Altech stellt Cerenergy-Batteriefabrik in Schwarze Pumpe ein

SPEICHER · 05. AUGUST 2026

Altech beendet Pläne für Cerenergy-Batteriefabrik in Schwarze Pumpe

Die Altech Advanced Materials AG beendet das Cerenergy-Projekt im Industriepark Schwarze Pumpe. Eine monatelange Partnersuche blieb erfolglos, die Projektgesellschaft wird abgewickelt. Damit ist innerhalb von vier Wochen das zweite Batterievorhaben des Unternehmens am Standort gescheitert.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 5 Min. Lesezeit LESEN


Die Altech Advanced Materials AG (AAM, Heidelberg) teilte am 30. Juli 2026 per Ad-hoc-Mitteilung mit, dass die australische Muttergesellschaft Altech Batteries Ltd (ATB) ihr Cerenergy-Projekt einstellt. Geplant war im Industriepark Schwarze Pumpe in Sachsen eine Fabrik für Batteriespeicher auf Salzbasis. Die Projektgesellschaft Altech Batteries GmbH (ABG) wird abgewickelt.

Neun Monate lang hatte der ATB-Vorstand nach einem Partner gesucht, laut Mitteilung „intensive Gespräche insbesondere mit einem global agierenden deutschen Industriekonzern”, der namentlich nicht genannt wird. Die Gespräche endeten ohne Ergebnis. Als Begründung nennt Altech, die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Finanzierung und Inbetriebnahme sei mittlerweile so gering, dass weitere Betriebskosten nicht mehr zu rechtfertigen seien.

An der Projektgesellschaft war die Fraunhofer-Gesellschaft mit 25 Prozent beteiligt, ATB über die Altech Energy Holdings GmbH mit 75 Prozent. Hauptvermögenswert ist ein Grundstück, das im Zuge der Abwicklung an die Kommunalverwaltung Spreetal zurückverkauft wird, mit einem erwarteten Bruttoerlös von rund 675.000 Euro für die ABG. Die Patentrechte an der Cerenergy-Technologie verbleiben bei der Fraunhofer-Gesellschaft.

Nach Angaben des rbb war erst Anfang Juli die Frist für die zugesagte Bundesförderung verlängert worden, geplant waren bis zu 1.000 Arbeitsplätze. 2024 hatte die Projektgesellschaft laut rbb einen Prototypen der Cerenergy-Batterie ABS 60 erfolgreich getestet.

Erst Silumina Anodes, dann Cerenergy

Altech betrieb in Schwarze Pumpe zwei Vorhaben, und Cerenergy war das zweite, das scheiterte. Unter dem Namen Silumina Anodes hatte das Unternehmen sechs Jahre lang an einem Anodenmaterial gearbeitet, bei dem Silizium mit hochreinem Aluminiumoxid beschichtet wird, um Lithium-Ionen-Batterien leistungsfähiger und langlebiger zu machen. Im Mai 2025 startete dafür eine Pilotanlage am Standort.

Am 10. Mai 2026 beschloss das Board von Altech Batteries, auch dieses Projekt zu beenden. Die Begründung ähnelt der von vergangener Woche: Trotz Vertraulichkeitsvereinbarungen mit Batterie- und Autoherstellern ließen sich weder eine strategische Finanzierung noch Vorabverkäufe sichern. Zum 30. Juni 2026 wurde die zuständige Gesellschaft Altech Industries Germany aufgelöst.

Damals hieß es ausdrücklich, das gesamte Kapital konzentriere sich nun auf Cerenergy, die Gespräche mit möglichen Joint-Venture-Partnern seien fortgeschritten. Vier Wochen später war auch dieses Projekt beendet. Die Förderzusage des Bundeswirtschaftsministeriums über bis zu 46,7 Millionen Euro deckte nach Unternehmensangaben rund 30 Prozent der erwarteten Baukosten und war an den endgültigen Finanzierungsabschluss gebunden.

Zwei verschiedene Salzbatterien

Cerenergy setzt auf eine Natrium-Nickelchlorid-Zelle, eine keramische Hochtemperaturbatterie in der Tradition der ZEBRA-Batterie aus den 1980er Jahren. Sie arbeitet bei rund 300 Grad Celsius mit einem Festelektrolyt aus hochreinem Aluminiumoxid, als Kathodenmaterial dienen im Wesentlichen Kochsalz und Nickel. Fraunhofer IKTS nennt als Vorteile intrinsische Sicherheit ohne thermisches Durchgehen, Wartungsfreiheit und Zielkosten von deutlich unter 100 Euro je Kilowattstunde auf Zellebene.

Natrium-Ionen-Batterien laufen bei Raumtemperatur und kommen ohne Lithium, Kobalt und Nickel aus. Über die Perspektiven der Technologie berichtet Cleanthinking seit einer Fraunhofer-Studie zu Natrium-Ionen-Batterien: CATL hat für das vierte Quartal 2026 den Start der Massenproduktion seiner Naxtra-Zellen angekündigt und baut parallel die Kapazität seiner Tener-Sodium-Linie aus. In Bremen betreibt Phenogy seit 2025 nach eigenen Angaben den größten Natrium-Ionen-Speicher Europas.

Das Aus in Schwarze Pumpe ist die Einstellung eines Fabrikprojekts. Über den technologischen Weg von Natrium als Speichermaterial sagt die Entscheidung wenig: Wer Salz im Speicher sucht, findet es weiterhin, nur auf einem anderen Pfad und derzeit vor allem aus China. Cleanthinking verfolgt stationäre Speicherprojekte laufend im Energiespeicher-Ticker.

Was aus dem Standort wird

Institutsleiter Alexander Michaelis vom Fraunhofer IKTS, der als Gesellschafter am Projekt beteiligt war, ordnete das Ende gegenüber dem rbb aus seiner Sicht ein. Das Aus sei für das Institut nicht überraschend gekommen, man sei gut informiert gewesen. Nach seiner Einschätzung gelang es dem Konsortium nicht, die Finanzierung einer derart kostspieligen Fabrik zu stemmen, Fördermittel hätten nur rund 20 bis 25 Prozent der Gesamtsumme gedeckt, ohne dass sich die Kreditbedingungen verbessert hätten.

„Es ist wirklich tragisch, auch, glaube ich, für den Standort in Schwarze Pumpe”, sagte Michaelis. Die Technologie selbst stellt er damit nicht infrage: Fraunhofer wolle Cerenergy weiterverfolgen. Am Standort Schwarze Pumpe laufen unterdessen weitere Batterievorhaben, etwa das separate Projekt BigBattery Lausitz.

Häufige Fragen zu Cerenergy

Was ist Cerenergy?

Cerenergy ist eine Natrium-Nickelchlorid-Batterie von Fraunhofer IKTS und Altech Batteries, eine keramische Hochtemperaturzelle für stationäre Speicher, die bei rund 300 Grad Celsius arbeitet.

Warum wurde die Fabrik in Schwarze Pumpe eingestellt?

Eine neunmonatige Partnersuche mit einem ungenannten deutschen Industriekonzern blieb laut Altech ergebnislos. Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Finanzierung sei zu gering geworden, um die Betriebskosten weiter zu rechtfertigen.

Was passiert mit den Patenten an der Cerenergy-Technologie?

Die Patentrechte verbleiben bei der Fraunhofer-Gesellschaft. Das Institut IKTS will die Technologie nach eigener Aussage weiterverfolgen.

Ist die Natrium-Ionen-Technologie von dem Aus betroffen?

Nein. Cerenergy nutzt Natrium-Nickelchlorid, eine andere Chemie als Natrium-Ionen-Batterien von Herstellern wie CATL. Das Fabrikprojekt in Schwarze Pumpe ist eingestellt, die Natrium-Ionen-Technologie entwickelt sich unabhängig davon weiter.

QUELLEN

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  1. Altech Advanced Materials AG: CERENERGY-Projekt Eingestellt, Ad-hoc-Mitteilung vom 30.07.2026.
  2. rbb24: Altech sagt geplante Batteriefabrik in Schwarze Pumpe ab, 03.08.2026.
  3. Tagesspiegel: Suche nach Partner blieb erfolglos: Altech gibt Batterie-Projekt in der Lausitz auf, 03.08.2026.
  4. Fraunhofer IKTS: Cerenergy, Natrium-Nickelchlorid-Batterien.
  5. Börse Express: Altech: Silumina-Projekt zum 30. Juni aufgelöst, 01.07.2026.
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