WERKLEITER JOACHIM WULFF, MAHLE VAIHINGEN · 31. OKTOBER 2026
MahleMahle nimmt die größte PVT-Anlage Deutschlands in Betrieb
Der Autozulieferer Mahle holt Strom und Wärme für sein Werk in Vaihingen an der Enz vom eigenen Dach. Mit über 1.000 Hybridmodulen des Dresdner Herstellers Sunmaxx und einem Erdsondenfeld deckt das Werk fast seinen gesamten Wärmebedarf.
Mahle hat die Anlage inzwischen vollständig in Betrieb genommen. Auf rund 2.000 Quadratmetern Dachfläche arbeiten die Module mit einem Erdsondenfeld und einer Wärmepumpe zusammen. Die elektrische Leistung liegt bei mehr als 430 Kilowatt-Peak, dazu erwartet Mahle 1.086 Megawattstunden Wärme im Jahr. Nach Angaben des Unternehmens ist es die derzeit größte PVT-Anlage Deutschlands.
Gebaut hat Mahle sie auf bestehenden Hallen, „ohne Unterbrechung des laufenden Betriebs", wie Werkleiter Joachim Wulff sagt. Wulff hatte schon bei der Planung auf deutlich steigende Energiekosten verwiesen, während sein Werk zugleich wirtschaftlich arbeiten müsse. Bisher heizte der Standort mit Erdgas. Nach Angaben von Mahle spart das Werk mit der neuen Anlage jährlich mehr als 400 Tonnen CO2.
Das Werk gibt es seit 1979, rund 200 Menschen arbeiten dort. Es ist das einzige europäische Mahle-Werk für Visco-Lüfter und Visco-Pumpen. Diese Bauteile passen die Motorkühlung von Nutzfahrzeugen stufenlos an den tatsächlichen Bedarf an und senken so den Kraftstoffverbrauch.
Mahle speichert die Sommerwärme im Erdreich
PVT-Module sind Solarmodule mit einem Wärmetauscher auf der Rückseite, sie liefern Strom und Wärme vom selben Dach. Im Sommer erzeugen sie in Vaihingen mehr Wärme, als die Hallen brauchen. Mahle leitet den Überschuss über das Erdsondenfeld in den Boden, der als saisonaler Wärmespeicher dient. Im Winter zieht die Wärmepumpe diese Wärme wieder heraus und bringt sie auf Heiztemperatur.
Die Kombination spart Bohrungen. Sunmaxx und das Münchner Planungsbüro goodmen energy haben das Werk vorab in einer Machbarkeitsstudie durchgerechnet. Dank der PVT-Module kommt Mahle demnach mit deutlich weniger Erdsonden aus als mit einer reinen Erdwärmeanlage. Mit PVT würden die Energiekosten planbar und stiegen anders als beim Gas über Jahrzehnte nicht, argumentierte Sunmaxx-Chef Wilhelm Stein bei der Ankündigung im Januar 2025. Damals peilte Mahle die Inbetriebnahme für Juli 2025 an.
Mahle bringt Kühlplatten aus dem Elektroauto aufs Dach
Ein Kernbauteil der Module liefert Mahle selbst. Auf der Rückseite sitzt eine Kühlplatte, die der Konzern in Serie für Komponenten von Elektrofahrzeugen fertigt. In Vaihingen setzt Mahle sie erstmals in PVT-Modulen ein. Die Platte liegt vollflächig am Modul an und nimmt die Wärme der Solarzellen über die gesamte Fläche auf.
Herkömmliche PVT-Module tragen dagegen Lamellenwärmetauscher, die nur an einzelnen Punkten mit dem Modul verbunden sind. Mahle verspricht sich von der vollflächigen Anbindung einen deutlich besseren Wärmeübergang. Die Kühlung wirkt doppelt: Das Wärmeträgerfluid bringt die Abwärme zur Wärmepumpe, und die Zellen verlieren weniger Leistung, weil sie kühler bleiben.
Martin Wellhöffer, in der Mahle-Konzerngeschäftsführung für den Bereich Thermal and Fluid Systems zuständig, beschreibt das Projekt als Brücke von der Automobiltechnik in die Energietechnik. Sein Geschäftsbereich setzte 2025 rund 6,1 Milliarden Euro um.
Sunmaxx liefert die Module für die größte PVT-Anlage Deutschlands
Mahle ist seit 2022 strategischer Investor und Entwicklungspartner von Sunmaxx. Anfang 2023 stiegen Mahle New Ventures und der Technologiegründerfonds Sachsen mit 3,25 Millionen Euro bei dem Cleantech-Startup ein. Im April 2024 eröffnete Sunmaxx in Ottendorf-Okrilla bei Dresden eine Fabrik für 50 Megawatt Module im Jahr (mehr dazu: Heliatek, Oxford PV und Sunmaxx).
Für den deutschen Markt ist Vaihingen ein großer Brocken. In ganz Deutschland kamen 2025 rund 25.300 Quadratmeter PVT-Kollektoren neu hinzu. Europaweit liegen größere Felder anderswo. Auf der Sport Arena Wien hat Sunmaxx gut 1.130 Module verbaut, im luxemburgischen Wiltz entsteht ein Wohnviertel mit über 3.000 PVT-Kollektoren des Herstellers Consolar.
Der Stuttgarter Konzern setzte 2025 rund 11,3 Milliarden Euro um und beschäftigt rund 64.000 Menschen. Bis 2040 will Mahle klimaneutral sein. Die Emissionen aus eigener Produktion und Energiebezug hat der Konzern seit 2019 um gut 47 Prozent gesenkt, für 2030 peilt er 49 Prozent an. Ökostrom deckte 2025 konzernweit 17 Prozent des Stromverbrauchs.
Die deutschen Standorte stellt Mahle seit 2021 über Ökostrom und die Kompensation fossiler Brennstoffe CO2-neutral. In Vaihingen fällt der Brennstoff nun fast ganz weg. Mahle nennt das Werk ein Referenzprojekt für weitere Standorte, und nach Angaben des Unternehmens interessieren sich auch Industriebetriebe aus der Region für das Konzept.
QUELLEN
- Mahle: Pressemitteilung „Mahle nimmt Deutschlands derzeit größte photovoltaisch-thermische Anlage in Betrieb", Oktober 2026.
- Mahle: Pressemitteilung „Mahle errichtet Deutschlands größte PVT-Anlage mit Hybridmodulen aus Sachsen", 20.01.2025.
- Sunmaxx PVT und goodmen energy: Pressemitteilung zur Machbarkeitsstudie für das Mahle-Werk Vaihingen an der Enz.