
Während Medien Spritpreis-Emotionen schüren, zeigen Praxistests und Flottenvergleiche: E-Mobilität rechnet sich für gewerbliche Flotten schon heute
E-Transporter im Handwerk könnten Betrieben Tausende Euro im Jahr sparen – doch stattdessen dominiert Spritpreis-Frust die Schlagzeilen. Diesel bei 2,11 Euro pro Liter, sieben Transporter im Fuhrpark, tausend Liter auf Vorrat bestellt – und trotzdem reicht es hinten und vorne nicht. So beschreibt eine Thüringer Malermeisterin ihre Lage in der BILD-Zeitung. Das Blatt macht daraus, was es am besten kann: Emotionen, Wut, Ängste. Große Schlagzeilen, großer Ärger, Dampf ablassen. Aber Lösungen? Fehlanzeige. Dafür gibt es Cleanthinking.
Was würde passieren, wenn Handwerksbetriebe wie die Malerwerkstatt Beck ihre Diesel-Flotte gegen E-Transporter tauschen? Die Antwort liefern aktuelle Zahlen – und sie ist überraschend eindeutig.
Eine Macherin in der Diesel-Falle
Maria Hettenhausen ist Malermeisterin, Geschäftsführerin und Mutter. Als ihr Vater 2024 schwer erkrankte, übernahm sie den Familienbetrieb mit rund 20 Angestellten praktisch über Nacht. Die Thüringer Allgemeine erzählt ihre beeindruckende Geschichte in einer mehrteiligen Serie – eine echte Macherin (und Maler-Meisterin!).
In der BILD-Berichterstattung geht es allerdings nicht um diese Geschichte. Dort steht Maria Hettenhausen vor ihren sieben Dieseltransportern und ärgert sich über Spritpreise. Sie vermeidet Sinnlosfahrten, versucht mehrere Anlaufstellen mit einer Tour zu verbinden. Verständlich. Aber es bleibt Symptombekämpfung.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Muss ein Handwerksbetrieb 2026 noch Diesel fahren?
E-Transporter: 63 % weniger variable Kosten – auch ohne Förderung
Kazenmaier Leasing, ein markenunabhängiger Full-Service-Leasinganbieter mit Schwerpunkt E-Mobilität, hat die variablen Nettokosten eines Elektrofahrzeugs mit denen eines Dieselfahrzeugs von einem Pflegedienst verglichen – Energie, Wartung, Verschleiß und Steuern inklusive. Schon 2025 lagen die Kosten des E-Autos um 63 Prozent unter denen des Verbrenners. Mit den aktuellen Dieselpreisen von über 2,00 Euro pro Liter hat sich die Schere weiter geöffnet.
Konkret: Bei 40.000 Kilometern Jahresfahrleistung spart ein einzelnes Elektrofahrzeug rund 3.000 Euro an variablen Kosten – pro Jahr, pro Fahrzeug. Für einen Betrieb mit sieben Transportern wären das über 20.000 Euro jährlich. Geld, das nicht in den Tank fließt, sondern in den Betrieb.
„Mobilitätskosten werden immer stärker von externen Effekten beeinflusst“, sagt Kazenmaier-Geschäftsführer Max Nastold. Geopolitische Krisen machten Unternehmen abhängig von Energiepreisen, die sie nicht kontrollieren können. Elektrische Fahrzeuge reduzierten diese Abhängigkeit und böten Flottenbetreibern die dringend notwendige Planbarkeit.
Fünf Tage Praxistest: Ein Malermeister steigt auf E um
Dass es in der Praxis funktioniert, zeigt ein norddeutscher Malermeister, der fünf Tage lang seinen Diesel gegen einen vollelektrischen Renault Master E-Tech getauscht hat – den Van of the Year 2025. Mit einer halben Palette Spachtelmasse im Heck ging es auf Baustellen, zum Materialholen und durch den ganz normalen Handwerkeralltag.
Seine Einschätzung: Der E-Transporter von Renault sei agil und kraftvoll, das Fahren nach einem langen Baustellentag eine echte Wohltat. Mit dem 87-kWh-Akku kam er auf 350 bis 410 Kilometer Reichweite – bei einem Tagesbedarf von rund 100 Kilometern mehr als genug. Schnellladen brachte den Akku in 40 Minuten von 15 auf 80 Prozent. Über Nacht an der Haushaltssteckdose: 96 Prozent.
Einen Haken gab es: Drei von vier Ladesäulen fielen unterwegs aus. Die Ladeinfrastruktur müsse zuverlässiger werden. Aber für Betriebe mit festen Einsatzorten und überschaubaren Tagesstrecken passe das Konzept. Sein Urteil: Wer sein Geld auf der Baustelle verdient und nicht im Auto, für den passe das perfekt: "Für Handwerksbetriebe mit festen Einsatzorten und überschaubaren Strecken sei der elektrische Transporter ideal."
Nicht nur Handwerk: Pflege, ÖPNV und Co.
Der Vorteil der Elektromobilität beschränkt sich nicht auf Malerbetriebe. Kazenmaier nennt Pflegeeinrichtungen als besonders geeignete Zielgruppe – Mobilitätskosten gehören dort zu den größten Kostenblöcken, die Fahrtstrecken sind kurz und planbar. Pflegedienste wie Sankt Hildegard in Kropp machen es vor: Ihre Flotte aus Opel Corsa Electric lädt an eigenen Ladesäulen auf dem Betriebsgelände. Statt schwankender Dieselpreise zahlen sie den Hausstrompreis – und könnten mit eigener Photovoltaik noch günstiger fahren.
Auch der ÖPNV kann profitieren, je nach Bundesland mit zusätzlichen Fördergeldern für Anschaffung und Ladeinfrastruktur. Die Kernaussage: Die Wirtschaftlichkeit der E-Mobilität steht auch ohne staatliche Förderung. Die Förderung ist ein Bonus, kein Argument.
Elektromobilität: Wutmacher oder Mutmacher?
Spritpreis-Frust ist verständlich. Wer jeden Monat Tausende Euro in den Dieseltank kippt und sieht, wie der Literpreis klettert, hat Grund zum Ärger. Die Frage ist nur, was daraus folgt: Dampf ablassen und hoffen, dass die Preise sinken? Oder den Umstieg planen, der die Abhängigkeit beendet?
Für Handwerksbetriebe gibt es längst eine rechnerische Antwort: 63 Prozent weniger variable Kosten. Über 20.000 Euro Ersparnis pro Jahr bei sieben Fahrzeugen. Praxistests, die zeigen, dass es funktioniert. Die Technik ist da. Die Frage ist nicht mehr ob – sondern wann.
Morgen bei Cleanthinking: Mutmacher-Storys von Privatpersonen, die zeigen, wie das Leben jenseits fossiler Abhängigkeit aussieht. Menschen, die nicht jammern – sondern machen. Nicht nur bei sich Hause "machen", sondern auch anderen Mut "machen".
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[…] Interesse an weiteren positiven Entwicklung rund um das Erfolgsprojekt Energiewende? Lesen Sie auch, wie Mutmacher Nabil seine Energiewende realisiert und, wie Handwerker oder Pflegebetriebe aus der fossilen Kostenfalle kommen. […]
BDI- & Ifo-Präsident haben gestern erst die Energiearmut in Deutschland bekannt gegeben. Energie ist hier seit 5 Jahren knapp und zu teuer und die Produktion sinkt seither. Der energieintensiven Industrie geben die hier keine Zukunft. Und die Insolvenzen steigen daher.
Lieber Michael,
ich kann in seriösen Medien mal wieder keinen Beleg für Deine These finden.
Herr Fuest hat gesagt, man habe ich entschieden, ein Land zu sein, in dem Energie knapp sei. Damit erzählt Herr Fuest kompletten Nonsens. Zeitgleich philosophiert „Outdoor Chiemgau“ über eine Hellbrise. Die Akteure sollten sich mal entscheiden, welche „alternativen Fakten“ sie jetzt verbreiten möchten.
Erneuerbare Energie ist schon per Definition quasi nie knapp. Wir müssen sie nur ernten und das dazu passende System bauen. Der Weg geht in Richtung „Energie im Überfluss“.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
P.S.: Vielleicht wäre es in Zukunft möglich, dass Du ab und zu auf die Beiträge eingehen würdest, die ich schreibe.
Herr Fuest hat gesagt, man habe ich entschieden, ein Land zu sein, in dem Energie knapp sei. Damit erzählt Herr Fuest kompletten Nonsens. Zeitgleich philosophiert „Outdoor Chiemgau“ über eine Hellbrise. Die Akteure sollten sich mal entscheiden, welche „alternativen Fakten“ sie jetzt verbreiten möchten.
Erneuerbare Energie ist schon per Definition quasi nie knapp. Wir müssen sie nur ernten und das dazu passende System bauen. Der Weg geht in Richtung „Energie im Überfluss“.
Wir produzieren seit 2017 immer weniger Strom in Deutschland und importieren immer mehr Strom. Zudem ist jetzt schon der Strom in Deutschland mit am teuersten auf der Welt. Strom ist knapp und teuer. Daher wird es sich nicht bezahlt machen auf E-Autos und E-Wärmepumpen umzusteigen. Zudem fahren jetzt schon so viele Autos im Land wie nie und so viel wie nie. Daher wurden die Klimaziele im Verkehrssektor auch wieder verfehlt.
Wir importieren Strom, weil er billiger ist, als wenn wir ihn selbst produzieren müssten. Und nein wir haben nicht den weltweit teuersten Strom. Wir sind im Ranking auf Platz 5 gefallen hinter Bermuda mit 41,97 ct/kWh, Dänemark mit 40,62 ct/kWh, Irland mit 39,4 ct/kWh und Belgien mit 38,2 ct/kWh. Deutschland liegt also mit seinen 38 ct/kWh nur noch auf Platz 5. Wie ich in Deutschland auf 24,9 ct/kWh komme, weiß ich nicht. Sicherlich weil ich nicht ganz so wechselfaul bin wie so manch satter Deutscher, dem der Strompreis einfach egal ist.
Strom ist bei uns nicht knapp. Wir könnten sogar sofort alle Windräder und PV-Anlagen still legen und unseren Strom immer noch über fossile Kraftwerke selbst erzeugen. Einfach weil die Kapazität an Reservekraftwerken da ist. Allerdings wäre das immens teuer. Daher ist es auch so dumm den Ausbau der Erneuerbaren zu bremsen. Genauso wäre es dumm nicht überschüssigen billigen Strom aus dem europäischen Verbundnetz zu entnehmen.
Kaufkraftbereinigt liegen wir übrigens nur noch auf Platz 22.
Was aber immer wieder immens lustig ist -> wir importieren 3% Strom und das soll der Untergang Deutschlands sein. Wir importieren aber jedes Jahr 95% unseres Erdgases und sogar 97% unseres Erdöls und das ist dann keine Erwähnung wert, obwohl es uns jedes Jahr 70! Milliarden kostet?
Nur mal als Beispiel: Der Netzausbau soll 300 Milliarden im schlechtesten Fall bis 2045 ganze 600 Milliarden kosten. Macht im schlechtesten Fall in 20 Jahren 30 Milliarden pro Jahr, die sogar noch als Investition im eigenen Land bleiben. Statt 1.400 Milliarden in 20 Jahren die wir verbrennen und an Diktaturen überweisen.
Edit: und was E-Auto und WP angeht. Ich habe als Bauarbeiter 5 Jahre gebraucht um auf E-Auto und WP inkl. PV-Anlage umzusteigen. Meine jährlichen Energiekosten (Sprit, Strom, Gas) sind von 3.800 € auf jetzt (nur noch Strom) 1.300 € gesunken. Die aktuelle Lage an den Tankstellen ist mir sowas von egal. Selbst wenn ein Teil über eine Teuerung bei Lebensmitteln bei mir ankommen wird. Aber das kann ich bewusst vernachlässigen. Eben weil es mich eher weniger betrifft.