WELTNATURKONFERENZ IN ARMENIEN · 23. OKTOBER 2026
Ogannes / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0113 Staaten reisen mit neuen Naturschutzplänen zur Weltnaturkonferenz COP17
Ab Montag verhandeln fast 200 Staaten auf der Weltnaturkonferenz COP17 in Jerewan über den Schutz der Natur. Mehr als die Hälfte hat dafür einen neuen Aktionsplan eingereicht. UN-Generalsekretär António Guterres verlangt, die Milliarden für Öl, Gas und Kohle umzulenken.
„Fossile Energien zu subventionieren heißt, Selbstmord zu subventionieren“, sagte Guterres am Freitag bei einer Veranstaltung in der armenischen Hauptstadt. Die Regierungen gäben ihr Geld weiter für die falschen Dinge aus. Öl, Gas und Kohle würden den Planeten aufheizen und die Artenvielfalt zerstören. Er rief die Staaten auf, diese Zuwendungen endgültig zu beenden und das gesparte Geld für Menschen und Natur einzusetzen. Das berichtet Euronews.
Die COP17 ist das 17. Treffen der Vertragsstaaten der UN-Biodiversitätskonvention. Sie beginnt am 19. Oktober und markiert die Halbzeit des Globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal. Mit diesem Abkommen hatten sich 2022 fast alle Staaten der Welt verpflichtet, den Verlust der Natur bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Es enthält 23 Ziele, vom Renaturieren zerstörter Ökosysteme bis zur Finanzhilfe für ärmere Länder. In Jerewan ziehen die Staaten erstmals gemeinsam Bilanz.
Afrikanische Staaten holen vor der Weltnaturkonferenz COP17 auf
Die Bilanz stützt sich auf die nationalen Biodiversitätsstrategien und Aktionspläne. Darin legt jedes Land fest, wie es die 23 Ziele umsetzen will. Bis zur COP16 im Oktober 2024 hätten alle Staaten neue Pläne vorlegen sollen, nur 15 Prozent schafften die Frist. Inzwischen haben 113 von 196 Vertragsparteien geliefert, also 58 Prozent, vor einem Jahr waren es 55. Das zeigt eine Auswertung von Carbon Brief.
Den größten Sprung machten afrikanische Länder. Im vergangenen Jahr reichten unter anderem Äthiopien, die Demokratische Republik Kongo, Madagaskar, Ruanda, Senegal und Simbabwe neue Pläne ein. In Südamerika kam Brasilien dazu, das artenreichste Land der Erde, außerdem Belize und Chile. Gastgeber Armenien legte seinen Plan im April vor.
Vier der besonders artenreichen Staaten fehlen noch: Papua-Neuguinea, Peru, Südafrika und die USA. Die Vereinigten Staaten sind als einziges UN-Mitglied nicht Vertragspartei der Biodiversitätskonvention. Auch Russland, flächenmäßig das größte Land der Welt, hat keinen neuen Plan vorgelegt.
Washington schickt laut Registrierungsdaten nur rund ein Dutzend Delegierte nach Jerewan, früher waren es mehr als 35. Das berichtet die New York Times. Präsident Trump hatte 2025 das nationale Ziel seines Vorgängers gestrichen, 30 Prozent der USA unter Schutz zu stellen. Kalifornien reist dagegen mit eigenen Vertreter*innen an und verfolgt ein eigenes 30-Prozent-Ziel.
Zumindest nationale Ziele ohne ausgearbeiteten Plan haben inzwischen 175 Staaten gemeldet, das sind 89 Prozent. Viele Entwicklungsländer hatten fehlendes Geld als Grund für Verzögerungen genannt. Nach Angaben der Globalen Umweltfazilität, des multilateralen Fonds für solche Pläne, konnten bis 2025 aber 120 von 139 Ländern das beantragte Geld abrufen.
Staaten sagen Schutz für 27 Prozent der Landfläche zu
Am Tag vor seiner Rede stellte Guterres den UN-Bericht vor, auf dem die Halbzeitbilanz aufbaut. Danach verfehlt die Welt die Ziele für 2030. Fortschritte gebe es, sagte Guterres, aber bei weitem nicht genug. Die Artenvielfalt gehört zu den planetaren Grenzen, die die Menschheit bereits überschritten hat.
Im Zentrum des Abkommens steht das Versprechen, 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Setzen alle Regierungen ihre Zusagen vollständig um, erreichen sie an Land und in Binnengewässern 27 Prozent. Auf den Ozeanen kämen sie nur auf zwölf Prozent.
Beim Geld liegen die Staaten weiter zurück. 2022 hatten sie zugesagt, naturschädliche Subventionen bis 2030 um 500 Milliarden Dollar pro Jahr zu senken, das sind rund 447 Milliarden Euro. Seither haben sie dabei kaum etwas erreicht. Erst 39 Prozent der Länder haben überhaupt Pläne, um ihre schädlichen Subventionen zu erfassen, fällig war das bis 2025. Bei den Zielen zu Wirtschaft und Subventionen klaffen laut UN-Bericht die größten Lücken.
Für jeden Dollar, der Natur schützt oder wiederherstellt, fließen rund 30 Dollar in Tätigkeiten, die sie zerstören. Das ergab der Finanzbericht des UN-Umweltprogramms vom Januar. Allein die öffentlichen Subventionen mit schädlicher Wirkung auf die Natur summierten sich 2023 auf 2,4 Billionen Dollar, rund 2,1 Billionen Euro. Darin stecken neben Öl, Gas und Kohle auch Hilfen für Landwirtschaft, Wasser, Verkehr und Bau. Wie Regierungen allein fossile Brennstoffe verbilligen und warum IEA, OECD und IWF so unterschiedliche Summen nennen, erklärt der Cleanthinking-Überblick zu fossilen Subventionen.
Türkei und Australien bauen vor der COP31 die Förderung aus
Guterres' Appell zielt auch auf die Weltklimakonferenz COP31 im November im türkischen Antalya. Die EU-Finanzminister hatten Anfang Oktober gefordert, dort den Ausstieg aus fossilen Subventionen zu beschließen.
Die beiden Gastgeber gehen in die andere Richtung. Die staatliche türkische Ölgesellschaft TPAO steuere darauf zu, ihre Gasförderung fast zu verdreifachen. Woodside aus Australien werde die Produktion von Flüssigerdgas bis 2032 verdoppeln. Der australische Konzern Santos steuere bis 2035 auf achtmal so viel Rohöl zu. Das geht aus einer Analyse der Umweltorganisation Global Witness hervor, die auf Daten des Beratungshauses Rystad beruht.
Die Türkei will als zentrales Ergebnis der COP31 ein Elektrifizierungsziel durchsetzen. Strom soll bis 2035 weltweit 35 Prozent des Energiebedarfs decken, heute sind es rund 20 Prozent. Woher der Strom kommen soll, legt das Ziel nicht fest. Kritiker*innen fürchten, dass Regierungen neue Gaskraftwerke als Fortschritt verbuchen. Wie viel rentable Elektrifizierung Europa bisher liegen lässt, hat die IEA im September vorgerechnet.
Der Ausstieg aus den fossilen Energien steht in Antalya nicht offiziell auf der Tagesordnung. Rund 60 Staaten, die schneller vorangehen wollen, trafen sich deshalb schon in diesem Jahr zu einer eigenen Konferenz außerhalb des UN-Prozesses. Deutschland, Frankreich und die Niederlande haben freiwillige Fahrpläne für den Abschied von Öl, Gas und Kohle veröffentlicht. Brasilien will im November folgen.
QUELLEN
- Global Witness: Analyse zur Öl- und Gasexpansion der COP31-Gastgeber auf Basis von Rystad-Daten, Oktober 2026.
- Vereinte Nationen: Globaler Bericht zum Fortschritt beim Kunming-Montreal-Biodiversitätsrahmen, 15. Oktober 2026.