MOBILITÄT · 15. September 2026
Unsplash / Jacek Dylag9,3 Billionen Dollar betragen die jährlichen Kosten des Autoverkehrs weltweit
Der weltweite Autoverkehr kostet jährlich rund 9,3 Billionen US-Dollar. Das zeigt eine neue Studie von vier Verkehrsforschern. Nur 23 Prozent der Kosten des Autoverkehrs zahlen Autofahrer selbst, den Rest trägt die Gesellschaft.
Davon entfallen rund 7,2 Billionen Dollar auf die Gesellschaft. Nur 2,1 Billionen Dollar zahlen Autofahrer direkt für Kauf, Kraftstoff, Wartung und Versicherung. Die Kosten des Autoverkehrs entsprechen damit 8,3 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung von 110,98 Billionen Dollar, wie die Weltbank für das Jahr 2024 ermittelt hat.
Verfasst haben die Studie Nadja Schweiggart und Stefan Gössling von der Linnaeus-Universität in Schweden. Mark Nieuwenhuijsen vom Forschungsinstitut ISGlobal in Barcelona und Felix Creutzig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung haben mitgeschrieben. Das Fachjournal Transportation Research Part A veröffentlichte die Arbeit Anfang September 2026.
Forscher beziffern Unfallkosten im Autoverkehr auf vier Billionen Dollar
Den größten Einzelposten bilden Unfälle mit knapp vier Billionen Dollar pro Jahr. Darin stecken 2.145 Milliarden Dollar für tödliche und 1.839 Milliarden Dollar für nicht tödliche Unfälle. Neue Infrastruktur schlägt mit 1.050 Milliarden Dollar zu Buche, tödliche Luftverschmutzung mit 910,8 Milliarden Dollar.
| Kostenposten | Mrd. US-Dollar pro Jahr |
|---|---|
| Unfälle (tödlich) | 2.145,0 |
| Unfälle (nicht tödlich) | 1.839,0 |
| Neue Infrastruktur | 1.050,0 |
| Luftverschmutzung (tödlich) | 910,8 |
| CO2-Kosten | 722,0 |
| Lärm | 210,0 |
| Luftverschmutzung (nicht tödlich) | 137,3 |
| Straßenland-Nutzung | 99,4 |
| Boden- und Wasserverschmutzung | 37,5 |
| Vor- und nachgelagerte Prozesse | 32,5 |
| Parkflächen | 18,2 |
Quelle: Schweiggart, Gössling, Nieuwenhuijsen, Creutzig, „The global cost of automobility", Transportation Research Part A, 2026.
Jeder gefahrene Fahrzeugkilometer kostet nach der Studie 0,72 US-Dollar. Autofahrer zahlen davon nur 0,16 Dollar selbst, die Gesellschaft trägt die restlichen 0,55 Dollar.
Unfälle kosten die Gesellschaft mehr als Klimaschäden, Luftverschmutzung und Lärm zusammen. Die Autoren nennen deshalb drei Hebel mit der größten Wirkung: schnelleren Einbau autonomer Sicherheitssysteme, strengere Tempolimits und höhere Sicherheitsstandards bei Straßen und Kreuzungen.
Deutschland liegt bei den Kosten des Autoverkehrs weltweit auf Platz drei
Der Autoverkehr kostet Deutschland nach der Studie jährlich rund 397 Milliarden Dollar an sozialen Folgekosten. Nur China und die USA liegen davor, Frankreich folgt mit Abstand auf Platz vier. Im Alternativszenario der Forscher sänke die deutsche Summe auf rund 163 Milliarden Dollar.
| Land | Status quo (Mrd. USD) | MaaS-Szenario (Mrd. USD) |
|---|---|---|
| China | 1.984,7 | 814,6 |
| USA | 1.693,7 | 777,3 |
| Deutschland | 396,9 | 162,9 |
| Frankreich | 345,9 | 142,0 |
| Großbritannien | 286,9 | 117,8 |
| Indien | 263,6 | 108,2 |
| Kanada | 225,7 | 92,7 |
| Spanien | 140,1 | 57,5 |
| Australien | 132,1 | 54,2 |
| Niederlande | 73,8 | 30,3 |
| Schweden | 45,0 | 18,5 |
| Schweiz | 35,6 | 14,6 |
| Welt gesamt | 7.147,0 | 2.901,0 |
Quelle: Schweiggart, Gössling, Nieuwenhuijsen, Creutzig, „The global cost of automobility", Abbildung 3, soziale Kosten pro Jahr.
Wie stark der deutsche Staat den Verbrenner-Dienstwagen begünstigt, hat Cleanthinking 2020 mit gut 32 Milliarden Euro jährlich beziffert. Seit Juni 2026 kämpfen Autohersteller und Verbände gegen eine geplante EU-Quote für elektrische Firmenflotten. Beide Fälle zeigen denselben Mechanismus: Politisch gesetzte Regeln drücken die privaten Kosten des Autoverkehrs, die Gesellschaft trägt den Rest.
Die sieben größten Autonationen könnten Billionen Dollar sparen
Die Forscher rechnen zusätzlich ein Alternativszenario durch: den vollständigen Umstieg auf autonome, elektrische Shared-Mobility-Flotten anstelle privater Pkw. Die weltweiten Gesamtkosten sänken danach auf rund 3,68 Billionen Dollar, ein Rückgang um 5,6 Billionen Dollar gegenüber heute. Grund seien laut den Autoren rund 25 Prozent weniger gefahrene Kilometer sowie der Wegfall der meisten Unfall- und Parkkosten.
Sieben Länder verursachen dabei die höchsten Kosten: die USA, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien und Kanada. Ihr gemeinsames Einsparpotenzial beziffern die Autoren auf rund 3,8 Billionen Dollar pro Jahr. China und die USA könnten danach jeweils mehr als eine Billion Dollar an externen Kosten vermeiden. Große europäische Volkswirtschaften kämen laut der Studie auf 202 bis 280 Milliarden Dollar Ersparnis.
Die Autoren nennen vier Instrumente, um die Lücke zwischen privaten und sozialen Kosten zu schließen: eine CO2-Bepreisung, eine City-Maut sowie distanz- und gewichtsbasierte Straßennutzungsgebühren. Als vierten Hebel nennen sie den Abbau lange bestehender impliziter Parkplatzsubventionen.
Für den Übergang schlagen die Autoren ein gestuftes Zonenmodell vor, das an den europäischen Umweltzonen ansetzt. Zuerst sollen begrenzte Innenstadtzonen geteilte elektrische und später autonome Fahrzeuge zulassen. Die Ausweitung auf Vororte und Verbindungskorridore zwischen Städten soll danach schrittweise folgen.
Mehrere Kostenblöcke fehlen den Autoren zufolge in der eigenen Rechnung. Sie verweisen auf Delucchi und Murphy, die allein die US-Militärausgaben zur Sicherung fossiler Ölreserven auf 25 bis 85 Milliarden Dollar pro Jahr schätzen. Transport & Environment beziffert den geopolitischen Aufschlag, den europäische Autofahrer 2022 zahlten, auf rund 55 Milliarden Euro.
Weitere Posten bleiben außen vor: Staukosten, Mikroplastik aus Reifenabrieb sowie im Alternativszenario der Energie- und Wasserbedarf der Systeme, die autonome Flotten steuern. Die Datenbasis stammt überwiegend aus Nordamerika und Europa und wurde kaufkraftbereinigt auf die Welt hochgerechnet. Die Autoren bezeichnen ihr Ergebnis deshalb als Größenordnung, nicht als exakte Bilanz.
Das Alternativszenario ist eine Momentaufnahme zweier Endzustände, kein Übergangspfad. Verhaltensreaktionen und Rückkopplungen im Gesamtsystem bleiben unberücksichtigt. Die Autoren räumen ein, dass geteilte Mobilität auch Wege ersetzen könnte, die heute zu Fuß, mit dem Rad oder im öffentlichen Nahverkehr zurückgelegt werden. Das würde die errechnete Einsparung schmälern.
Autonomes Fahren ist keine reine Zukunftsvision mehr: Seit August 2026 fahren in München testweise Waymo-Robotaxis durch die Stadt. Die technischen Automatisierungsstufen dahinter erklärt Cleanthinking im Überblick zu den SAE-Leveln. Laut den Autoren steigt die politische Durchsetzbarkeit einer Beschränkung des privaten Autobesitzes, sobald autonome Flotten zur Normalität werden.
Die Bindung ans eigene Auto beruhe demnach auf dem bequemen Sofortzugriff und dem Statuswert des Eigentums. Beide Effekte schwächen sich ab, sobald ein Fahrzeug binnen Minuten zuverlässig abrufbar ist.
Für den einzelnen Autofahrer fällt die Rechnung dagegen knapp aus. Bei 10.000 Kilometern Fahrleistung pro Jahr spart ein Nutzer im mittleren Szenario rund 288 US-Dollar. Verlangen die Flottenbetreiber Monopolpreise, zahlt derselbe Nutzer bis zu 830 US-Dollar mehr als heute. Der große Gewinn des Systemwechsels liegt nicht beim Fahrer, sondern bei allen anderen.
QUELLEN
- Der Spiegel: Hohe Umwelt- und Gesundheitskosten durch Verbrenner: Autoverkehr kostet die Weltwirtschaft rund neun Billionen US-Dollar pro Jahr, 10.09.2026.
- Transportation Research Part A: The global cost of automobility, 09.09.2026.