KLIMAPOLITIK · 22. JUNI 2026
Wikimedia CommonsBloomberg stellt 285 Millionen Dollar für erneuerbare Energien gegen Öllobby bereit
Der US-Milliardär Michael Bloomberg finanziert über Bloomberg Philantropies Branchenverbände in Schwellenländern, damit diese gegen die Übermacht der fossilen Industrie bestehen können. Es ist das bislang deutlichste Signal, die Lobbylücke zu schließen.
Michael Bloomberg, UN-Sondergesandter für Klimaambitionen und Gründer von Bloomberg Philanthropies, hat zum Auftakt der Climate Action Week in London 285 Millionen Dollar für Branchenverbände der erneuerbaren Energien zugesagt. Das Geld fließt überwiegend an Organisationen in Schwellen- und Entwicklungsländern, darunter Indien, Indonesien, Vietnam, Südafrika, Kenia, Nigeria, Ghana, Brasilien, die Philippinen, Kolumbien und Mexiko. Die Ankündigung erfolgte zum Auftakt der London Climate Action Week.
Die Finanzierung ist Teil eines 590 Millionen Dollar schweren Umweltpakets, das Bloomberg Philanthropies während der Klimawoche bekannt gibt. Der Löwenanteil zielt auf eine spezifische Schwachstelle: In vielen Ländern des Globalen Südens fehlt den Erneuerbaren-Verbänden schlicht das Geld, um gegen die gut organisierte und reichlich finanzierte Öl- und Gaslobby zu bestehen.
Budgets der Verbände für erneuerbare Energien verdoppeln sich
Laut Financial Times wird die Bloomberg-Finanzierung die Gesamtbudgets der meisten Zielverbände verdoppeln oder verdreifachen. Das Geld soll für Lobbyarbeit, Daten- und Wirtschaftsanalysen, technische Unterstützung für Regierungen und die Arbeit an Finanzierungsstrukturen eingesetzt werden.
Sonia Dunlop, Geschäftsführerin des Global Solar Council, benennt das Problem: „Die Wirtschaft ist vorhanden, die Projekte sind bereit, aber was uns verlangsamt, ist die institutionelle und politische Repräsentationslücke."
In Ländern wie den Philippinen, Nigeria oder Pakistan boomen Solarinstallationen bereits. Die Philippinen sind 2026 zum zweitgrößten Importeur chinesischer Solarmodule aufgestiegen. Was fehlt, ist nicht die Technologie, sondern die politische Infrastruktur, um den Ausbau gegen die Interessen etablierter fossiler Akteure durchzusetzen.
Schwellenländer sollen Gas-Zeitalter überspringen
Die strategische Bedeutung dieser Investition geht über Lobbyfinanzierung hinaus. In vielen Schwellenländern steigt die Energienachfrage rasant. Ob diese Länder in fossile Gasinfrastruktur investieren oder direkt auf erneuerbare Energien setzen, entscheidet über Jahrzehnte an Emissionen. Bloomberg zielt mit seiner Finanzierung darauf, genau dieses Leapfrogging zu ermöglichen: den Sprung über das Gas-Zeitalter direkt in die erneuerbare Energieversorgung.
Dave Jones, Mitgründer des Energie-Thinktanks Ember, bestätigt diese Analyse: „Der Großteil des weltweiten Energiewachstums findet in Schwellenländern statt. Was den Ausbau verlangsamt, sind strukturelle Hürden."
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Saliem Fakir, Geschäftsführer der African Climate Foundation, ergänzt: Was in Afrika fehle, sei „nicht das Potenzial, sondern die institutionelle Infrastruktur und die Fähigkeiten, es freizusetzen".
Bloomberg Philantropies: Pilotprogramm zeigt bereits Wirkung
Die neue Finanzierung baut auf einem Pilotprogramm aus dem Vorjahr auf, das bereits etwa zehn Organisationen unterstützt. Darunter der Global Solar Council, die Kenya Renewable Energy Association, die Asia PV Industry Association und die Pakistan Solar Association. Bloomberg Philanthropies hat seit 2011 mehr als drei Milliarden Dollar für Klimazwecke bereitgestellt, unter anderem für die erfolgreiche Beyond-Coal-Kampagne, die zur Stilllegung von mehr als zwei Dritteln der US-Kohlekraftwerke beitrug.
Die aktuelle Offensive gegen die Lobbylücke der Erneuerbaren ist ein deutliches Signal: Die finanzielle Asymmetrie zwischen fossiler und erneuerbarer Interessenvertretung muss nicht bestehen bleiben. Wenn Schwellenländer das Gas-Zeitalter überspringen sollen, brauchen sie nicht nur günstige Technologie, sondern auch politische Schlagkraft.
QUELLEN
- Financial Times Michael Bloomberg arms green lobby for fight against oil interests
- Bloomberg Philanthropies London Climate Action Week 2026