PET-Recycling: Wie die Kreislaufwirtschaft beim Flaschen-Kunststoff entsteht

Richtlinien der EU verlangen, dass jede PET-Flasche seit 2025 zu 25 Prozent aus Recycling-Kunststoff besteht. Ab dem 12. August 2026 verschärft die Verpackungsverordnung PPWR die Regeln.

Kunststoff, zumal PET, ist leicht und günstig. Es ist eines der meist verwendeten Materialien weltweit. Aber aufgrund extremer Haltbarkeit ist die effektive Entsorgung eine Herausforderung. Daher ist es unverzichtbar, für die Aufbereitung von Kunststoffabfällen hochwertige Recyclingtechnologien anzuwenden. PET-Recycling leistet einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz, da die Nutzung von recycelten Materialien zur Herstellung neuer Kunststoffprodukte den Rohstoffbedarf senkt, weniger Energie bei der Aufbereitung erfordert und die Kunststoffmengen auf Mülldeponien reduziert.

Am häufigsten wird PET recycelt, weil es gegenüber anderen Kunststoffarten zahlreiche Vorteile bietet. PET ist ein besonders inertes Polymer. Daher eignet es sich hervorragend als Verpackungsmaterial für Lebensmittel, da praktisch keine Interaktion mit dem Inhalt der Verpackung stattfindet. Es ist luft- und wasserdicht und leicht zu formen, äußerst widerstandsfähig und sehr leicht – perfekt für Getränkeflaschen. Außerdem können aus PET transparente Flaschen hergestellt werden, was mit PE oder PP nicht möglich ist.

Unsere industrialisierte Wohlstandgesellschaft ist auf Kunststoff angewiesen. Recycling muss allerdings deutlich an Bedeutung gewinnen. Durch effizientes und hochwertiges Recycling begeben wir uns auf den Weg zur Kreislaufwirtschaft und schützen so Natur und Umwelt für künftige Generationen. Aufgrund des zunehmenden Umweltbewusstseins in der Öffentlichkeit und größerer Leistungsfähigkeit von Recyclingbetrieben steigen die Recyclingraten.


Das Cleantech-Unternehmen STADLER ist Vorreiter auf diesem fortschrittlichen Weg und ständig auf der Suche nach neuen Verfahren zur Maximierung der Effizienz des Recyclingprozesses und der Qualität der Produkte. Das Unternehmen hat weltweit über zwanzig Sortieranlagen für Mischkunststoffflaschen geplant und gebaut, davon über zehn speziell für PET-Recycling.

Bis vor kurzem gab es keine Spezifikationen für die Verwendung von Rezyklaten bei der Herstellung neuer Produkte, das ist jetzt anders. Die EU hat neue Verordnungen verabschiedet.

Roland Göggel, STADLER Vertriebsdirektor DACH

Konkret gilt: Getränkeflaschen müssen seit 2025 zu einem Viertel und ab 2030 zu 30 Prozent aus recyceltem Material hergestellt werden. „Allerdings können diese und weitere in der EU-Verordnung vorgegebenen Ziele nur dann erreicht werden, wenn alle an diesem Prozess beteiligten Bereiche zusammenarbeiten“, so Göggel weiter.

EU-Verpackungsverordnung PPWR: Was ändert sich ab dem 12. August 2026?

Zum Stichtag 12. August 2026 wird die neue EU-Verpackungsverordnung, kurz PPWR, in allen Mitgliedstaaten unmittelbar anwendbar. Sie löst die Verpackungsrichtlinie von 1994 ab und gilt ohne nationales Umsetzungsgesetz für jedes Unternehmen, das Verpackungen in der EU auf den Markt bringt.

Zum Start greifen Dokumentations- und Konformitätspflichten sowie Grenzwerte für PFAS in Verpackungen mit Lebensmittelkontakt. Die Design- und Quotenvorgaben folgen gestaffelt:

StichtagVorgabe
seit 202525 % Rezyklat in PET-Einwegflaschen (Einwegkunststoff-Richtlinie)
12. August 2026PPWR anwendbar: Konformitätspflichten, PFAS-Grenzwerte
202990 % getrennte Sammlung von Einweg-Getränkeflaschen, sonst Pfandpflicht
203030 % Rezyklat in Einweg-Getränkeflaschen, 35 % in übrigen Kunststoffverpackungen, Recyclingfähigkeit wird Pflicht, 10 % Mehrweganteil bei Getränken
204065 % Rezyklat in Einweg-Getränkeflaschen

Auf die Quoten zählt nur Post-Consumer-Rezyklat aus echtem Verbraucherabfall, Produktionsreste aus der Fabrik werden nicht angerechnet. Gemessen wird im Jahresdurchschnitt je Fertigungsbetrieb.

Design for Recycling: recyclingfähig oder raus aus dem Markt

Ab 2030 dürfen zudem nur noch Verpackungen auf den Markt, die zu mindestens 70 Prozent recyclingfähig sind, gestuft in Leistungsklassen von A bis C. Etiketten, Kleber, Farben und Verschlüsse von PET-Flaschen müssen sich dafür in Sortier- und Waschanlagen sauber trennen lassen. Sortiertechnik entscheidet damit künftig mit über die Marktfähigkeit einer Verpackung.

PET-Recycling: So funktioniert der Prozess

Die gebrauchten PET-Flaschen werden gesammelt und zum Recyclingbetrieb transportiert. Dort werden Etiketten und Verschlüsse entfernt. Anschließend werden die Flaschen nach Farbe sortiert und zerkleinert. Das Material wird gewaschen, getrocknet, von letzten Verunreinigungen befreit, bei 270 Grad Celsius eingeschmolzen und zu Granulat verarbeitet.

Mit dieser STADLER-Maschine werden Labels von Flaschen automatisiert entfernt.
Maschine zur Label-Entfernung von Flaschen.

Das dabei entstehende Produkt, das sogenannte Regranulat, wird mit neuem Granulat gemischt. Die Mischung wird eingeschmolzen und einer Spritzgussmaschine zugeführt, die daraus Rohlinge für neue PET-Flaschen herstellt. Die Rohlinge werden zum Abfüllbetrieb transportiert. Dort werden sie erhitzt und im Streckblasverfahren zu PET-Flaschen ausgeformt. Nach dem Reinigen und Etikettieren können die Flaschen befüllt und verkauft werden. Der Kreislauf ist geschlossen und die Flaschen beginnen einen neuen Lebenszyklus.

Regranulat Türkis aus PET-Recycling
Regranulat bei STADLER.

Was bringt das PET-Recycling für die Umwelt?

Recycling verringert in mehrfacher Hinsicht die Umweltbelastung. Der erste Vorteil liegt im verringerten Rohstoffverbrauch: neue Flaschen-Rohlinge lassen sich zu etwa 35 Prozent aus Regranulat herstellen, dementsprechend wird Rohöl eingespart, das sonst zur Herstellung neuen Granulats verwendet worden wäre. Weiterhin verbraucht Recycling von Kunststoff 88 Prozent weniger Energie als die Herstellung von Kunststoff aus neuen Rohstoffen (Quelle).

Die effizientere Nutzung des Materials für die Rohlinge im Rahmen des PET-Recycling bringt einen weiteren Vorteil: „Heutzutage wiegt der Rohling für eine 1,5-Liter-PET-Flasche gerade einmal 26,8 Gramm – deutlich weniger als die 38 Gramm vor fünf Jahren“, erklärt Roland Göggel. „Der Einsatz von Regranulat und die effizientere Verwendung des Materials hat den Rohstoffverbrauch in den letzten fünf Jahren um 66 Prozent reduziert.“

Die PET-Industrie optimiert zudem den Transportaufwand, indem die Rohlinge in den Abfüllbetrieben zu Flaschen geblasen werden. Hierdurch wird die Zahl der Lkw-Fahrten vom Recyclingbetrieb zur Abfüllanlage drastisch reduziert: ein Lkw kann 700.000 Rohlinge transportieren, aber nur 15.000 fertige PET-Flaschen. Dies führt zu einer beträchtlichen Senkung des Kraftstoffverbrauchs und der Emissionen.

Wenn Recycling seiner Aufgabe gerecht werden soll, das Problem der Kunststoffabfälle in der PET-Industrie zu lösen, sind effiziente Prozesse und hochwertige Endprodukte erforderlich, die auf dem Markt mit Neumaterial mithalten können. Hier bietet STADLER Vorteile: „Wir beherrschen die Verfahrenstechnik über den gesamten Lebenszyklus des Materials“, führt Roland Göggel aus. „Das bedeutet, dass wir unterschiedliche Technologien optimal kombinieren und im Hinblick auf die Kosten-Nutzen-Überlegungen des Kunden wirtschaftlicher nutzen können. Besonders wichtig ist hierbei, dass STADLER jederzeit die Gesamtverantwortung für das Projekt hat, und wir unseren Kunden bei jedem Teilaspekt mit unserem Expertenwissen zur Seite stehen.“

Wie gut funktioniert das Pfandsystem in Deutschland?

98,7 Prozent der rund 17 Milliarden PET-Getränkeflaschen, die 2023 in Deutschland verbraucht wurden, landeten in der stofflichen Erfassung, 97,6 Prozent davon wurden recycelt. Das zeigt eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im Auftrag des Forum PET.

Neue PET-Flaschen bestehen hierzulande im Schnitt zu mehr als 44 Prozent aus Rezyklat, die 25-Prozent-Quote der EU ist damit längst übererfüllt. Zum Vergleich: Spanien erfasst 75 Prozent seiner Flaschen, Italien 67, Frankreich 60 Prozent.

Das 90-Prozent-Sammelziel der PPWR zwingt deshalb vor allem den Rest Europas zum Handeln. Für Verbraucher in Deutschland bleibt es einfach: Flasche samt Verschluss zurück in den Automaten, Etikett und Deckel trennen die Maschinen im Recyclingbetrieb.

Der Recyclingkreislauf schließt sich

Gebrauchte PET-Flaschen können für den Verpackungssektor und andere Branchen eine wertvolle Materialquelle sein, und eine wichtige Rolle dabei spielen, die Umweltbelastung durch Kunststoffe herabzusetzen. Dennoch wird dieses Potenzial in vielen Bereichen nicht umfassend genug genutzt. Das Cleantech-Unternehmen STADLER hat eine Möglichkeit gefunden, den Recyclingkreislauf zu schließen, und ist zu diesem Zweck mit KRONES, einem großen Player der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, eine Partnerschaft eingegangen. Ziel beider Partner ist es, die Vorteile des Kunststoffrecyclings für Kunden in aller Welt so einfach und so gewinnbringend wie möglich zu nutzen.

Gemeinsam wollen STADLER und KRONES ein Gesamtpaket für PET-Recycling anbieten, vom Sortieren über den Waschvorgang bis hin zur Herstellung eines neuen Kunststoffprodukts. „Diese Kooperation ermöglicht es uns, verfahrenstechnische Lösungen für alle Schritte anzubieten, von heterogenen Abfallgemischen zur fertigen Plastikflasche“, sagt Roland Göggel. "Mit unseren Lösungen tragen wir erheblich dazu bei, dass die Recyclingziele der EU erreicht werden.“

Chemisches Recycling: Die EU klärt die Rechenregeln

Chemisches Recycling zerlegt Kunststoff in seine molekularen Bausteine, aus denen anschließend echte Neuware entsteht. Ob solches Material auf die EU-Rezyklatquoten zählt, war lange offen.

Im Februar 2026 hat der zuständige EU-Ausschuss die Antwort geliefert: Chemisch recyceltes PET ist anrechenbar, bilanziert im Massenbilanzverfahren nach der Methode „fuel excluded“. Mengen, die zu Kraftstoff werden, zählen nicht mit.

Befristet bis zum 21. November 2027 dürfen zudem nur in Europa hergestellte Rezyklate auf die Flaschen-Quote angerechnet werden. Eine „Soforthilfe“ für die heimischen Recycler nennt der Entsorgerverband BDE diese Made-in-Europe-Klausel.

Wie das praktisch aussieht, zeigen die Anlage von Plastic Energy und Total in Frankreich, die Reifen-Pyrolyse von Pyrum Innovations und das Enzym-Recycling von Carbios, das bei Indorama zwei Milliarden PET-Flaschen in den Kreislauf zurückholen soll.

rPET-Markt: Rezyklat zwischen Pflichtquote und Preisdruck

Steigende Quoten treffen auf eine Branche unter Druck: 2024 und 2025 war PET-Neuware zeitweise günstiger als Rezyklat, billige Importe aus Drittstaaten und hohe Energiekosten setzten Europas Recyclern zu.

Inzwischen hellt sich das Bild auf. Die Made-in-Europe-Klausel schirmt die Quote vorerst gegen Importe ab, und die PPWR garantiert ab 2030 wachsende Nachfrage nach Post-Consumer-Rezyklat. „Stark im Fokus“ der Verarbeiter sieht die Fachzeitung K-Zeitung die Regranulate im Jahr 2026, jede Flasche aus Rezyklat ist ein Schritt heraus aus der Plastik-Krise.

Lesen Sie auch: Mutiertes Enzym von Carbios verdaut Plastikflaschen in Rekordzeit

QUELLEN

  1. EUR-Lex: Verordnung (EU) 2025/40 über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR), 22.01.2025
  2. EUWID Recycling: Durchführungsbeschluss der EU-Kommission zur SUPD verabschiedet, Februar 2026
  3. RECYCLING magazin: BDE begrüßt „Made in Europe“-Vorgaben für Rezyklate, 14.01.2026
  4. Forum PET / GVM: Erfolgsmodell PET-Getränkeflasche (Studie), März 2025
  5. K-Zeitung: Polymerpreise 2026: Regranulate stark im Fokus, 2026
  6. STADLER Anlagenbau: Pressematerial zum PET-Recycling (Basis des Ursprungsartikels)

Dieser Beitrag wurde zuletzt am 9. Juli 2026 aktualisiert.

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