PHOTOVOLTAIK · 24. SEPTEMBER 2026
Asurnipal / CC BY-SA 4.0EU-Kommission verweigert Aufschub für chinesische Wechselrichter
Die EU-Kommission bleibt beim 1. November 2026: Ab dann dürfen EU-finanzierte Solar-, Wind- und Speicherprojekte keine Wechselrichter von Hochrisiko-Herstellern wie Huawei mehr einsetzen. Europäische Investitionsbank und Branche hatten mehr Zeit verlangt.
EU-Beamte bestätigten dem Sender Euronews, dass Brüssel die Frist nicht verlängert. Projekte, die ans europäische Stromnetz angeschlossen sind oder werden, müssen chinesische Wechselrichter ausschließen oder schrittweise auf andere Lieferanten umstellen. Die Kommission sagt, es gebe bereits genug Alternativen, und der Preis für eine sichere Energieinfrastruktur sei gering.
Die Europäische Investitionsbank und Teile der Erneuerbaren-Branche hatten auf Ausnahmen gedrängt, zuletzt bei einem eigens einberufenen Runden Tisch der Kommission im Juni. Innerhalb der Behörde stritten das Generalsekretariat und die Generaldirektion Internationale Partnerschaften über die Linie, laut Euronews liegen beide inzwischen näher beieinander. Einzelne Projektentwickler hoffen weiter auf Ausnahmen im Einzelfall, etwa wenn Genehmigungsverfahren die Verzögerung verursachen. Alle anderen müssen neu kalkulieren, auch für Garantien und Wartung.
Warum Brüssel chinesische Wechselrichter für ein Sicherheitsrisiko hält
Wechselrichter wandeln den Gleichstrom aus Solarmodulen oder Batteriespeichern in netzkonformen Wechselstrom und regeln die Einspeisung. Wie viel sie zur Netzstabilität beitragen können, zeigt der Batteriespeicher mit netzbildenden Wechselrichtern in Föhren. Die Kommission fürchtet den umgekehrten Fall: Ein Hersteller könnte Geräte aus der Ferne ansteuern, manipulieren oder abschalten und so Netze destabilisieren, im Extremfall bis zum Blackout.
„Wir stehen bereits vor konkreten Risiken, die eine sofortige Abhilfe erfordern", sagte ein Kommissionssprecher im April laut pv magazine. Die Leitlinie selbst hat die Kommission nie veröffentlicht, sie ging ab dem 23. April 2026 direkt an die Finanzinstitute. Als Grundlage nennt pv magazine Deutschland die Mitteilung zur wirtschaftlichen Sicherheit der EU vom Dezember 2025. Mittelfristig soll der überarbeitete Cybersecurity Act die Beschränkung gesetzlich verankern.
Wer umstellen muss und wer nicht
Als Hochrisiko-Länder führt die Kommission China, Russland, Iran und Nordkorea, in der Praxis trifft es vor allem chinesische Hersteller. Die Regel greift nur, wenn EU-Geld im Spiel ist, direkt oder indirekt über die Europäische Investitionsbank oder den Europäischen Investitionsfonds. Neben Photovoltaik und Windkraft erfasst sie auch Batteriespeicher und deren Umrichter.
Für die Dachanlage und den Heimspeicher ändert sich nichts, ebenso wenig für rein national geförderte Projekte. Huawei verwies gegenüber elektro.at darauf, dass etwa Österreichs EAG-Förderung ausschließlich nationale Mittel nutzt. Dass deutsche Behörden bei chinesischen Wechselrichtern durchgreifen können, zeigte 2023 der Fall Deye: Mikrowechselrichtern des Herstellers fehlte ein vorgeschriebenes Relais, die Bundesnetzagentur schaltete sich ein.
Laut Bundesregierung stammen 70 bis 80 Prozent der in Europa eingesetzten Photovoltaik-Wechselrichter von chinesischen Herstellern. Die Geräte machen nach Kommissionsangaben rund fünf Prozent der Kosten einer Solaranlage aus, ein Lieferantenwechsel verteuere Projekte um weniger als zwei Prozent, sagte ein EU-Beamter im Mai gegenüber Euronews.
SMA und Fronius stützen die Linie, Huawei protestiert
Der Niestetaler Hersteller SMA sieht die Entscheidung sicherheits- und nicht industriepolitisch motiviert. Wechselrichter seien heute „das digitale Herz von Energieanlagen", teilte das Unternehmen elektro.at mit. Europäischen Anbietern könne die Regel bei Großprojekten Auftrieb geben, wie stark, lasse sich noch nicht sagen.
Der österreichische Hersteller Fronius fertigt ausschließlich in Sattledt und schätzt, dass rund 20 Prozent des europäischen Markts direkt betroffen sind, vor allem Großanlagen. „Gerade bei kritischer Energieinfrastruktur ist es richtig und notwendig, Sicherheitsaspekte konsequent zu berücksichtigen", sagt Fronius-Chefin Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß. Das Unternehmen will noch weiter gehen: Anlagen mit risikobehafteten Komponenten sollten gar nicht mehr ans Netz angeschlossen werden dürfen. Huawei dagegen hat nach eigenen Angaben keine Dokumente erhalten, nur Medienberichte und mündliche Hinweise, und spricht von Herkunftsdiskriminierung ohne objektive Grundlage.
Berlin prüft ein Verbot nach dem BSI-Gesetz
Die Bundesregierung teilt die Sicherheitsbewertung und begrüßt den Finanzierungsstopp der Europäischen Investitionsbank. „In China bestehen weitreichende gesetzliche Verpflichtungen für Unternehmen und Privatpersonen zur Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen", heißt es in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen. Wirtschafts- und Innenministerium, Bundesnetzagentur und BSI prüfen deshalb, ob Paragraf 41 des BSI-Gesetzes eine Untersagung kritischer Komponenten im Energiebereich trägt.
Das BSI hatte schon im Januar 2025, bei den Beratungen zum Solarspitzengesetz, vor dem Zugriff chinesischer Hersteller auf deutsche Photovoltaik-Anlagen gewarnt. Einen Beschluss, der auch kleinere oder private Anlagen erfasst, hat die Bundesregierung bisher nicht gefasst.
QUELLEN
- Euronews: EU Commission rejects calls to delay phase-out of Chinese power inverters, 23.09.2026.
- Euronews: EU moves to ban high-risk inverters from China over cybersecurity threats, 04.05.2026.
- pv magazine: EU moves to restrict funding for projects using inverters from high-risk suppliers, 23.04.2026.
- pv magazine: EU funding ban on high-risk inverters, including Chinese suppliers, extends to BESS, 04.05.2026.
- pv magazine Deutschland: Cybersecurity: Bundesregierung prüft regulatorische Schritte gegen chinesische Wechselrichter, 29.06.2026.
- elektro.at: Die EU, China und das Wechselrichter-Verbot: Das sagen die Hersteller, 23.06.2026.
- pv magazine Deutschland: Solarspitzen-Gesetz: BSI warnt vor Zugriff chinesischer Hersteller auf deutsche Photovoltaik-Anlagen, 20.01.2025.