CATL Tener Sodium: Natrium-Speicher für einen Cent

SPEICHER · 27. JUNI 2026

CATL Tener Sodium: Was der günstige Natrium-Speicher über den Markt verrät

CATL hat in München einen Natrium-Großspeicher mit Kurs auf einen Cent pro Kilowattstunde vorgestellt. Dahinter steht ein breiter Preisrutsch bei Großspeichern, der den Gaskraftwerken gefährlich wird.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. Lesezeit LESEN


Mit dem Tener Sodium bringt CATL einen Natrium-Großspeicher an den Markt, den die Chinesen im Rahmen der Intersolar 2026 zeigten. Das modulare System speichert mehr als 30 Megawattstunden, hält nach Konzernangaben bis zu 30 Jahre und trennt Speicher und Leistungselektronik voneinander.

Branchenbeobachter rechnen vor, dass der Speicher Investitionskosten von rund einem Cent pro durchgesetzter Kilowattstunde erreicht, gegenüber etwa 1,6 Cent beim bisherigen Lithium-Tener. Bei solchen Werten lohnt sich ein Speicher fast immer. Für Betreiber großer Solar- und Windparks wird es dann schwer zu begründen, überschüssigen Strom noch abzuregeln, statt ihn einzulagern.

Was den CATL Tener Sodium so günstig macht

Der Hebel ist der Rohstoff. Natrium ist über tausendmal häufiger als Lithium und wird aus gewöhnlichem Kochsalz gewonnen. Beim Grundstoff trennen beide Welten: Soda handelt bei einigen hundert Euro je Tonne, batteriefähiges Lithiumkarbonat lag Anfang 2026 bei rund 20.000 Euro. Auf Zellebene sind Natrium und LFP 2026 noch etwa gleichauf, doch Analysten erwarten, dass Natrium ab 2027 strukturell darunter rutscht.

Für stationäre Speicher zählt die geringere Energiedichte von Natrium kaum, dafür spielt die Chemie ihre Stärke bei Kälte aus: Nach CATL-Angaben hält das System bei minus 20 Grad noch über 90 Prozent seiner Kapazität, während LFP-Zellen bei Frost beheizt werden müssen. Ebenso praktisch ist, dass sich der neue Speicher Gehäuse und Stellfläche mit den Lithium-Systemen teilt. Betreiber können je nach Lithiumpreis zwischen beiden Chemien wechseln, ohne neu zu zertifizieren. Das macht Natrium zur Versicherung gegen den nächsten Preissprung am Lithiummarkt.

Warum der Speichermarkt 2026 kippt

Ausgelöst hat den Trend allerdings nicht CATL. Den ersten netzgekoppelten Natrium-Großspeicher Chinas nahm der Wettbewerber HiNa Battery schon 2024 in Betrieb, die erste Anlage im Hundert-Megawattstunden-Maßstab folgte im Oktober 2025. BYD stellte im Februar 2026 seine dritte Natrium-Generation vor. CATL ist also nicht der Erste, der Natrium in den Großspeicher bringt, aber der mit der größten Marktmacht: Schon im April sicherte sich der Konzern mit dem Integrator HyperStrong einen Auftrag über 60 Gigawattstunden, den bis dahin größten Natrium-Deal der Welt. Diese Menge entspricht der Hälfte dessen, was CATL 2025 insgesamt an Speicherzellen auslieferte.

Wie weit der Preisverfall in Europa schon angekommen ist, zeigt der Blick nach Deutschland. In der jüngsten Innovationsausschreibung der Bundesnetzagentur vom Juni 2026 ging der Zuschlag ausschließlich an Solarprojekte mit Speicher, 482 Megawatt zu durchschnittlich 5,34 Cent je Kilowattstunde. In der vergleichbaren Ausschreibung vom Oktober 2024 lag der Schnitt noch bei gut sieben Cent. Den Ausschlag geben heute die niedrigen Speicherkosten.

Auf Systemebene passt dazu eine Analyse des Energie-Thinktanks Ember vom 24. Juni 2026. Saubere Flexibilität aus Batterien, smartem Laden und Wärmepumpen sei reif, fossile Reservekraftwerke zu ersetzen. Der EU-Batteriebestand soll sich bis 2030 vervierfachen, von 43 auf 178 Gigawatt. Großbatterien lieferten Kurzzeitflexibilität dann rund 20 Prozent günstiger als neue Gaskraftwerke. „Saubere Flexibilität ist da“, sagt Ember-Analystin Beatrice Petrovich, die offene Aufgabe sei Umsetzung statt Innovation.

Ist CATL wieder der Trendsetter?

CATL gibt den Takt vor, erfunden hat den Natrium-Großspeicher aber ein anderer. Der Konzern hat schon LFP als Mainstream-Chemie durchgesetzt und mit seinen Großzellen die Standardformate der Branche definiert. Auch beim Batteriewechsel für schwere Lkw setzt der Konzern mit dem System Swaptopus eigene Maßstäbe. Die eigentliche Triebkraft hinter dem Natrium-Boom ist aber nicht ein Hersteller, sondern die Ökonomie eines Rohstoffs, der praktisch unbegrenzt verfügbar ist. CATL macht diese Ökonomie nur sichtbar und bankfähig.

Der weit überwiegende Teil der Natrium-Kapazität entsteht bislang in China, die Internationale Energieagentur verweist trotz aller Dynamik auf offene Fragen bei Lebensdauer und Lieferketten. Internationale Lieferungen des Tener Sodium beginnen ohnehin erst Mitte 2027, die in China kalkulierten Preise erreichen Europa mit Verzögerung. Für die Energiewende zählt weniger, wer zuerst da war, als das Tempo des Preisverfalls, und das ist hoch genug, um die fossile Reservelogik unter Druck zu setzen.

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