Deutschland gibt Steckerspeichern kein Signal vom Stromnetz

SPEICHER ZUM EINSTECKEN · 7. NOVEMBER 2026

Deutschland gibt Steckerspeichern kein Signal vom Stromnetz

Powerstations und Steckerspeicher stehen in immer mehr Wohnungen. Mit einem dynamischen Stromtarif laden sie schon heute billig und entladen teuer, Rabot Energy verkauft Mietern dafür eigens einen Speicher für die Steckdose. Was fehlt, ist ein Signal vom Netzbetreiber, wann das Ortsnetz Strom braucht. Das fordern Anker Solix und der Bundesverband Steckersolar.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 6 Min. LESEN


Vor ein paar Jahren stand die Powerstation im Kofferraum neben dem Zelt. Heute steht sie im Flur neben dem Router oder an der Heizungssteuerung. Frost & Sullivan beschreibt in einem Weißbuch, wie Powerstations und Steckerspeicher vom Campingzubehör zum Stromspeicher für den Haushalt werden. Als Treiber nennen die Marktforscher den Wunsch nach Notstrom, nach Unabhängigkeit vom Netz und nach mehr eigenem Solarstrom. Weltweit kamen die Geräte 2025 auf ein Marktvolumen von 2,6 Milliarden US-Dollar, rund 2,3 Milliarden Euro, bis 2030 sollen es 5,8 Milliarden sein.

Verbreitet hat die Zahlen in Deutschland der Hersteller Jackery, den die Untersuchung beim kumulierten Absatz und Umsatz seit 2018 weltweit auf Platz eins sieht. Einen Auftraggeber nennt die Mitteilung nicht, eine Methodik oder einen Download ebenso wenig. Andere Marktforscher setzen deutlich kleinere Zahlen an. TechSci Research kommt für Powerstations 2025 auf knapp 780 Millionen US-Dollar. Ein Teil der Lücke erklärt sich aus der Abgrenzung, denn das Weißbuch zählt die Speicher für Balkonkraftwerke mit.

Balkonkraftwerke schalten beim Stromausfall ab

Was ein tagelanger Stromausfall bedeutet, hat Berlin im Januar erlebt. Nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke waren im Südwesten der Stadt rund 45.000 Haushalte und mehr als 2.200 Betriebe tagelang ohne Strom, bei Frost. Mit dem Strom fielen auch viele Heizungen aus, weil Pumpen und Steuerung am Netz hängen.

Solche Ausfälle bleiben in Deutschland die Ausnahme. Die Bundesnetzagentur weist für 2024 im Schnitt 11,7 Minuten Unterbrechung je Letztverbraucher aus. Das ist einer der niedrigsten Werte in Europa (mehr dazu: Wie ein großer Blackout Deutschland treffen kann).

Ende September standen rund 1,53 Millionen Balkonkraftwerke im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Im Stromausfall liefern sie trotzdem nichts. Ihr Wechselrichter trennt sich binnen 0,2 Sekunden vom Netz, sobald die Netzfrequenz fehlt. Das ist vorgeschrieben und schützt Monteur*innen, die an der Leitung arbeiten.

Strom gibt es dann nur aus einem Speicher, der in den Inselbetrieb schalten kann. Seine Steckdose ist dann die einzige im Haus, die noch Strom führt. Licht und Herd bleiben aus.

Wie weit dieser Strom reicht, rechnen Anker Solix und der Bundesverband Steckersolar (BVSS) in einem gemeinsamen Weißbuch vor. Ein Balkonkraftwerk mit 1.000 Watt erzeuge im Schnitt rund 500 Wattstunden am Tag, ein Ein-Personen-Haushalt verbrauche das Dreifache. Eine Batterie mit zwei Kilowattstunden sei im Moment des Ausfalls womöglich nur halb voll.

Für Kühlschrank, Lampen und Handy reicht das, auch für Medikamente, die gekühlt werden müssen. Den Nutzen als Notstrom solle man nicht überschätzen, schreiben die Autoren. Kurbelradio, Wasser, Vorräte, Bargeld und ein Campingkocher gehörten weiter in jeden Notfallplan. Ob sich ein Speicher am Balkon im Alltag rechnet, ist eine eigene Frage (mehr dazu: Balkonkraftwerk mit Speicher).

Hersteller bauen Powerstations zu Hausspeichern aus

Powerstations arbeiten von vornherein ohne Netz. Die größeren Geräte speichern rund zwei Kilowattstunden und lassen sich mit Zusatzakkus erweitern. Manche schalten nach Herstellerangaben in weniger als zehn Millisekunden auf Akku um, wenn das Netz ausfällt. Router, Heizungssteuerung oder ein medizinisches Gerät laufen daran ohne Unterbrechung weiter. Ein ganzes Haus mit Wärmepumpe versorgen sie nicht.

Schneller noch wächst der Markt für fest installierte Heimspeicher. Hersteller lieferten 2025 weltweit Batterien mit 38,1 Gigawattstunden aus, 2021 waren es 6,7 Gigawattstunden. Das steht in einem zweiten Weißbuch derselben Marktforscher, das im Juli gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Fox ESS erschien. Bis 2030 sollen es 128,7 Gigawattstunden sein. An der Spitze sehen sie Fox ESS mit 10,5 Prozent der Liefermenge vor Tesla und Huawei.

Hinter beiden Märkten stehen die gefallenen Batteriepreise, ein Kern der Electrotech-Revolution. Steckerbatterien kosten laut Anker und BVSS inzwischen teils weniger als 500 Euro je Kilowattstunde. Künftig konkurrieren die Hersteller laut dem Weißbuch vor allem über die Sicherheit, also über Zellen, Batteriemanagement und Schutz vor Überhitzung.

Anker und Steckersolar-Verband fordern Preissignale für kleine Speicher

Den größeren Nutzen sehen Anker und BVSS im Alltag. Fast jeder Haushalt habe Platz für eine Batterie in Handgepäck-Größe, auch ohne Balkon in der Sonne. Hätten 20 der 41 Millionen Haushalte je fünf Kilowattstunden, kämen 100 Gigawattstunden zusammen. Den deutschen Speicherbedarf für die Mitte des Jahrhunderts beziffern Studien im Weißbuch auf 180 bis 600 Gigawattstunden.

Die meisten Geräte laden und entladen bisher nach dem Bedarf des eigenen Haushalts. Mit einem dynamischen Stromtarif lassen sie sich auch nach dem Börsenpreis steuern. Rabot Energy verkauft Mietern dafür einen Steckerspeicher, der auch ohne Balkonkraftwerk lädt, wenn Strom billig ist, und ihn in teuren Stunden wieder abgibt. Was fehlt, ist ein Signal vom Verteilnetzbetreiber, wann das Netz vor Ort Strom braucht und wann es überläuft. Zeitvariable Netzentgelte nach Paragraf 14a Energiewirtschaftsgesetz gelten nur für steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpe und Wallbox, nicht für Steckerspeicher. Anker und BVSS fordern deshalb, dass Verteilnetzbetreiber solche Preissignale auch für Steckerspeicher liefern. Eine Batterie mit fünf Kilowattstunden für 1.000 Euro würde sich damit ohne Förderung bezahlt machen, rechnen sie vor.

Bei Elektroautos hat die Bundesnetzagentur Ende September eine Hürde für das Laden und Rückspeisen abgebaut (mehr dazu: E-Autos als Stromspeicher brauchen nur noch einen Zähler). Für Powerstations und Steckerspeicher in Wohnzimmer und Keller fehlt ein solcher Schritt bislang.

QUELLEN

  1. Frost & Sullivan: Frost & Sullivan released White Paper on Global Solar Generator and Plug-in Solar Storage Industry, 2. September 2026.
  2. Anker Solix und Bundesverband Steckersolar: Market Activation and Standardization of Plug-in Solar and Storage (MASplug), White Paper, Juni 2026.
  3. Jackery: Wachstumsmarkt mobile Energiespeicher, Pressemitteilung, 5. November 2026.
  4. heise online: Batteriespeicher mit dynamischem Tarif für Mieter: Rabot Flow im Praxis-Check.
  5. ZDFheute: Alle Haushalte in Berlin haben wieder Strom, 7. Januar 2026.
  6. Kleines Kraftwerk: Balkonkraftwerke 2026: Weniger Neuanlagen im September, doch der Markt verändert sich, 16. Oktober 2026.
  7. Bundesnetzagentur: Versorgungsunterbrechungen Strom in 2024 gegenüber Vorjahr gesunken, 9. Oktober 2025.
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