllt sie mit Bentonit, einem quellfähigen Ton. Spätestens nach 100 Jahren soll das Lager verschlossen werden.

Kupferhülle und Gusseiseneinsatz eines Endlagerbehälters des finnischen Betreibers Posiva
Kupferhülle und Gusseiseneinsatz eines finnischen Endlagerbehälters. QUELLE: POSIVA

Finnland und Deutschland verteilen die Sicherheit auf unterschiedliche Barrieren. In Onkalo tragen Kupferhülle und Bentonit einen großen Teil des Schutzes, weil Kristallingestein zu Klüften und Rissen neigt. Das deutsche Standortauswahlgesetz verlangt grundsätzlich einen einschlusswirksamen Gebirgsbereich, also eine Gesteinsschicht, die den Müll selbst dicht einschließt. Nur für Kristallingestein lässt es ausnahmsweise ein Konzept zu, das wesentlich auf technischen Barrieren beruht. Dann müssen die Behälter den Einschluss für eine Million Jahre gewährleisten.

Greenpeace sieht im finnischen Atommüll-Endlager kein Vorbild

Greenpeace hält das finnische Konzept für ungeeignet als Vorbild für die deutsche Suche nach einem Atommüll-Endlager. Das Lager arbeite mit massiven Kupferbehältern, teilte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital mit. Für eine einzige Kernladung des Reaktors Olkiluoto 3 würden fast 1.000 Tonnen Kupfer benötigt. Versagten diese Behälter irgendwann in der Zukunft, drohe radioaktiv verschmutztes Grundwasser.

Außer Finnland gehe nur Schweden diesen nach Smitals Worten unwirtschaftlichen Weg. Alle anderen Staaten setzten wie Deutschland auf geologische Barrieren im Wirtsgestein, was die Suche verlängere, aber mehr Sicherheit biete. „Atommüll muss eine Million Jahre sicher eingeschlossen bleiben“, sagt Smital.

Daraus ergebe sich eine Aufgabe über Hunderte Generationen, die sogenannte nukleare Semiotik. Sie befasst sich mit der Frage, wie sich Menschen in ferner Zukunft warnen lassen. Smital zufolge müssen sie verstehen, dass das hochreine Kupfer kein Bodenschatz ist, sondern die Verpackung einer fast ewig währenden Gefahr.

QUELLEN

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  1. Greenpeace: Greenpeace zur Betriebsgenehmigung für finnisches Atommüll-Endlager, Pressemitteilung, 23.10.2026.
  2. Sächsische Zeitung: Die unendliche Geschichte, 24.10.2026.
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