Der Bund streicht den Effizienzbonus für Erdwärmepumpen

KOSTEN, BOHRUNG, GENEHMIGUNG · 24. OKTOBER 2026

Wer eine Erdwärmepumpe plant, beginnt bei der Wasserbehörde

Fraunhofer ISE hat im Altbau bei der Erdwärmepumpe die besten Jahresarbeitszahlen gemessen. Wer eine baut, braucht Sonde, Kollektor oder Brunnen, eine Anzeige bei der Wasserbehörde und ab 100 Metern Bohrtiefe das Bergrecht. Seit Juli 2026 fördert der Bund sie wie jede Wärmepumpe.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 10 Min. LESEN


Die Wärme für eine Erdwärmepumpe stammt aus einem Speicher, der das ganze Jahr über ähnlich warm bleibt. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) beziffert die Temperatur an der Erdoberfläche in Mitteleuropa auf sieben bis zwölf Grad. Pro 100 Meter Tiefe kommen rund drei Grad hinzu. Im Winter liegt zwischen Wärmequelle und Heizwasser deshalb ein kleinerer Abstand als bei einem Gerät, das kalte Außenluft ansaugt. Den Kältekreis teilen alle Bauarten (mehr dazu: Wie funktioniert eine Wärmepumpe).

In der Förderstatistik ist die Bauart trotzdem selten geworden. In BAFA-Förderfällen mit genau einer Wärmepumpe sank der Anteil der Sole-Wasser-Geräte von 72 Prozent im Jahr 2017 auf sieben Prozent im Jahr 2023. Das zeigt eine Kostenanalyse von ifeu, FIW und Fraunhofer ISE für das Bundeswirtschaftsministerium. Wer eine Erdwärmepumpe plant, klärt drei Fragen, die bei der Luftwärmepumpe entfallen: wie die Wärmequelle erschlossen wird, was die Bohrung kostet und welche Behörde zustimmt.

Wie sich Erdwärme mit Sonde, Kollektor oder Brunnen erschließen lässt

Zwischen Erdreich und Erdwärmepumpe zirkuliert Sole, ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel. Die Erdwärmesonde besteht aus Kunststoffrohren in einem senkrechten Bohrloch, typischerweise 40 bis 100 Meter tief. Pro Meter Sonde lassen sich dem Untergrund laut LfU etwa 20 bis 60 Watt entziehen, je nach Gestein und Wasserführung. Die Verbraucherzentrale rechnet als grobe Orientierung mit rund 20 Bohrmetern pro Kilowatt Heizleistung.

Für eine Erdwärmepumpe mit Flächenkollektor braucht es kein Bohrgerät. Die Rohre liegen 1,20 bis 1,50 Meter tief, rund 30 Zentimeter unter der örtlichen Frostgrenze. Als Richtwert nennt das LfU eine Kollektorfläche vom Doppelten der beheizten Wohnfläche. Die Fläche darüber bleibt unversiegelt, im Garten wachsen dort nur flach wurzelnde Pflanzen.

Von der Erdwärmepumpe unterscheidet sich die Grundwasser-Wärmepumpe: In ihr fließt keine Sole. Ein Förderbrunnen pumpt Grundwasser zum Wärmetauscher, ein Schluckbrunnen leitet es abgekühlt in denselben Grundwasserleiter zurück. Beim Ein- und Zweifamilienhaus hält das LfU Brunnentiefen bis 30 Meter für wirtschaftlich. Vorab klärt ein Gutachten oder eine Probebohrung, ob genug Wasser in geeigneter Qualität vorhanden ist.

WärmequelleTypische TiefePlatzbedarfInvestition Wärmequelle (Stand 2013)
Flächenkollektor1,20 bis 1,50 metwa doppelte Wohnfläche250 bis 350 € pro kW
Erdwärmesonde40 bis 100 m3 m zur Grenze, 6 bis 10 m zwischen Sonden550 bis 850 € pro kW
Grundwasserbrunnenbis 30 m wirtschaftlichzwei Brunnen, 10 bis 15 m Abstand3.000 bis 9.000 € für beide Brunnen

Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt, UmweltWissen „Oberflächennahe Geothermie“, 2013. Kosten Stand 2013, heutige Preise liegen höher.

Bei der Auslegung warnt die Verbraucherzentrale vor Sparsamkeit. Ist die Sonde einer Erdwärmepumpe zu kurz oder der Kollektor zu klein, kühlt das Erdreich immer stärker aus, Leistung und Effizienz sinken. Eine spätere Erweiterung kostet deutlich mehr als eine von Anfang an richtig bemessene Wärmequelle. Auch PVT-Module, die Strom und Wärme zugleich liefern, kommen als Wärmequelle für den Solekreis infrage (mehr dazu: PVT-Module mit Wärmepumpe).

Wie viel Wärme aus einer Kilowattstunde Strom im Altbau wird

Die Jahresarbeitszahl gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme eine Anlage im Jahr pro Kilowattstunde Strom liefert. Das Fraunhofer ISE hat vier Jahre lang 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern im Bestand vermessen. Die 16 Erdwärmepumpen im Feldtest kamen im Mittel auf eine Jahresarbeitszahl von 4,3, die Spanne reichte von 3,6 bis 5,4. Die 61 Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten im Schnitt 3,4, berichtete das Institut im November 2025.

Einen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz fanden die Forschenden nicht. Ausreichend große Heizkörper ließen sich im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen betreiben wie Flächenheizungen. Damit entkräftet das Fraunhofer ISE den Einwand, Wärmepumpen taugten nur für den Neubau (mehr dazu: 19 Wärmepumpen-Mythen). Bei gleichem Wärmebedarf senkt eine höhere Jahresarbeitszahl den Stromverbrauch (mehr dazu: Wärmepumpe: Vor- und Nachteile).

Auch größere Altbauten lassen sich mit einer Erdwärmepumpe versorgen. Eine Eigentümergemeinschaft in Berlin-Schöneberg ließ 2020 sechs Sonden mit je 99 Metern Tiefe in ihren engen Innenhof bohren. Das Haus von 1890 hat 25 Wohneinheiten, dazu läuft weiter ein Gas-Brennwertkessel. Weil ein Eigentümer selbst plante, kostete die Umrüstung samt Bohrung und neuem Hof laut Umweltbundesamt insgesamt 97.400 Euro. Laut den online erfassten Betriebsdaten liegt die Arbeitszahl bei 3,8.

Was eine Erdwärmepumpe mit Bohrung kostet

Für die ifeu-Analyse haben die Forschenden über 299.000 BAFA-Förderfälle der Jahre 2017 bis 2023 ausgewertet. In der Bundesförderung für effiziente Gebäude stiegen die mittleren Gesamtkosten einer Erdwärmepumpe mit der Leistung. In der kleinsten Leistungsklasse lagen sie bei rund 23.000 Euro, bei 25 bis 30 Kilowatt bei rund 71.000 Euro.

Die Bohrung steckt in diesen Zahlen nur teilweise. In den genauer geprüften Einzelrechnungen fehlten die Kosten für Sonden oder Kollektoren meist. Laut Studie kann das daran liegen, dass beim Gerätetausch die vorhandene Bohrung weiter genutzt wird. Ohne Wärmequelle nennt die Studie für Erdwärmepumpen mit zehn bis 15 Kilowatt mittlere Kosten von 28.500 Euro im Jahr 2023. Zwischen 2019 und 2020 maßen die Forschenden in dieser Klasse einen Kostensprung um 165 Prozent.

Wie groß der Abstand zur Luftwärmepumpe ist, lässt sich an Zahlen aus Schweden in der ifeu-Analyse ablesen. Der schwedische Wärmepumpenverband ermittelte für 2023 rund 17.500 Euro für eine Erdwärmepumpe mit Sonde und rund 12.500 Euro für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Anlagen mit Flachkollektor lagen seit 2017 konstant rund 1.500 Euro unter denen mit Sonde.

Welche Behörde über eine Erdwärmebohrung entscheidet

Den Rahmen setzt der Bund im Wasserhaushaltsgesetz. Wer Arbeiten plant, die das Grundwasser beeinflussen können, muss sie nach § 49 WHG einen Monat vor Beginn der zuständigen Behörde anzeigen. Gelangen dabei Stoffe ins Grundwasser, ist eine Erlaubnis nötig, wenn sich das nachteilig auswirken kann. Für Kollektoren bis vier Meter Tiefe außerhalb von Wasserschutzgebieten gilt die gesetzliche Vermutung, dass sie keine nachteiligen Folgen haben. Die Länder dürfen abweichende Regeln treffen.

Der Geologische Dienst NRW rät, zuerst bei der Unteren Wasserbehörde des Kreises oder der kreisfreien Stadt anzufragen. In den Trinkwasserschutzzonen I und II sind Erdwärmesonden und -brunnen in NRW generell unzulässig. In weiteren Schutzzonen hängt die Genehmigung von Geologie und Wasserwirtschaft ab. Für Anlagen, die das Grundwasser erreichen, verlangt NRW immer eine wasserrechtliche Erlaubnis.

Bei mehr als 100 Metern Bohrtiefe gilt auch das Bundesberggesetz. Nach § 127 BBergG zeigt das Bohrunternehmen Beginn und Ende der Arbeiten mindestens zwei Wochen vorher an. Bei Erdwärmebohrungen bis 400 Meter muss die Bergbehörde die Unterlagen binnen vier Wochen prüfen, Stand Oktober 2026. Äußert sie sich nicht, ist kein Betriebsplan nötig.

Die Länder ergänzen eigene Regeln für die Erdwärmepumpe. In Bayern beauftragt der Bauherr laut LfU spätestens zu Baubeginn einen Privaten Sachverständigen der Wasserwirtschaft für die Bauabnahme. Baden-Württemberg schreibt mit den Leitlinien Qualitätssicherung Erdwärmesonden von 2018 Bauweisen vor, die zur Geologie am Standort passen. Bohrfirmen brauchen dort nach Angaben des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) eine Haftpflichtversicherung über mindestens acht Millionen Euro.

Warum sich die Altstadt von Staufen hebt

Im September 2007 entstanden in Staufen im Breisgau sieben Erdwärmesonden mit bis zu 140 Metern Tiefe, um das Rathaus zu heizen und zu kühlen. Schon Anfang Oktober 2007 zeigten sich Risse im Rathaus und in Nachbargebäuden. Nach der Erkundung des LGRB gelangte gespanntes Grundwasser über undichte Ringräume der Sonden in Schichten des Gipskeupers. Dort nimmt Anhydrit Wasser auf, wandelt sich in Gips um und dehnt sich dabei aus.

Bis März 2026 hat sich der Boden nach LGRB-Messungen um bis zu rund 65 Zentimeter gehoben. Anfangs stieg er um rund elf Millimeter pro Monat, im März 2026 zeigten die zwei schnellsten Messpunkte noch etwa 0,84 Millimeter. Seit Oktober 2009 laufen Gegenmaßnahmen: Die Ringräume der Sonden wurden nachträglich abgedichtet, drei Brunnen pumpen dauerhaft Grundwasser ab.

Die bekannten Schadensfälle in Baden-Württemberg, neben Staufen etwa Böblingen und Rudersberg, gehen nach LGRB auf Bohrungen vor Einführung der Leitlinien und der Tiefenbeschränkung zurück. Seither müssen Bohrfirmen beim ersten sulfathaltigen Gestein im Bohrgut sofort abbrechen. Im Informationssystem ISONG finden Bauherren die Auflagen für ihren Standort.

Wer Sonden zu kurz bemisst, entzieht dem Untergrund nach LGRB-Angaben mehr Wärme, als nachfließt. Dann kann das Erdreich um die Sonde gefrieren, und die Abdichtung bleibt nicht dauerhaft dicht.

Wie der Bund die Erdwärmepumpe seit Juli 2026 fördert

Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Förderrichtlinie für Einzelmaßnahmen am 17. Juli 2026 neu gefasst, sie gilt seit dem 21. Juli 2026. Die Grundförderung für Wärmepumpen liegt bei 30 Prozent, ab dem ersten Quartal 2027 bei 15 Prozent. Für Geräte mit Ursprung in der EU kommt dann ein Wertschöpfungs-Bonus von 15 Prozentpunkten hinzu. Förderfähig sind höchstens 28.000 Euro für die erste Wohneinheit, ab Februar 2027 sinkt der Betrag halbjährlich um 750 Euro.

Im Richtlinientext fehlt der Effizienzbonus von fünf Prozentpunkten für Wärmepumpen mit Erdreich, Wasser oder Abwasser als Wärmequelle. Nach der ifeu-Analyse hatten ihn 2023 bei Erdwärmepumpen mehr als 99 Prozent der Antragsteller genutzt. Seit Juli 2026 fördert der Bund die Erdwärmepumpe damit mit denselben Sätzen wie eine Luftwärmepumpe. Selbstnutzende Eigentümer können den Klimageschwindigkeits-Bonus und den Einkommens-Bonus addieren (mehr dazu: Heizungsförderung).

Der Klimageschwindigkeits-Bonus beträgt bis Ende Januar 2027 16 Prozentpunkte und entfällt ab August 2028. Insgesamt ist der Zuschuss bei 70 Prozent gedeckelt, für Haushalte bis 30.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen bei 80 Prozent. Alle Angaben haben den Stand Oktober 2026.

Für neue Erdwärmesondenbohrungen verlangt das Ministerium eine Bohrfirma mit Zertifikat nach dem Regelwerk DVGW W 120-2. Die Bohrung muss über eine verschuldensunabhängige Versicherung abgesichert sein. Jede geförderte Wärmepumpe muss rechnerisch eine Jahresarbeitszahl von mindestens 3,0 erreichen. Ab dem 1. Januar 2028 fördert der Bund nur noch Geräte mit natürlichen Kältemitteln wie Propan.

Im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), wie das Gebäudeenergiegesetz seit Ende Juli 2026 heißt, zählt die elektrisch angetriebene Wärmepumpe nach § 42 zu den Optionen beim Heizungstausch. Für sie gelten keine eigenen Maßgaben wie für Gas- und Ölkessel in § 43. In Gebäuden ab sechs Wohnungen ist nach § 60a GModG nach der ersten vollen Heizperiode eine Betriebsprüfung Pflicht. Der Prüfer wertet dabei auch die gemessene Jahresarbeitszahl aus.

Für Wärmenetze lassen sich laut LfU in 3.000 bis 4.000 Metern Tiefe Temperaturen von 80 bis 130 Grad direkt nutzen. Für diese tiefe Geothermie gelten andere Genehmigungs- und Förderregeln als für die Erdwärmepumpe (mehr dazu: Geothermie in Deutschland).

QUELLEN

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  1. BMWE / energiewechsel.de: Richtlinien zur Bundesförderung für effiziente Gebäude (ab 21. Juli 2026), abgerufen am 01.10.2026.
  2. LGRB Baden-Württemberg: EWS-Schadensfälle, abgerufen am 01.10.2026.
  3. Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: Leitlinien Qualitätssicherung Erdwärmesonden (LQS EWS), Stand September 2018.
  4. Geologischer Dienst NRW: Geothermie in NRW, Standortcheck, abgerufen am 01.10.2026.
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