ELEKTROMOBILITÄT · 31. JULI 2026
Foto: CÉTADI Prod / RenaultE-Auto-Strategie: Renault verdient, BMW streicht 8.000 Stellen
Der französische Hersteller Renault aus dem Stellantis-Konzern macht im ersten Halbjahr 700 Millionen Euro Gewinn, getragen von kleinen Elektroautos. Die deutschen Premiumhersteller senken im selben Zeitraum ihre Prognosen.
Renault hat im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 30,25 Milliarden Euro erzielt, ein Plus von 9,4 Prozent. Unter dem Strich stehen 700 Millionen Euro Nettogewinn, nach einem Milliardenverlust im Vorjahreszeitraum. Getragen wird das Ergebnis von einem Absatzplus bei reinen Elektroautos von 47,6 Prozent.
Jeder fünfte verkaufte Neuwagen des Konzerns fährt inzwischen rein elektrisch. Die operative Marge sank zwar von sechs auf 5,2 Prozent, lag damit aber über den Erwartungen der Analysten. Für das Gesamtjahr bestätigte Renault sein Margenziel von 5,5 Prozent.
Die Modelle hinter diesen Zahlen heißen R5, R4 und Twingo. Renault hat drei eigene Klassiker als bezahlbare Elektroautos neu aufgelegt und trifft damit ein Segment, das die deutschen Hersteller weitgehend geräumt haben. Dass aus dem einstigen Pleitekandidaten der profitabelste Autobauer Europas wurde, hat Cleanthinking bereits Anfang 2025 beschrieben.
Warum die deutschen Hersteller anders dastehen
BMW hat in dieser Woche angekündigt, bis Ende 2027 weltweit rund 8.000 Stellen in Verwaltung und Entwicklung zu streichen. Der Konzern will damit ab 2028 jährlich eine Milliarde Euro einsparen. Bereits im Juni senkte BMW die Margenprognose für die Autosparte von vier bis sechs Prozent auf ein bis drei Prozent.
Der Grund liegt in China. Dort brach der BMW-Absatz im zweiten Quartal um fast ein Drittel ein, und verkauft werden dort fast ausschließlich Verbrenner. Volkswagen verzeichnete im selben Markt ebenfalls ein Minus von mehr als einem Drittel und will nun die Modellpalette reduzieren.
Mercedes-Benz kam in China im ersten Halbjahr auf 210.200 Verkäufe. In den besten Zeiten 2023 waren es 737.000 Fahrzeuge im ganzen Jahr. Auch Audi und Mercedes haben ihre Umsatzprognosen gekappt, VW plant weitere Einsparungen mit noch offenem Gesamtvolumen.
Bemerkenswert ist dabei, dass die Elektroautos der deutschen Hersteller durchaus gefragt sind. Fast jeder dritte in Europa verkaufte BMW ist nach Konzernangaben ein Stromer. Das Problem sitzt nicht im Produkt, sondern im Zuschnitt der Absatzmärkte.
Europa wächst, China und die USA schrumpfen
Die Unternehmensberatung PwC hat 43 wichtige Märkte ausgewertet und kommt für das erste Halbjahr auf rund 6,6 Millionen neu zugelassene Elektroautos. Das Wachstum von neun Prozent verteilt sich allerdings sehr ungleich.
| Markt | Neuzulassungen H1 2026 | Veränderung |
|---|---|---|
| Europa (EU, UK, EFTA) | 1,6 Mio. | +33 % |
| China | 3,6 Mio. | -5 % |
| USA | k. A. | -22 % |
| 43 Märkte gesamt | 6,6 Mio. | +9 % |
Quelle: PwC, Auswertung von 43 Märkten, Stand Juli 2026.
In Europa erreichten Elektroautos damit einen Marktanteil von 22 Prozent. Der Herstellerverband ACEA weist für Neuwagen einen Anstieg von 15,6 Prozent im Vorjahr auf 20,7 Prozent aus. Deutschland bleibt der größte Einzelmarkt vor Großbritannien und Frankreich, wie schon die Marktzahlen zur Elektromobilität 2026 gezeigt haben.
Der Anteil chinesischer Marken in Europa bleibt im Halbjahr überschaubar. Geely kommt mit Volvo und Polestar auf 2,7 Prozent, SAIC mit MG und BYD auf je 2,2 Prozent. Im Juni allein stieg der Anteil chinesischer Konzerne allerdings von sechs auf zehn Prozent.
Was die E-Auto-Strategie für Europas Hersteller entscheidet
Auch Stellantis meldete für das Quartal wieder Gewinne. Bei einem Umsatzplus von 13 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro stehen 293 Millionen Euro Gewinn, nach 1,9 Milliarden Euro Verlust im Vorjahresquartal. Der Konzern mit Opel, Fiat, Peugeot und Jeep ist in China kaum präsent.
Damit stehen sich im selben Halbjahr zwei Muster gegenüber. Die Hersteller mit bezahlbaren Elektromodellen und europäischem Schwerpunkt schreiben schwarze Zahlen, die Premiumhersteller mit hohem China-Anteil und Verbrennerlastigkeit streichen Stellen. Die E-Auto-Strategie entscheidet damit stärker über das Ergebnis als die Konjunktur.
Offen bleibt, wie tragfähig das europäische Wachstum ist. Fachleute verweisen darauf, dass die Anschaffung von Elektroautos in der EU weiterhin stark subventioniert wird. Gleichzeitig sinken die Preise, wie die aktuelle Untersuchung zu Elektroauto-Preisen belegt, und die chinesischen Anbieter drängen mit aggressiven Preisstrategien nach.
Für die deutschen Werke hat das Folgen, die über die Bilanz hinausreichen. Welche Kapazitäten in Europa überflüssig werden und was mit den Hallen geschieht, hat Cleanthinking in der Analyse zu Überkapazitäten in der Autoindustrie beschrieben.
QUELLEN
- ORF: Licht und Schatten: E-Auto-Strategie als Crux für EU-Hersteller, 30.07.2026.
- Handelsblatt: Autoindustrie: BMW baut bis Ende des kommenden Jahres 8000 Stellen ab, 29.07.2026.
- WirtschaftsWoche: Renault kehrt dank starkem E-Auto-Absatz in die Gewinnzone zurück, 30.07.2026.
- PwC: Electric Vehicle Sales Review, Auswertung von 43 Märkten, Juli 2026.
- ACEA: Neuzulassungsstatistik erstes Halbjahr 2026.